RZB-Chef Rothensteiner im Interview
Der Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walter Rothensteiner, sieht für die Banken keinen Grund zur Neuorientierung. An RZB-Strategie werde nicht gerüttelt.

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Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat gerade zwei Milliarden Euro Quartalsgewinn ausgewiesen. Was denken Sie über solche Meldungen?
WALTER ROTHENSTEINER: Darf ich dem etwas Positives abgewinnen? Es ist doch gut, dass es Entwicklungen nach oben gibt. Ich sehe nicht ein, die ganze Welt auf Katastrophenniveau einzuorden. Wir hier leiden doch auf hohem Niveau. Die Mehrheit der Österreicher hat mehr Geld als 2008 in der Tasche. Die meisten Menschen kennen die Krise aus den Medien, nicht weil sie bei einem Autozulieferer arbeiten.
In Anlehnung an den legendären deutschen Fußballtrainer Sepp Herberger: Ist nach der Krise vor der Krise? Wo steht die Wirtschaft im Moment? Haben wir Halbzeit?
ROTHENSTEINER: Dieses Lizitieren habe ich aufgegeben. Solche Aussagen dienen nur dazu, sich plakativ wichtig zu machen. De facto wird man binnen zwei Monaten widerlegt. Wichtig ist: Die Banken sind stabilisiert, es gibt keine Liquiditäts-Probleme mehr.
Warum sind Sie dann für die Verlängerung des Bankenpakets, obwohl es nur zum Teil genutzt ist?
ROTHENSTEINER: Es gibt worst case-Szenarien, die aus meiner Sicht nicht eintreffen, für die es aber gut wäre, das Paket noch zu haben. Wieso sollte man es aufgeben, wenn es der Nationalrat einmal beschlossen hat? Ich habe auch kein schlechtes Gewissen in Bezug auf die Staatshilfe. Der Staat bekommt von uns mehr Geld, als unsere Eigentümer je an Dividende bekommen haben.
Die Vorschriften der Bankenrichtlinie Basel II könnten im Herbst allein für den RZB-Konzern eine Milliarde Euro Eigenkapital-Unterlegung zusätzlich erfordern. Wie realistisch ist eine Änderung von Basel II?
ROTHENSTEINER: Ich hoffe sehr. Die Amerikaner hätten das längst gemacht. Da geht es um das Problem, dass eine etwas schlechtere Kundenbonität exponentiell mehr Eigenkapitalunterlegung verlangt. Wir haben bei der Einführung von Basel II die Tests nicht ausreichend bergab gespielt. Basel II ist grundsätzlich gut. Es geht um Änderungen, ohne das ganze System in Frage zu stellen.
Ist das Thema Basel II ein Deckmäntelchen dafür, dass doch viel mehr Kredite - vor allem in Osteuropa - notleidend werden, als man ursprünglich geglaubt hat?
ROTHENSTEINER: Sicher nicht. Wir würden nur gern weniger von dem teuren Staatskapital aufnehmen als wir das bis zu einem gewissen Grad wegen Basel II tun. Es ist ja ein unheiliger Zirkel: Die Republik beschließt ein Gesetz. Um dem zu genügen, nehmen wir von der Republik teures Geld.
Bisher beschränken sich alle Maßnahmen auf Schadensbegrenzung. Eine Neuorientierung, Neuordnung ist nicht erkennbar.
ROTHENSTEINER: In Österreich sehe ich kaum jemanden, der etwas falsch gemacht hätte. Notwendige Strukturveränderungen haben wir längst hinter uns.
Es gibt auch Banken-Sorgenkinder wie die Hypo Alpe Adria. Würden Sie dort einsteigen wollen?
ROTHENSTEINER: Die Risken, die die Hypo Alpe Adria in einigen Ländern hat, würden wir zusätzlich zu unseren nicht haben wollen.
Könnten sie der ebenfalls in Restrukturierung befindlichen Volksbanken AG mit einer Aufstockung ihres Anteils helfen?
ROTHENSTEINER: Wir sind mit den Volksbanken freundschaftlich verbunden, strategisch bringt ein bissl höherer Anteil aber nichts, da würden wir lieber ein paar Filialen in Russland aufsperren.
De facto haben Sie seit Jahresbeginn in Zentral- und Osteuropa Filialen geschlossen. Vor allem die Ukraine gilt als extrem schwierig. Von Expansion kann im Moment wohl kaum die Rede sein?
ROTHENSTEINER: Es gibt im Osten die ganze Palette, von guter Entwicklung bis zu dramatischen Einbrüchen. Ich werde lästig genug sein, dass die beschlossen Osteuropa-Hilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds schnell ankommen.
Bauen Sie Jobs ab?
ROTHENSTEINER: Punktuell vielleicht, wir monitoren alle Märkte laufend. Aber generell möchte ich keine Stellen streichen, die ich in einem Jahr wieder brauche. Ich sehe für uns keine Notwendigkeit einer strategischen Neuorientierung. Ein Rückzug aus einzelnen Märkten kommt nicht in Frage. Wir gewinnen in den bestehenden Märkten mit unserem Brot- und Buttergeschäft neue Kunden. Dort brauchen noch mindestens 50 Millionen Menschen ein Konto. Wir vergrößern derzeit stetig unsere Marktanteile. In Wahrheit kann ich mich nicht beklagen.














