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    2012 war siebentwärmstes Jahr seit 1768 in Österreich Totentafel: Jänner bis April 2012 Voriger Artikel Jahresrückblick 2012: 18/18 Nächster Artikel 2012 war siebentwärmstes Jahr seit 1768 in Österreich Jahres-Kehraus mit guter Musik
    Zuletzt aktualisiert: 01.12.2012 um 11:05 UhrKommentare

    Jahres-Kehraus mit guter Musik

    2012 ist gegessen - doch die Musik dazu noch lange nicht. Von Tabus und Totems, von psychedelischen Grizzlybären und jubilierenden Banjos, von permanent melancholischen Briten und weitestgehend unentdeckten Belgiern: Das nun verbrauchte Jahr tröstete nicht selten mit guter Musik. Von Thomas Golser.

    Foto © Mikel Wohlschlegel - Fotolia.com

    Hugh Cornwell - "Totem & Taboo"

    Schau einer an, den gibt es auch noch - gut so! Hugh Cornwell war über 15 Jahre Frontmann, Sänger und Gitarrist der legendären Stranglers. Wer formidable Texte wie "Took a pill and dropped right off the radar. Thought I could find peace and greener grass. Think I've woken up two decades later just to fall again upon my arse" schreibt, scheint zu wissen, wovon er singt. Dass er es in inspirierten Momenten aber noch immer kann, zeigt der Song "Totem & Taboo" vom gleichnamigen Album. Zackig (produziert mit Steve Albini, der sich schon Nirvana zur Brust nahm) und very british geriet das Werk - ein spätes Highlight eines Altvorderen. Auf der Suche nach einem Leitmotiv beschäftigte er sich mit Sigmund Freuds Psychoanalyse - was für den einen ein Totem ist, bleibt für den anderen tabu. Das Video dazu nimmt sich trotzdem bzw. gerade deshalb nicht zu ernst und bietet auch einige optische Reize. Ein flotter Auftakt für den Tribut an das Musikjahr 2012.

    zu finden auf: "Totem & Taboo"



    Grizzly Bear - "Yet Again"

    Die Gruppe Grizzly Bear - mehrstimmige Gesangsharmonien haben sie auf ihrer Visitenkarte stehen - meldeten sich 2012 mit dem fabelhaften Album "Shields" zurück: Einen Hit werden Sie darauf vergeblich suchen, doch so lange sich Lieder wie "Yet Again" finden, ist alles in bester Ordnung. Leidenschaft in Musik verpackt - Ruhelosigkeit, Sehnsucht, Zerrissenheit, alles vorhanden. Dieser Beitrag zur Bestenliste 2012 ist zweifellos so laut wie eine ruhige Band werden kann und setzt sich spätestens beim fünften Durchlauf in den Gehörgängen und im Gemüt fest. Ein wundervolles Stück Musik, das man sich auf den Weg mitnehmen sollte, stecken Sie es sich in die Tasche.

    zu finden auf: "Shields"



    Absynthe Minded - "Space"

    Das bestgehütete musikalische Geheimnis von Belgien legte 2012 ebenfalls ein neues Album vor - und es wurde gut "as it ever was". Absynthe Minded seien "hymnisch, herzergreifend, nölig, scheppernd, katertröstend, rasselnd, lodernd wie ein Höllenfeuer", schrieb www.laut.de einmal zum breiten Spektrum der Band. Dem möchte man sich durchaus anschließen, auch wenn man die Sache mit dem Titel "Space" eher geruhsam anging. Ein Refrain zum Niederknien, für den Sänger Bert Ostyn das richtige Maß an Abgeklärtheit mitbringt. Fünf Alben gibt es bereits, diese wollen entdeckt werden.

    zu finden auf: "As It Ever Was"



    Richard Hawley - "She Brings The Sunlight"

    Ein ziemlich großer Name in Großbritannien - auch wenn Richard Hawley nicht die Verkaufszahlen eines, sagen wir, Robbie "Don't Take That" Williams vorweisen kann. Muss er auch nicht, er macht stattdessen wirklich gute Musik. "Standing At The Sky's Edge", das 2012 erschien, wurde das bislang rockigste Album des eigenwilligen Musikers: Dunkel, psychedelisch, kraftvoll - als hätten Jim Morrison und Johnny Cash gemeinsam einen über den Durst getrunken und dann, als der Morgen graute, zu elektrifizierten Gitarren gegriffen. "She Brings The Sunlight" ist eine schöne Hymne geworden - wer die ganzen siebeneinhalb Minuten durchhält, wird dafür mit zwei grandiosen Soli belohnt.

    zu finden auf: "Standing At The Sky's Edge"



    Michael Kiwanuka - "I'm Getting Ready"

    An Michael Kiwanuka kam man 2012 nicht vorbei: Der gleichermaßen bescheidene wie sympathische Mittzwanziger orientiert sich an Musik der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre und hat eine Stimme, für die andere ihre eigene Großmutter an den Bestbietenden verkaufen würden. "I'm Getting Ready" (vom Album "Home Again") bringt auf etwas mehr als zwei Minuten mehr Seele und Gefühl unter als andere sogenannte "Soul-Sänger" unserer Tage in ihrer ganzen Karriere. Bill Withers, Otis Redding, Van Morrison: Alle schimmern hier durch, doch Kiwanuka drückt dem Retro-Paket noch seinen eigenen Stempel auf. Möge er für stille Stunde sein Fans bald mit neuem Material beglücken, denn Seele kann man niemals genug haben, möchte man festhalten.

