Deutsche Banken: Verluste bis zu 90 Mrd. Euro möglich
Offizielle Bestätigungen der Verluste fehlen bislang.

Foto © AP
Die in den USA ausgelöste Finanzmarktkrise
könnte die deutschen Banken nach Medienberichten mit bis zu 90 Mrd.
Euro belasten. Auf diese Größenordnung summierten sich nach
inoffiziellen Schätzungen die Risiken für die deutsche
Kreditwirtschaft aus Geschäften mit US-Ramschhypotheken, schreiben
die "Leipziger Volkszeitung" (LVZ) und die "Bild"-Zeitung am Freitag.
Nicht bestätigt. Grundlage sind laut LVZ Schätzungen der Bankenaufsicht. Sowohl die
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) als auch das
deutsche Finanzministerium wollten die Zahlen nicht bestätigen. Ein
Ministeriumssprecher sprach von unserösen Hochrechnungen.
Hochrechnungen unseriös. BaFin-Sprecherin Sabine Reimer erklärte, "die in verschiedenen
Zeitungsberichten kursierenden Zahlen stammen nicht von uns." Sie
ergänzte: "Natürlich haben wir einen Überblick, aber konkrete Zahlen
zu einzelnen Banken geben wir nicht heraus." Dem Finanzministerium
sind die in den Medien genannten Zahlen nicht bekannt. "Es gibt
aktuell keine abschließenden Erkenntnisse - auch nicht der BaFin -
über die Höhe der Engagements der deutschen Institute", sagte
Ministeriumssprecher Torsten Albig. Die BaFin ermittle diese noch.
Denkbare Verluste seien schon gar nicht bekannt. Laut Albig handelt
es sich um einen sehr unübersichtlichen Markt unterschiedlichster
Produkte. Einfache Hochrechnungen von Zahlen seien daher unseriös.
Spekulationen. Laut LVZ haben die deutschen Banken insgesamt gut 180 Mrd. Euro an
US-Immobilienkrediten in ihren Depots. Die auf 75 Mrd. bis 90 Mrd.
Euro veranschlagte Risikosumme entfalle zum größten Teil auf
Landesbanken. Laut "Bild"-Zeitung spekulieren "Bankinsider" über
mögliche Wertverluste von 70 Mrd. Euro.
"Ernst genug". Albig verwies darauf, dass die bisher bekannten Wertverluste sich
in Deutschland auf 30 Mrd. US-Dollar (19 Mrd. Euro) und weltweit auf
rund 300 Mrd. US-Dollar summierten. Auf diese bekannten Zahlen sollte
man sich konzentrieren. "Sie sind schon ernst genug."
Gespräche. Über die Finanzmarktturbulenzen wird laut Albig bereits an diesem
Wochenende erneut in dem von Industrieländern getragenen Forum für
Finanzstabilität (FSF) gesprochen. Auch der EU-Finanzministerrat
(Ecofin) wird nächste Woche auf seinem informellen Treffen in Brdo
nahe der slowenischen Hauptstadt Ljubljana darüber reden. Die
Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten (G-7) werden
sich zudem in der zweiten April-Woche am Rande der Frühjahrstagung
des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington mit der Krise
befassen. Albig: "Nirgendwo, in keiner Vorlage, tauchen derartige
Zahlen auf."














