Machtkampf im Verbund entschieden: Anzengruber wird neuer Chef
Wolfgang Anzengruber wird ab 2009 der neue Chef des Verbund-Konzerns. Mitfavoritin Baumgartner-Gabitzer hat sich nicht beworben.

Foto © APAWolfgang Anzengruber
Der neue Chef des Stromkonzerns Verbund heißt ab 2009 Wolfgang Anzengruber. Diese Personalentscheidung wurde am Dienstag in der Aufsichtsratssitzung einstimmig getroffen. Der aktuelle Vorstandschef des Salzburger Kranbauers Palfinger wird damit Michael Pistauer an der Konzernspitze beerben, dessen Vertrag mit Jahresende ausläuft.
18 Bewerber. Insgesamt habe es 18 Bewerber für den Chefposten gegeben, hieß es am Dienstag seitens des Aufsichtsrates. An Anzengruber sei man aktiv heran getreten. In die Endauswahl seien fünf Bewerber gekommen. Anzengruber galt zuletzt als Wunschkandidat von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und Verbund-Aufsichtsratschef Gilbert Frizberg.
ÖVP gespalten. Die ÖVP-Spitze präsentierte sich in dieser Personalfrage jedoch gespalten. Ein Gruppe rund um Klubobmann Wolfgang Schüssel sah in Ulrike Baumgartner-Gabitzer, schon heute Mitglied des Vorstandes, die ideale Kandidatin für den Posten. Laut Angaben von Frizberg habe sie sich gar nicht um den Chefsessel beworben. Künftig werde Baumgartner-Gabitzer "sicherlich aufgewertet werden", kündigte Frizberg an, nachdem die schon länger dienenden Vorstände doch "eine Überlast an Aufgaben" getragen hätten, die nun teils abzugeben sein würden.
Deutliches Signal. Die Wahl Anzengrubers sei ein deutliches Signal in Richtung Internationalisierung des Konzerns, betonte Frizberg gegenüber der Kleinen Zeitung. "Er passt genau zur Osteuropa-Strategie des Verbund-Konzerns. Zudem verfügt er über jahrelange Branchenerfahrung und ist im Hearing sehr gut angekommen", so Frizberg. Auch die Belegschaft sei bei dieser Personalentscheidung mitgegangen.
Kooperationen im Inland. Anzengruber selbst strich die für ihn wesentlichen Punkte für die Zukunft des Unternehmens heraus. Er wolle insbesondere das Gespräch mit den Landesstromgesellschaften suchen. Es gebe genug Raum für Kooperationen, der Verbund sollte die treibende Kraft bei der Konsolidierung sein, so Anzengruber. Der Verbund solle in Österreich Synergien suchen, aber auch im Ausland weiter expandieren. Österreichs wertvollster Konzern sollte auch langfristig in dieser profitablen Struktur tätig sein.
"Ostern und Weihnachten zusammen". Dass in der heimischen Stromwirtschaft plötzlich alle Landes-Energieversorger zur Privatisierung anstehen könnten, glaubt Anzengruber eher nicht: "Da würde Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen." Frizberg ergänzte, ihm sei auch nicht bekannt, dass über derartiges eine sinnvolle Debatte geführt werde. Würde eine solche Möglichkeit aber tatsächlich anstehen, "dann würden wir uns beteiligen und Geld hineinstecken".
Features
Fakten
Begründet wird die Wahl Anzengrubers mit dem internationalen Know-how in einem börsenotierten Unternehmen sowie seinen technischen und betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten.
Neuer Verbund-Vorstand
- Wolfgang Anzengruber (Vorstandsvorsitzender)
- Dr. Johann Sereinig (stellvertretender Vorstandsvorsitzender)
- Dr. Ulrike Baumgartner-Gabitzer(50)
- Mag. Christian Kern (42).














