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Zuletzt aktualisiert: 11.06.2008 um 14:29 UhrKommentare

Jedes fünfte Brot in Österreich landet auf dem Müll

Brot wird immer teurer. Das müsste laut Experten nicht so sein, denn wie Untersuchungen zeigen, wird viel zu wenig Brot verkauft.

Foto © AP

In Österreich landen Tonnen an Brot und Gebäck auf dem Müll. Die Bäcker blieben auf bis zu 25 Prozent ihrer Produkte sitzen, jedes fünfte bis sechste Brot wird weggeworfen. Der steigende Anteil der Retourware erhöhe die Preise, erklärten Fachvertreter bei einem Kolloquium der Vereinigung der Backbranche in Zauchensee laut einem "Standard"-Bericht. Nur ein Bruchteil der Retourware gehe an soziale Einrichtungen.

Brot nur noch "Dekoration"? Unterm Strich bauten Österreichs Landwirte Jahr für Jahr auf 20.000 Hektar Getreide an, das letztlich im Abfall ende, rechnete Peter Lechner von der Wiener Universität für Bodenkultur laut Bericht vor. Mit dem weggeworfenen Brot verpuffe ebenso viel CO2, wie jährlich 30.000 Pkw erzeugten. "Ein Viertel der Produkte wird nicht gegessen." Diese Überproduktion gehöre hinterfragt, meinte Lechner, doch der Bevölkerung fehle es an Problembewusstsein. Fraglich sei zudem, wie es sich kleine Bäcker auf Dauer leisten könnten, ihre Waren den Supermärkten auf Kommission zu liefern, die oft nur als Dekoration der Vitrine dienten.

Verteuerung des Brotes stoppen. Gelinge es, den Anteil des Altbrots innerhalb von drei Jahren zu halbieren, werde die Verteuerung des Brotes gestoppt, sagte Günther Behringer, Präsident der deutschen Bäckervereinigung, in der Zeitung. Der Konsument gehöre darüber aufgeklärt, "dass es nicht bis 18 Uhr volle Regale geben kann". Vor allem aber liege es an Handel und Produzenten, Lösungen für das Problem der Überschussproduktion zu finden. "Dafür brauchen wir endlich belastbare Daten und Ökobilanzen", fordert Lechner. Ohne die ließen sich die Verantwortlichen nicht an einen Tisch bekommen.

Gründe für Überangebot. Grund für das Überangebot an Brot sind laut den Fachleuten auch das immer breitere Sortiment, die steigende Zahl an Verkaufsstellen und längere Ladenöffnung. Wer das Angebot verknappt, riskiert Nachteile auf dem umkämpften Markt, so der Tenor. Schuld habe auch die Anstrengung des Handels, Personalkosten niedrig zu halten. Denn Lebensmittel zu sortieren sei teurer, als sie zu entsorgen. Für Konsumenten könnte sich Augenmaß beim Einkauf in jedem Fall rentieren. Im Durchschnitt werfe jeder Haushalt jährlich Brot im Wert von mehreren hundert Euro weg, konstatiert Lechner.


Fakten

Die großen Supermarkt-Ketten Spar, Rewe und Hofer dementierten die Ergebnisse. Beim Rewe-Konzern (Billa, Merkur, Penny) gebe es nach offiziellen Angaben etwa 10 Prozent Altbrot, auch Spar nannte ähnliche Zahlen. Als Grund wurde genannt, dass es in den Filialen Backsta-tionen gebe, in denen nach Bedarf produziert werden kann. Was nicht verkauft, aber noch gegessen werden kann, werde von beiden Konzern auch an karitative Organi-sationen weitergeben.

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