Eiszeit vor den heißen Lohnrunden
Steigende Preise, schwache Wirtschaft - die Lohnverhandlungen lassen einen heißen Herbst erwarten. Schon jetzt wollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Kastanien aus dem Feuer holen.
Herbstlohnrunde. Die Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sitzen sich gegenüber. Ein Match zwischen Wirtschaft und Gewerkschaft. Doch diese Sozialpartnerschaft zwischen beiden Seiten scheint heuer schon vor der Nationalratswahl auf eine ernsthafte Probe gestellt - denn wenn sich beide Seiten am 26. September zur ersten Verhandlungsrunde der künftigen Kollektivverträge zusammensetzen, sind die Gräben deutlich tiefer als in den letzten Jahren.
Die Vorzeichen. Im Vorjahr lagen die Lohnerhöhungen im Schnitt bei 3,3 Prozent. Doch seit Herbst 2007 hat sich einerseits das Wachstum der Wirtschaft deutlich verlangsamt, anderseits hat die rasant steigende Inflation diese Lohnzuwächse aufgefressen. Mehr noch, laut Wirtschaftsforscher Alois Guger verzeichnen die Arbeitnehmer heuer aufgrund von Teuerung, ungünstigen Steuereffekten (viele sind durch die Erhöhung in eine höhere Steuerklasse gerutscht) und höheren Versicherungsbeiträgen ein Minus von 0,7 Prozent am Ende des Lohnzettels. Grund genug, dass schon zwei Wochen vor der ersten Herbstlohnrunde sowohl die Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite lautstark mit den Säbeln rasselt.
Wirtschaft. Industrie und Wirtschaft wollen überhaupt keinen Spielraum für Lohnerhöhungen sehen, die jene des Vorjahres übersteigen. Zu sehr leide man am stotternden Konjunkturmotor, zu hoch seien durch die teuren Rohstoffe die Produktionskosten geworden. Und noch höhere Löhne würden im Endeffekt auch Arbeitsplätze gefährden, weil sich viele Firmen dies nicht leisten könnten, so die Argumente der Arbeitgeber.
Gewerkschaft. Praktisch täglich deponieren derzeit Sptizengewerkschafter wie ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer oder GPA-Boss Wolfgang Katzian, dass eine Lohnerhöhung unter der Inflationsrate (sie wird für 2008 auf 3,5 Prozent geschätzt) eine "Frechheit" und "inakzeptabel" sei. Die Erträge der Unternehmen seien sehr wohl durch die Bank sehr gut, so die Argumente.
Steirische Industrie warnt. Seitens der steirischen Industrie betont man, dass die Inflationsrate nicht nur den Konsumenten sondern auch die Produzenten treffe. "Wir haben es mit einem abgeschwächten Produktionswachstum zu tun, zudem steigen die Rohstoffpreise", sagt Christian Knill, Spartenobmann in der Wirtschaftskammer. Gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Angelika Kresch warnt Knill daher vor einem zu hohen Lohnabschluss. Zielführender seien ergebnisorientierte Einmalzahlungen. Die Teuerungsabgeltung könne nicht allein auf dem Rücken der Industrie ausgetragen werden. Vor allem müsse die Steuerlast reduziert werden. Knill fordert etwa dass der Staat in diesem Jahr auf die Mehreinnahmen, die aus den heurigen Lohnerhöhungen resultieren, verzichtet.














