Nach gescheiterter MOL-Übernahme: OMV-Aktien hoch im Kurs
Mit der Übernahme der ungarischen MOL hätte sich die OMV neue Wachstumschancen in Osteuropa eröffnet und die Versorgungssicherheit gestärkt. Der OMV-Rückzug sei laut Analysten klar positiv zu bewerten: Die Aktien legen deutlich zu.

Foto © APAOMD-MOL: EU legte sich "quer"
Die Ankündigung der OMV, die geplante Übernahme des
ungarischen Mitbewerbers MOL aufzugeben, hat die Aktien der
heimischen OMV beflügelt und den Kurs deutlich steigen lassen.
Zusätzlich wurden am Mittwoch die Ergebnisse für die erste
Jahreshälfte 2008 vorgelegt. "Die geplante MOL-Übernahme hat den Kurs
der Aktie seit längerem belastet. In Anbetracht der Einstellung der
MOL-Übernahme geraten die guten Halbjahresergebnisse in den
Hintergrund", so der Kommentar eines Händlers.
ATX-Spitze.
Bis 12.00 Uhr gewannen die OMV-Aktien 6,45 Prozent auf 45,05 Euro
und notierten somit an der Spitze des ATX. Insgesamt wurden bis
Mittag 969.853 OMV-Papiere gehandelt, dies entspricht einem Umsatz
von 87.521.134 Mio. Euro (Doppelzählung).
EU legte sich quer.
Vor Börsenstart hat die OMV bekanntgegeben, die geplante Übernahme
der MOL nicht mehr weiter zuverfolgen. Die OMV zieht die Anmeldung
der Fusion bei der EU-Kommission zurück. Die von der OMV im Fall
eines Zusammenschlusses angebotenen Zugeständnisse ("Abhilfemaßnahmen") waren der Kommission nicht weitreichend genug,
um den Wettbewerb im Raffineriegeschäft zu sichern, so die OMV.
Abwarten.
Die OMV werde nun verschiedene Optionen in Betracht ziehen, um den
Wert ihrer 20,2-prozentigen Beteiligung an der MOL zu maximieren.
"Wir haben nicht vor, unseren Anteil sofort zu verkaufen, sondern
durchaus abzuwarten", so OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer auf
Bloomberg-TV.
Halbjahresbilanz.
Für zusätzliche Handelsimpulse bei den OMV-Aktien sorgte die
Veröffentlichung der Ergebnisse zum ersten Halbjahr 2008. Bedingt
durch die hohen Ölpreise hat der Konzern in den ersten sechs Monaten
seinen Nettogewinn um mehr als die Hälfte steigern können und somit
die Analystenerwartungen übertroffen. Verglichen mit der
Vorjahresperiode kletterte der Periodenüberschuss nach Minderheiten
um 52 Prozent auf 1,130 Mrd. Euro. Von der Austria Presse Agentur befragte Analysten haben mit einem Anstieg von lediglich 36,6 Prozent auf 1,015 Mrd. Euro gerechnet.
Umsatzsteigerung.
Der berichtete Betriebserfolg (EBIT reported) wuchs um 63 Prozent
auf 1,746 Mrd. Euro und der Umsatz konnte um 41 Prozent auf 12,919
Mrd. Euro gesteigert werden. Der Gewinn je Aktie wurde um 52 Prozent
auf 3,78 Euro erhöht.
Analyse.
Die Experten von Sal. Oppenheim haben nach Durchsicht der
Ergebnisse ihr Anlagevotum "Buy" für die OMV-Anteilsscheine
bekräftigt. Dennoch sehen die Analysten ein gemischtes Bild. Obwohl
der Gesamtkonzern beim Betriebsergebnis (EBIT) ihre Erwartungen klar
übertreffen konnte, fiel das wichtigste Segment Exploration &
Produktion unter ihren Prognosen aus. Die sehr starken Ergebnisse im
Segment Raffinerie & Marketing seien hauptsächlich auf positive
Lagereffekte zurückzuführen, so Sal. Oppenheim weiter.
Klar positiv.
Eindeutig äußern sich die Analysten hingegen zu der Absage der MOL-Übernahme. Der Rückzug sei klar positiv zu bewerten, da die
geplante Übernahme sich immer schwieriger gestaltete aufgrund des
Widerstandes des MOL-Managements und der ungarischen Regierung. Daher
sollte der klare Schlussstrich den Aktienkurs stützen. Die OMV
besitze jetzt über zusätzliche Feuerkraft für alternative Projekte,
Aktienrückkäufe und Sonderdividenden, so die Sal.
Oppenheim-Spezialisten abschließend. Die Experten sehen die Aktien
mit 60 Euro als "fair" bewertet an.
Features
OMV-MOL
OMV
Die OMV Aktiengesellsist ein österreichischer Mineralöl-, Erdgas- und Chemie-
konzern. Die OMV-Bilanz
des ersten Quartals 2008 wies einen wohl rekordver-
dächtigen Betriebsgewinn von 795 Millionen Euro aus.














