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Zuletzt aktualisiert: 15.08.2008 um 21:20 UhrKommentare

"Glücksspiel ist streng zu regeln"

Franz Wohlfahrt, Generaldirektor des Glücksspielkonzerns Novomatic, über den schmalen Grat zwischen Milliardengewinnen und gefährlicher Spielsucht.

Franz Wohlfahrt

Foto © APAFranz Wohlfahrt

Das Jahr 2007 brachte Novomatic sagenhafte Gewinne. Zocken die Leute so viel?
FRANZ WOHLFAHRT: Wir stehen auf zwei Säulen. Erstens als Hightech-Betrieb mit Produktionsstandorten in ganz Europa, wo wir Premium-Produkte für die Glücksspielindustrie produzieren und weltweit verkaufen und vermieten. Zweitens betreiben wir 750 Automaten-Casinos und 32 Spielbanken, darunter die umsatzstärksten Spielbanken Deutschlands, Tschechiens und der Schweiz sowie 170 Admiral-Sportwetten-Cafes in Österreich.

Im Wiener Prater wollen Sie neben das Riesenrad sogar noch ein Riesen-Casino hinklotzen.
WOHLFAHRT: Wir haben im Prater bereits das größte Wettcasino Europas und überlegen uns das auszuweiten. Unsere Hauptmärkte sind aber Deutschland, Großbritannien, alle EU-Länder, besonders das Baltikum, Rumänien, Bulgarien, Slowenien sowie Kroatien.

Leisten Sie nicht bloß in großem Stil der Spielsucht Vorschub?
WOHLFAHRT: Bitte die Kirche im Dorf lassen. Den Vorwurf müssen sich sonst alle Wirtschaftszweige mit Suchtpotenzial gefallen lassen, zum Beispiel die Gastronomie, der Weinbau, die Einkaufzentren, denken Sie an Kaufsucht oder Internet-Sucht. Faktum ist, dass Glücksspiel-Dienstleistungen sensibel sind und wir daher einen streng regulierten und überwachten Markt fordern.

Wie nehmen Sie sich als Gewinner selbst bei der Verantwortung?
WOHLFAHRT: Wir selbst sehen eine Verpflichtung der Industrie, möglichst viel zur Prävention beizutragen, dass diejenigen, die leider nicht verantwortungsvoll mit dem Spiel umgehen können, auch rechtzeitig Hilfe zur Selbsthilfe bekommen. In allen unseren Lokalen liegen Informations-Flyer auf. In Niederösterreich haben wir ein Zutrittssystem, wo wir einen Jugendschutz sicherstellen können und potenziell gefährdete Spielteilnehmer warnen oder vom Spiel ausschließen.

Beim Kleinen Glücksspiel Ihrer Automaten verdient die Politik in etlichen Bundesländern mit Steuern ein deftiges Schandgeld mit.
WOHLFAHRT: Es ist nicht außergewöhnlich, dass die öffentliche Hand eine Dienstleistung mit Steuern belegt. Ein generelles Verbot des Kleinen Glücksspiels wäre verantwortungslos, weil man dem Abgleiten des Spiels in die Illegalität Vorschub leistet.


Ist das im Internet wuchernde Glücksspiel je kontrollierbar?
WOHLFAHRT: Im Internet gibt es bereits über 3500 Anbieter weltweit, die vor allem auf jüngere Spieler und Poker fokussieren. Wir bieten nur Sportwetten an.

Wie beinhart ist Ihr Match mit den Casinos Austria?
WOHLFAHRT: Das ist ein in den Medien hochgespieltes Duell, das es gar nicht gibt, denn die Casinos Austria sind unser Kunde. Jeder dritte Automat, der in ihren Spielbanken steht, stammt aus unserer Produktion.

Ihre Ziele sind nicht gerade bescheiden: Sie wollen global alle besiegen. Wie soll das gehen?
WOHLFAHRT: Das ist realistisch. Mit unserer Strategie als Produzent und Betreiber sind wir in Europa die Nummer 1 und trauen es uns zu, in zehn Jahren weltweit die Nummer 1 zu werden.

INTERVIEW: ADOLF WINKLER

Kurz-Biografie

Franz Wohlfahrt stammt aus Kerschdorf bei Velden am Wörthersee. Studierte Jus in Wien, wo er eine Anwalts-kanzlei hat.
Als Konzern-Anwalt vertrat er Novomatic. Als dort Vor-stand Johannes Hahn, der jetzige ÖVP-Wissenschafts-minister, in die Politik ging, holte der Aufsichtsrat Wohlfahrt in den Vorstand.

Novomatic AG

Die Novomatic AG, nieder-österreichischer Glücks-spielkonzern, erzielte 2007 knapp eine Milliarde Euro Umsatz (plus 27 Prozent gegenüber 2006) und erzielte ein Ergebnis (EGT) von rund 250 Millionen Euro (plus 62 Prozent).

Novomatic beschäftigt ca. 6200 Mitarbeiter, davon 2100 in Österreich.

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