Trilog 2009: Impulse für die Zukunft setzten
Designer-Rindfleisch ohne Viehzucht, Satelliten-Solarenergie, Salzwasser-Landwirtschaft und kollektive Intelligenz - die schöne neue Welt hat am Freitag Einzug gehalten in Salzburg.

Foto © APAWill Ideen für kommende Zeiten an den Mann bringen.
Zum Auftakt des Salzburg Trilogs 2009 stimmte US-Zukunftsforscher Jerome Glenn am Abend Politiker, Wirtschaftskapitäne, Kunstschaffende und junge Hoffnungsträger auf die Zukunft ein, die angesichts mannigfacher Bedrohungsszenarien gestaltet werden will.
"Ich versuche, Dinge zu sagen, die nicht schon jeder weiß und will das Offenkundige vermeiden", erklärt Glenn die kühnen Visionen, die die von ihm geleitete Denkfabrik "Millenium Project" in weltweiter Recherche zusammengetragen hat. Im Publikum lauschten unter anderen Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel als Initiator des Forums, Liz Mohn, Gründerin und Vize-Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, und OECD-Vizegeneraldirektor Aart de Geus den Ausführungen.
Ideen weitertragen
"Ich wünsche mir, dass die Teilnehmer von hier Impulse und Ideen bekommen und sie weitertragen", so Außenminister Michael Spindelegger im Gespräch mit der APA. "Immerhin stehen wir an einer Weichenstellung für das System nach der Krise; eine Möglichkeit, die wir nutzen sollten." Zum Fluss der Ideen beitragen soll auch heuer wieder die sommerliche Atmosphäre der Salzburger Festspiele - Nachdenken "unbelastet vom Alltagstrubel", wie Spindelegger hofft.
Den Beginn machten am Freitag die jungen Führungskräfte und Kreativen. Sie nahmen etwa die im Dezember in Kopenhagen stattfindende UNO-Klimakonferenz vorweg und bekamen sogleich das erzielte Ergebnis umgelegt auf den Anstieg von Temperatur- und Meeresspiegel präsentiert. Als "inspirierend" beschrieb ein Teilnehmer aus Schweden das Zusammentreffen mit anderen jungen Menschen, die jeweils eigene zukunftsträchtige Ideen und Projekte mitbrachten. Der jüngste ist mit elf Jahren Felix Finkbeiner aus dem Südwesten Münchens. Er trägt ein grünes T-Shirt mit der Aufschrift "Plant for the Planet". Dahinter steckt weit mehr als nur ein Bekenntnis zum Umweltschutz: "Im November wollen wir den einmillionsten Baum in Deutschland pflanzen", so Felix.
Zeitfenster der Möglichkeiten
Von einem "Zeitfenster der Möglichkeiten" spricht Zukunftsforscher Glenn bei der Vorstellung des "State of the Future 2009"-Berichts. Zwar sei im Gefolge der globalen Rezession heuer erstmals seit 20 Jahren der aus 28 Indikatoren erstellte Zukunftsindex SOFI gefallen, aber die Krise sei auch eine gute "Entschuldigung, das Spiel zu überdenken". Wohin es mit dem Weltwirtschaftssystem gehen könnte, zeichnet sich demnach bereits ab: Da sei etwa das Konzept des Nicht-Besitzens im Gegensatz zum kommunistischen Staatsbesitz und dem kapitalistischen Privatbesitz, Stichwort "Open Source". Zum anderen vernehmen die "Millenium Project"-Forscher einen Ruf nach mehr Ethik in der Wirtschaft und sind dabei, das Potenzial kollektiver Intelligenz zu erahnen, eine Art Mega-Wikipedia des Weltwissens.
Dem gegenüber steht eine fast unüberschaubare Zahl von Herausforderungen und Bedrohungen: Asteroiden, die das Leben auf weiten Teilen der Erde mit einem Schlag auslöschen könnten, Massenvernichtungswaffen in der Hand von Einzelpersonen, Kriege um die Ressource Wasser, neue Killerviren und nicht zuletzt der Klimawandel mit all seinen Folgen. Woraus schöpft der Zukunftsforscher seine Hoffnung? "Vor nicht allzu langer Zeit dachte man, ein Dritter Weltkrieg, ein Atomkrieg zwischen der Sowjetunion und den USA wäre unvermeidlich. Aber wir haben es da raus geschafft!"
Am Samstag beschäftigen sich die Teilnehmer des bis Sonntag dauernden Salzburger Trilogs mit dem Themenkreis Nachhaltigkeit und kollektives Gestalten, bevor der argentinisch-israelische Star-Dirigent und Gründer des israelisch-arabischen West-Eastern-Divan-Orchesters, Daniel Barenboim, über "Lernen und Führen durch Kunst" spricht - und am Abend im Großen Festspielhaus "Fidelio" dirigiert.














