Detroits Bewohner "pflanzen" ihre Stadt
Kann eine Bewegung für nachhaltigen Lebensmittelanbau ausgerechnet der krisengeschüttelten ehemaligen Motorcity Detroit entspringen? Lesen Sie, warum städtische Kleingärtner in Detroit nun selbst die Gartenschaufel in die Hand nehmen! Von Karin Fritzl

Foto © www.urbanfarming.com
Die ehemals boomende Motorcity Detroit ist heute ein Krisenfall. Nach Abwanderung und Schließung der großen Autofirmen floh ein Großteil der Bevölkerung in Außenbezirke oder in andere Städte. Die Zurückgebliebenen sehen sich nicht nur mit fehlenden Jobs, Kriminalität und leer stehenden Wohnsiedlungen konfrontiert, auch die Lebensmittelversorgung in der Stadt ist zu einem Problem geworden. Kleine Lebensmittelgeschäfte führen oft nur Konserven und lange haltbare Erzeugnisse, frisches Gemüse und Obst ist Mangelware. Im Winter kam es ob der Lebensmittelknappheit beinahe zu einem Aufstand, bei einer offiziellen Arbeitslosigkeit von 30 Prozent konnten sich viele Bewohner Detroits den Einkauf auch einfach nicht mehr leisten. (Informationen siehte Arte-Doku rechts).
Revolution mit dem Spaten
Doch eine immer größer werdende Gruppe von Zurückgebliebenen wartet nicht länger auf bessere Zeiten oder politische Hilfe. Sogenannte "Urban Farmers" nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und bauen auf den zahlreichen leer stehenden Grünflächen kurzerhand ihr eigenes Gemüse an. Fast 1000 Kleinfarmen entstanden auf diesem Weg in den letzten Jahren in Detroit.
Michelle Jackson, Verfechterin dieses Modells und Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation setzt viel Hoffnung in die städtische Landwirtschaft: "Wir verhandeln gerade mit einer Organisation, die den Leuten zeigen soll, wie man biologisches Obst und Gemüse im eigenen Garten kostengünstig anbauen kann. Ein Hinterhof reicht aus, um eine vierköpfige Familie das ganze Jahr über zu ernähren". Neben dem gesundheitlichen Aspekt, gibt der Eigenanbau den Leuten auch wieder Selbstbewusstsein. Anpacken und das eigene Schicksal in die Hand nehmen, lautet die Devise.
Chance für die Wirtschaft
Auch Cornelius Williams, Leiter der einzigen vollbiologischen Stadtfarm "Vandalia" kämpft gegen Fehlernähung, Arbeitslosigkeit und Resignation. "Mit nichts lässt sich mehr Geld verdienen als mit Lebensmitteln, aber die urbane Landwirtschaft wirft noch nicht genug ab. Man muss sein Handwerk verstehen". Deshalb besitzen viele Schulen mittlerweile einen Hinterhof in dem die Schüler lernen wie sie sich wenigstens den Sommer über selbst versorgen können. Auch viele Restaurants bauen inzwischen massiv auf die Zusammenarbeit mit den städtischen Farmern. Täglich frisch geerntetes Gemüse aus der Region steigert die Qualität der Gerichte. Obwohl regionales Gemüse teurer ist als Importiertes, wird auf lange Sicht gespart, da kaum etwas weggeworfen wird und die frischen Lebensmittel täglich verarbeitet werden.
Städtischer Landbau in Österreich
Doch nicht nur in Detroit, auch im Rest der Welt kommt der Eigenanbau von Obst und Gemüse wieder in Mode. Was in den Siebzigern in New York als "Guerilla Gardening" auf Verkehrsinseln begann ist mittlerweile ein oft (überlebens-)notweniger Bestandteil vieler städtischer Gemeinschaften. Im weitesten Sinne geht es auch darum, den eigenen Lebensraum aktiv mitzugestalten und mit Gleichgesinnten in Verbindung zu treten. Auch vor Österreich machte der Trend nicht halt und so wird vor allem in Wien und Graz gebuddelt und gesät was das Zeug hält. Auf www.selbsternte.at können sich Interessierte über Standorte und Parzellenpreise von bepflanzbaren städtischen Gartenflächen in Österreich informieren.









