Kelag-Chef: "Will beim Strompreis nichts überhasten"
20 Jahre Kelag-Vorstand - zum Jahreswechsel kommen fünf weitere Jahre hinzu. Hermann Egger zieht Bilanz und hält Ausschau.
Die Holzvertäfelungen in der Kelag-Chefetage sind so schlicht und spartanisch wie vor 20 Jahren. Seit Hermann Egger damals als Vorstand eingezogen ist, hat er stattdessen das Unternehmen so gut wir umgedreht und modernisiert. Als Egger gemeinsam mit Günther Bresitz die alten Vorstände Anton Hofstätter und Gerhard Kerschbaumer ablösten, war Paradigmenwechsel angesagt, auch im Land: Leopold Wagner hatte gerade das Zepter an Peter Ambrozy abgegeben, Jörg Haider stand vor seiner ersten Landeshauptmann-Wahl. "Bresitz und ich waren die Ersten in der Branche, die durch ein Objektivierungsverfahren mussten", erinnert sich Egger.
Früh dran. Das Stromgeschäft war mit Versorgungspflicht und Preisregelung fest in Monopol-Händen, die sich Privilegien zuteilten, ehe EU und Liberalisierung kamen. "Wir haben alle Entwicklungen früh umgesetzt. Wir haben als Erste das Pensionssystem auf ein Drei-Säulen-Modell umgestellt. Und wir sind vom Strom- und Erdgasversorger auch zum Wärmeversorger geworden, der größte in Österreich außerhalb Wiens - und setzen damit auch im Ausland massive Aktivitäten", zieht Egger für die Kelag unter seiner Ära eine positive Bilanz.
Privatisierungen. Zwei Privatisierungsschritte hat Egger glatt begleitet und mit eingefädelt: An Christoph Zernatto vorbei verkauften Helmut Manzenreiter und andere SPÖ-Bürgermeister die Städte-Anteile an der Kelag an den Verbund, der Drittel-Eigentümer wurde. Ein Drittel übernahm unter Haider der deutsche RWE-Konzern, für den heute Armin Wiersma im Vorstand sitzt. Mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Günther Pöschl bildet Egger ein souveränes Führungsduo, dessen Effizienz-Bilanz sich sehen lassen kann: "Vor 20 Jahren hatte die Kelag über 1800 Mitarbeiter und knapp 250 Millionen Euro Umsatz bei 2,4 Milliarden Kilowattstunden Strom. Heute haben wir mit 1450 Mitarbeitern inklusive 117 Lehrlingen 13,8 Milliarden kWh Stromabsatz, 2,0 Milliarden kWh Gasabsatz und 1,8 Milliarden kWh Wärmeabsatz. Das geht nur mit einer tollen Mannschaft." Von 1994 bis 2007 hat die Kelag an das Land Kärnten rund 80 Millionen Euro Dividenden gezahlt.
Umsatz gesteigert. Heuer haben Egger und Pöschl eine Umsatzsteigerung um sechs Prozent auf 1,2 Milliarden Euro verkündet. Im Mölltal, wo der Kraftwerksbau wieder angekurbelt wurde, war der mit 50 Millionen Euro dotierte Mölltal-Fonds für die Gemeinden ohne Egger und Haider nicht denkbar. "Im Mölltal liegt das Herz der Produktion der Kelag", sagt Egger.
Garantie. Beim Strompreis hat Egger vor Wochen in einem KleineExklusivinterview eine Strompreisgarantie für 2008 abgegeben. Trotzdem ist am Wochenende eine neue Strompreisdiskussion ausgebrochen. SPÖ-Chef Reinhart Rohr forderte einen "Strompreis-Stopp". BZÖ-Landesrat Harald Dobernig konterte, dass Wien und Niederösterreich um acht und zehn Prozent erhöhen, die Kelag nicht. Egger erklärt: "Wer die Achterbahn der Finanz- und Energiemärkte verfolgt, kann nicht seriös sagen, was passiert. Wir haben die Garantie für 2008 gegeben und wollen für die Kunden ein berechenbarer Partner sein. Die Kelag will daher mit Sicherheit beim Strompreis keine überhastete Entscheidung treffen", so Egger. Für Harald Kogler, den neuen dritten Kelag-Vorstand, der für Vertrieb, also die Strompreise, verantwortlich ist, kommt 2009 die Feuertaufe.














