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Zuletzt aktualisiert: 16.04.2009 um 07:41 UhrKommentare

Experte: Österreich unter den Top Ten der Steueroasen

Das Tax Justice Network arbeitet an neuem "Financial Transparency Index". Direktor John Christensen sieht Österreich unter den Top-Ten der Steueroasen weltweit.

Foto © APA

Der Direktor des seit Jahren gegen Steuerflucht kämpfenden Tax Justice Network, John Christensen, hält die OECD für die falsche Institution für den Kampf gegen Steueroasen. Die OECD-Listen der Steueroasen seien "bizarr" und in keiner Hinsicht hilfreich, und das wichtige Thema Steuervermeidung von Konzernen sei bisher völlig ausgespart, sagte Christensen bei einem Besuch in Wien. Seine Organisation untersucht nun selbst die Situation und wird im vierten Quartal erstmals den "Financial Transparency Index (FTI)" veröffentlichen. Und es sei wahrscheinlich, sagt Christensen, dass Österreich dort unter den Top Ten der Steueroasen zu finden sein wird.

Wichtiger Player. "Keine Frage, Österreich ist ein wichtiger Player", sagt der Experte und verweist auf den Widerstand gegen die EU-Zinsbesteuerungsrichtlinie und gegen den internationalen Reformdruck in der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit). Als er in Jersey gearbeitet habe, seien österreichische und Schweizer Banken "Teil des Prozesses" gewesen, weil die kleine, zum Vereinigten Königreich gehörende Kanal-Insel selbst kein Bankgeheimnis hat.

Nicht abhängig. Gleichzeitig sei Österreich aber nicht so abhängig von diesen Aktivitäten, wie die Cayman oder die Kanal-Inseln: "Österreich kann es sich leisten zu reformieren." Die Auswirkungen wären weniger stark als auf den genannten Inseln, in Luxemburg oder in der Londoner City.

Mangel an Transparenz. Neben der Alpenrepublik erwartet Christensen den US-Staat Delaware, Großbritannien, die Schweiz und Luxemburg unter den zehn wichtigsten Steuerversteckplätzen der Welt. In jedem Fall werde sich mit dem FTI der Schwerpunkt von den kleinen Inseln zu den "Hauptplayern" verlagern. Ausschlaggebend für das Ranking der Steueroasen ist nicht nur das geparkte Geldvolumen sondern vor allem auch der Grad an Heimlichtuerei bzw. der Mangel an Transparenz.

OECD sei falsche Institution. Die OECD sei wegen ihrer politischen Natur "nicht die richtige Institution, um eine solche Liste zu produzieren, unterstrich Christensen. Dementsprechend habe es über Jahrzehnte keine Fortschritte gegeben. "Warum sind beispielsweise die britischen Kanal-Inseln nicht auf der grauen Liste?", fragt sich der aus Jersey gebürtige Experte. Die Inseln seien bei Trusts und Offshore-Gesellschaften weiter nicht kooperativ und unter den zwölf abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen - das OECD-Kriterium um auf die weiße Liste zu kommen - finde sich etwa Grönland. Das sei "nicht ernst zu nehmen" und als Kriterium zur Bewertung des Kooperationswillens eines Landes "befremdlich".


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