Das trügerische Hoch an den Börsen
Seit März sind die Aktienkurse an der Wiener Börse um 57 Prozent gestiegen - ein trügerisches Hoch. Der Patient Börse könnte rückfällig werden, warnen Experten.

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Die Glücksritter haben das Börsenparkett wieder erobert. Wer am 2. März zum Beispiel 10.000 Euro in die Aktie der Erste Bank investiert hat, stünde heute bei 30.000 Euro. Der Kurs hat sich mehr als verdreifacht. Freilich: Zu Jahresbeginn lagen die Aktienmärkte völlig am Boden, die Kurse waren ebenso im Keller wie das Vertrauen der Anleger - optimale Bedingungen also für nervenstarke Schnäppchenjäger.
Einige haben diese Chance genutzt, wie's die Entwicklung des Wienr Leitindex ATX zeigt. Er markierte in dieser Woche sein Jahreshoch und lag gestern mit 2XX Punkten um 57,X Prozent höher als Anfang März. Wobei: Vor einem Jahr, bevor mit dem Fall der US-Bank Lehman Brothers das Kursgemetzel an den Börse startete, lag der ATX mit rund 5000 Punkten noch mehr als doppelt so hoch. Ein ähnliches Bild liefern praktisch alle Börsen, von Frankfurt bis zur Wall Street, ab.
Verunsicherte Anleger
Doch was sollen Anleger jetzt tun? Auf eine Fortsetzung der Kursrallye hoffen oder lieber weiterhin die Finger von risikoreichen Anlagen lassen, nach dem Motto: Die nächste Blase platzt bestimmt? Wie es weitergeht, sei jedenfalls schwer einschätzbar, so der Präsident des Interessenverbandes für Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger. "Das Ärgste liegt zwar hinter uns, dennoch hat die Börse zuletzt überreagiert. Ich rechne in diesem Jahr noch mit Rückschlägen." Bestenfalls, so Rasinger, werde der ATX zu Jahresende auf dem derzeitigen Niveau von rund 2200 Punkten stehen. "Wir vernehmen derzeit eine große Verunsicherung bei den Anlegern, das hat auch mit den niedrigen Zinsen zu tun." Anleihen seien Aktien derzeit noch immer vorzuziehen, weil die Auswirkungen der Wirtschaftskrise noch nicht gänzlich ausgestanden seien, so Rasinger. Privatanlegern rät er am Aktienmarkt jedenfalls zu erhöhter Vorsicht. Er registrie
re aber branchenabhängige Unterschiede. Schwierig seien weiterhin Titel, die mit der Bauwirtschaft oder der Autoindustrie zu tun haben. Im konsumnahen Bereich sei die Stimmung besser.
So kann's nicht weitergehen
Von einer "außergewöhnlichen Performance in den letzten Monaten" spricht auch Birgit Kuras, Chefanalystin der Raiffeisen Centrobank (RCB). Geht es in dieser Tonart weiter? Kaum. So die Einschätzung der RCB. Kuras geht nicht davon aus, dass der ATX die Performance ungetrübt fortsetzen kann. Vielmehr erwartet sie, dass die Volatilität, also die Kursschwankungen, in den nächsten Monaten zunehmen. Daher sei davon auszugehen, dass die ATX-Entwicklung von Rückschlägen gekennzeichnet sein wird, so die Prognose von Kuras. Aus diesen Schwächephasen könnten aber auch die Impulse für Investitionen kommen. Das Fazit der Analystin: "Die Party geht grundsätzlich weiter." Auch deshalb, weil es mit Betrieben, die im ATX gelistet sind, heuer noch bergauf gehen soll. Skeptischer gibt sich der Chefanalyst der Erste Group, Friedrich Mostböck: "Die Rallye der vergangenen Monate am Aktienmarkt ist vorbei", so sein Börsen-Ausblick fürs zweite Halbjahr. Dennoch seien die Anzeichen für eine Stabilisierung gut. Doch für den Sommer rechne er mit einer "Korrekturphase" (sprich: es geht wieder bergab), weitere "Erholungsphasen" (heißt: es geht wieder bergauf) erwartet er erst gegen Jahresende.















