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Zuletzt aktualisiert: 28.10.2008 um 20:41 Uhr

"Wie zahlt man 300 Mille mit 17 Millionen zurück?"

Kulterer-Einvernahme entblößt, welche Kontroll-Lücken 2004 ins Swap-Debakel führten.

Ich habe die Bank 1992 als Sanierungsfall übernommen und 2007 zu einem Wert von 3,3 Milliarden Euro an die BayernLB verkauft", ließ Wolfgang Kulterer sein unbestrittenes Aufbauwerk bei der Hypo Group Alpe Adria zu Beginn seiner Einvernahme noch einmal aufblitzen. Doch je weiter Richter Christian Liebhauser-Karl mit seinen präzisen Fragen den Ex-Banker zu den Swap-Verlusten des Jahres 2004 in die Mangel nahm, umso kläglicher war das Bild vom damaligen Kontroll-Innenleben der Bank.

Risikogeschäfte. "Ich wusste nicht, dass es Swaps mit Währungs- und Zinskupons gab", musste Kulterer erkennen, als ihm der Leiter des Controllings Gerhard Salzer und der Leiter des Treasury Christian Rauscher im Herbst 2004 gestanden, dass elf solcher Risikogeschäfte mit über 100 Millionen Euro ins Minus geraten waren. Schlimmer noch: "Ich habe nicht gewusst, dass unsere Abteilungen solche Geschäfte machten." Die noch dazu im elektronischen PMS nicht abbildbar waren, was haarsträubende Folgen hatte: Um den aktuellen Wert der Swaps zu bestimmen, mussten die Hypo-"Experten" bei den Vertragspartnern nachfragen, was zwei Wochen dauerte.

Risk-Management. Das waren unter anderem die Investmentbänker Lehman Brothers in New York - "die uns durch Medienberichte über die aktuelle Finanzkrise bekannt sind", wie Staatsanwältin Carmen Riesinger süffisant betonte. "Wir sind schnell gewachsen. Den Vorwurf, dass das Risk-Management zu spät nachgezogen wurde, werde ich immer haben", meinte Kulterer.

Swap-Verluste. Obwohl die Swap-Verluste bis Ende 2004 rund 300 Millionen betrugen, hätten sie ihm "in der Gesamt-Portfolio-Betrachtung keine Sorgen" bereitet, weil es auch positive Swaps von 460 Millionen Euro gab. Salzer, Rauscher und dessen Stellvertreter Andreas Zeus hätten dann den Auftrag erhalten, die Swaps zu bereinigen. In der im Frühjahr 2005 erstellten Bilanz wurden sie jedenfalls weiter in der Swap-Aufstellung im Bankbuch außerhalb der Bilanz geführt. Kulterer begründete dies auch mit der Beratung durch die Leiterin des Group Accounting Andrea Dolleschal. "Sie können mir glauben, mich hat der Schlag getroffen, als die Confida 2006 erklärte, dass die Verbuchung der Swaps nicht passen würde."

"Kein Swap-Experte". Sie passt vor allem Gerichtsgutachter Fritz Kleiner nicht. "Woran erkennen Sie, dass das ein Swap ist?" legte er Kulterer ein Verlust-Papier vor. "Weil Swap draufsteht." Kleiner setzt nach: "Wie kann man einen Verlust von 300 Millionen Euro mit (den verbuchten) 17 Millionen zurückzahlen?" Kulterer: "Ich bin kein Swap-Experte." Als der Richter nachstößt, ob die Swap-Verluste Auswirkung auf Eigenkapital und Vertragsverlängerung gehabt hätten, bricht es, im Verneinen, aus Kulterer heraus: "Ich dachte, dass ich ein Verrückter bin. Ich hatte einen Management-Vertrag ohne Netz und Pensionszusage."

ADOLF WINKLER

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