OMV und MOL kämpfen schon lange um Vorherrschaft in Zentraleuropa
Österreicher wollten MOL bereits früher schlucken. Ungarn machten dem größeren Rivalen immer wieder einen Strich durch die Rechnung.
Schon seit mehr als einem Jahrzehnt sind OMV und MOL
durch eine intensive Hassliebe verbunden. Der Vorgänger von
OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer, Richard Schenz, nahm
bereits Mitte der 1990er Jahre die damals noch teilstaatliche MOL als
Übernahmekandidaten ins Visier - und erwarb im Oktober 2000 zunächst
9 Prozent der MOL-Anteile. Der damalige ungarische Premier Viktor
Orban stufte diesen Einstieg der OMV als "feindlich" ein und kündigte
an, eine Übernahme der MOL durch Ausländer verhindern zu wollen.
Anteile.
Nur wenige Monate zuvor waren die beiden mitteleuropäischen Öl-
und Gaskonzerne einander zum ersten Mal in die Quere gekommen - und
der größere Rivale OMV hatte dabei den Kürzeren gezogen: Im April
2000 erhielt die MOL offiziell den Zuschlag für zunächst 36,2 Prozent
an der slowakischen Raffinerie Slovnaft, um die sich auch die OMV
bemüht hatte. MOL bezahlte für die Slovnaft-Anteile damals 3,8 Mrd.
Schilling (274 Mio. Euro). 2002 erwarben die Ungarn schließlich die
Mehrheit an Slovnaft.
Kampf um Petrom.
Im selben Jahr begann die OMV auch schon ihre Fühler nach Rumänien
auszustrecken - unter den Bietern für die Petrom war damals auch die
ungarische MOL.
Coup.
Der nächste größere Coup gelang aber im Juli 2003 der MOL mit dem
Erwerb der Sperrminorität am kroatischen Öl- und Gaskonzern INA, für
den sich die OMV bereits seit Jahren interessiert hatte. Die MOL
hatte im Übernahmekampf um INA mit 505 Mio. Dollar um 85 Mio. Dollar
mehr geboten, als die OMV, die ihrerseits 420 Mio. Dollar bezahlen
wollte.
Zuschlag.
Im Juli 2004 war es schließlich in Rumänien so weit: Die OMV
erhielt für insgesamt 1,4 Mrd. Euro den Zuschlag für eine
51-Prozent-Mehrheit am Öl- und Gaskonzern Petrom. Der Erwerb des
rumänischen Energieriesen war vor allem wegen dessen enormer
Rohstoffreserven ein Meilenstein für das Wachstum der OMV.
Roth-Öle.
Ebenfalls im Juli 2004 konnte die MOL "im Kleinen" auf dem
OMV-Heimmarkt punkten und erwarb die Mehrheit am privaten steirischen
Ölhandelsunternehmen Heizöle Roth GmbH, von der Größe mit dem
Petrom-Deal nicht annähernd vergleichbar.
Rückschlag.
Nachdem sich OMV-Chef Ruttenstorfer zwei Jahre lang im Erfolg der
Petrom-Übernahme sonnen konnte, musst er Mitte 2006 einen herben
Rückschlag einstecken: Nachdem die Politik zunächst grünes Licht für
einen Zusammenschluss der OMV mit dem Verbund-Konzern signalisiert
hatte, scheiterte die Fusion schließlich u.a. an der Forderung der
Landeshauptleute nach einer 51-Prozent Mehrheit in öffentlicher Hand
am neuen Konzern.
Beteiligung.
Ende Juni nahm Ruttenstorfer erneut Anlauf in Ungarn und stockte
die Beteiligung an der MOL von 10 auf 18,6 Prozent auf - Kostenpunkt:
rund 1 Mrd. Euro. Das MOL-Management reagierte mit dem Rückkauf
eigener Aktien, um das Unternehmen vor einer feindlichen Übernahme
durch die OMV zu bewahren. Dafür gaben die Ungarn mehr als 2 Mrd.
Euro aus.
Angebot.
Am 25. September machte die OMV den MOL-Aktionären ein
Übernahmeangebot von 32.000 Forint (damals 128 Euro) pro Aktie -
schlagend werden sollte das Offert allerdings erst, wenn die
ungarische Regierung und das MOL-Management zustimmen würden. Beide
lehnten eine Übernahme der MOL durch die OMV aber strikt ab. Daher
hatte dieses bedingte OMV-Angebot nur die Qualität einer
"Absichtserklärung". Hinter den Kulissen stockte die OMV unterdessen
ihre MOL-Anteile von 18,6 auf 20,2 Prozent weiter auf.
"Lex Mol".
In der Folge schaltete sich in beiden Ländern verstärkt auch die
Politik in die Auseinandersetzung zwischen MOL und OMV ein. Das
ungarische Parlament versuchte, die MOL-Übernahme durch ein eigenes
Gesetz zu verhindern, das in den Medien als "Lex MOL" bekannt wurde.
Auf österreichischer Seite erhielt die teilstaatliche OMV u.a. von
Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) verbale Schützenhilfe, der
der ungarischen Regierung eine teilweise Rückverstaatlichung der MOL
empfahl.
Zusammenschluss.
Ende Jänner meldete die OMV den von ihr geplanten Zusammenschluss
mit der ungarischen MOL förmlich bei der Wettbewerbsdirektion der
EU-Kommission zur Prüfung an. Der Deal wäre insgesamt über 11 Mrd.
Euro schwer gewesen. Die erhoffte Schützehilfe aus Brüssel blieb
jedoch aus. Die Börse hat die OMV-Entscheidung, ihre MOL-Pläne
endgültig abzublasen, am Mittwoch eindeutig begrüßt: Die OMV-Aktie
legte nach dem Platzen der MOL-Übernahme in der Spitze auf bis zu
7,75 Prozent auf 45,60 Euro zu, gab aber bis etwa 15.30 Uhr auf 43,96
Euro wieder nach. Die MOL-Aktie ist heute bei allgemein schwachem
Umfeld mit 6,75 Prozent klar im Minus.
INA.
Schon bald könnten sich die beiden Rivalen aber wieder
gegenüberstehen, und wieder einmal würde es dabei um die kroatische
INA gehen. Die MOL hat wie berichtet Mitte Juli ein Übernahmeangebot
für INA angekündigt, dass sie - gerechnet ab 14. Juli - innerhalb von
30 Tagen in konkretisierter Form veröffentlichten muss. Auch
Ruttenstorfer hat das Interesse der OMV an der INA heute neuerlich
bekräftigt.














