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Zuletzt aktualisiert: 15.11.2011 um 14:23 UhrKommentare

Polizei in USA und Schweiz räumt Occupy-Camps

Mit Hilfe eines Straßenkarnevals soll der Betrieb der New Yorker Börse am Donnerstag stillgelegt werden - damit wollen die Demonstranten an den Beginn der Bewegung vor zwei Monaten erinnern.

Foto © APA

In den USA sowie in der Schweiz geht die Polizei gegen die Camps der "Occupy"-Bewegung vor. Die New Yorker Polizei löste in der Nacht auf Dienstag ein Zeltlager der Anti-Wall-Street-Bewegung auf. Bürgermeister Michael Bloomberg forderte die Demonstranten, deren Zorn sich gegen die Macht der Finanzkonzerne richtet, auf, den Zuccotti Park in Manhattan vorübergehend zu verlassen. Dieser müsse gereinigt werden. Anhänger der Occupy-Bewegung kampieren bereits seit fast zwei Monaten in dem Park nahe des New Yorker Finanzdistrikts.

Fotoserie: Polizei löste "Occupy"-Protest-Camps auf

Etwa 100 Besetzer, die im Park übernachtet hatten, protestierten mit Sprechchören lautstark gegen den Einsatz. Teilnehmer berichteten von einem groben Vorgehen der Polizisten. "Ich war geschockt. Sie haben mir die Hände nach hinten auf den Rücken gezogen. Sie waren wirklich brutal", sagte eine 35-Jährige. Ein Sprecher der Polizei teilte mit, 15 Menschen seien festgenommen worden. Ihnen wurde Ruhestörung vorgeworfen. Der Polizei zufolge verließen die meisten Menschen den Park friedlich. Die Demonstranten könnten nach der Räumung wieder in den Park zurückkehren, hieß es in einer Twitter-Meldung aus dem Büro des New Yorker Bürgermeisters.

Am Donnerstag soll die Wall Street blockiert werden

Die Occupy-Bewegung plant für Donnerstag eine Blockade der Wall Street. Mit Hilfe eines Straßenkarnevals soll der Betrieb der New York Stock Exchange stillgelegt werden. Die Demonstranten wollen damit an den Beginn der Protestbewegung vor zwei Monaten erinnern.

Im kalifornischen Oakland hatte die Polizei am Vortag mit einem Großaufgebot ein Camp mit Hunderten Menschen geräumt. Bürgermeister Jean Quan zufolge war ein Mordfall der Anlass für die Aktion. Polizei-Chef Howard Jordan sprach laut "San Francisco Chronicle" von 32 Festnahmen. Beamte in schwerer Ausrüstung kreisten das Lager in der Innenstadt ein und rissen die Zelte der Demonstranten nieder. Ein Berater des Bürgermeisters reichte aus Protest seinen Rücktritt ein.

Und auch in Zürich ging die Polizei gegen das Zeltlager der Occupy-Bewegung vor. Die Polizei gab den mehreren Dutzend Aktivisten zwanzig Minuten Zeit, zu packen und freiwillig vom Lindenhof, einem Platz mitten in der Zürcher Altstadt, zu gehen. Dieser Aufforderung kamen nur wenige nach, die Mehrheit bildete einen Kreis und harrte auf dem kalten Boden aus. Sie stimmten ein Lied des Schweizer Mundart-Liedermachers Mani Matter "Dene wos guet geit" an.

Als die Aktivisten weiter sitzen blieben, griffen die Polizisten ein: Sie schnappten die Besetzer an Armen und Beinen und trugen sie zu bereitgestellten Polizeiwagen. Die Polizei sprach von einem "absolut friedlichen und verhältnismäßigen" Einsatz. Die Polizei sei zu heftig eingeschritten und habe körperliche Gewalt angewendet, sagte dagegen eine Aktivistin auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Zudem habe sie Tränengas und Pfefferspray versprüht.

Die Stadt Zürich hatte das Camp zunächst toleriert. Dann forderte sie die Besetzer auf, ein Gesuch für eine Bewilligung einzureichen. Dieser Aufforderung kam die Bewegung nach, das Gesuch wurde jedoch abgelehnt. Daraufhin setzte der Zürcher Stadtrat und Polizeivorsteher Daniel Leupi eine letzte Frist bis Sonntag um Mitternacht.

Die Besetzer protestieren eigenen Angaben zufolge in erster Linie gegen das Finanzsystem und die Gier der Investmentbanker. Die Empörten haben sich der weltweiten "Occupy"-Bewegung angeschlossen und traten erstmals Mitte Oktober in Zürich auf. Sie besetzten den Paradeplatz mitten im Zürcher Finanzviertel. Nun wollen sie ihre Zelte an einem anderen Ort aufschlagen: Bei der Citykirche St. Jakob.

Die Bewegung "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") hatte im September in New York ihren Ausgang genommen und sich auf andere Städte sowie andere Länder ausgeweitet. Der Protest richtet sich gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Mittelschicht und die ärmere Bevölkerung. Die zumeist jungen Teilnehmer beschreiben sich als die "99 Prozent" - in Anspielung auf das reichste Prozent der US-Bevölkerung, von dem sie sich hintergangen fühlen.

Quelle: APA

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