    zu finden auf: "Home Again"



    Moon Duo - "Sleepwalker"

    Da sind sie wieder: Das, was sich hinter dem Moon Duo verbirgt - nennen wir es weniger Band, nennen wir es besser "Projekt". Könnte man heute schon im privaten Raumschiff durch das Weltenall fliegen und hätte ein Radio mit an Bord, würde "Sleepwalker" die perfekte Klangkulisse dazu abgeben: hypnotisierend, treibend und ein wenig "unterproduziert". Was ein gewisser Ripley Johnson singt (Keyboards spielt seine Freundin Sanae Yamada), muss man nicht immer verstehen. Das Video schon gar nicht, doch das Album "Circles" macht Spaß. Die zwei vom Mond, 2012 endlich zurück mit Musik wie von einem anderen Stern. In den 1970er-Jahren gab es Menschen, die sagten "Krautrock" dazu - der Autor bevorzugt aber den Begriff "akustisches Mondgestein". Oder Sie stellen sich eine bunte Lava-Lampe vor, die lustige Geräusche von sich gibt.

    zu finden auf: "Circles"



    Blur - "Under The Westway"

    Wenigstens so britisch wie der eingangs erwähnte Hugh Cornwell sind Blur: Einst mussten sie sich mit Oasis um die Krone des "Brit-Pop" duellieren - ohne, dass sie das wirklich wollten. Nach unzähligen Soloprojekten von Blur-Boss Damon Albarn reichte es 2012 wenigstens für eine neue Single namens "Under The Westway". Eine klassische Ballade im typischen Sound und eine sehr gute dazu - "a stand still and cry your eyes out sort of job", meinte die Band dazu. Das lassen wir gerne für sich stehen bzw. klingen. P.S. an die geographisch Interessierten unter den Musikfreunden: Der "Westway" ist jener Teil der A40, der sich auf mächtigen Betonträgern durch den Westen von London windet.

    zu finden auf: "Under The Westway"



    The Smashing Pumpkins - "The Celestials"

    Superstar der 1990er-Jahre. Querkopf. Egomane. In Summe muss man sagen - all das trifft auf Billy Corgan zu. Und doch ist er vollem auch eines: ein fabelhafter Musiker. Man sollte sich nichts vormachen. Die Smashing Pumpkins sind Corgan und Corgan sind die Smashing Pumpkins - von früheren Besetzungen ist nichts mehr übrig. Der Glatzkopf gab zum Comeback-Album "Oceania" zu Protokoll, es falle ihm nicht mehr so leicht, am laufenden Band große Songs zu finden. Was allerdings nicht bedeuten soll, er könne keine mehr schreiben. Ein sehr gutes Beispiel dafür war 2012 der Titel "The Celestials": Ein wenig Drama mit gehörigem Drive, war nicht genau das einmal Rockmusik?

    zu finden auf: "Oceania"



    Sinkane - "Jeeper Creeper"

    Der sudanesische Multiinstrumentalist Sinkane war 2012 eine der lohnenden Neuentdeckungen. Sein Debüt-Album "Mars" richtig einzuordnen, ist kein einfaches Unterfangen - einigen wir uns also darauf, dass es einfach Spaß macht: Pop, Reggae, Jazz, Funk - alles vereint unter dem großen bunten Schirm namens "Afro". "Jeeper Creeper" ist ein besonders feines Stück, leicht benebelt, garniert mit hübscher Twang-Gitarre. Ideal zum Wegdriften vom dann doch all zu alltäglichen Alltag. Der gute Mann, mittlerweile in Brooklyn sesshaft, soll auch Live-Qualitäten haben, heißt es.

    zu finden auf: "Mars"



    Tom Liwa - "Dein Wille Geschehe"

    Tom Liwa kommt aus Duisburg, macht seit 25 Jahren Musik - abwechselnd solo und mit seiner alten Band, den Flowerpornoes. Dass ihn trotzdem kaum jemand kennt, wenigstens nicht hierzulande, kann an der Qualität seines Materials nicht liegen. Seine Stimme klingt jünger als sein zerknautschtes Gesicht vermuten ließe. "Dein Wille geschehe" kommt von seinem 2012 veröffentlichten Ukulele-Album "Goldrausch" und ist eine bezaubernd-verhuschte Miniatur. Sie können dazu auch Chanson sagen und sich am Cello erfreuen. Ein wenig akustisch-homöopathisches Gegengift für diese verrohte Welt, die an allen Ecken und Enden lärmt und dann doch oft genug sprachlos ist und macht.

    zu finden auf: "Goldrausch"



    Neil Young & Crazy Horse - "She's Always Dancing"

    Neil Young erlebte 2012 seinen (mindestens) dritten Frühling - obwohl er sich nüchtern betrachtet im Herbst seines Lebens befindet. Eine Autobiografie und zwei neue Alben, für die er sich mit seinen verwitterten Mitstreitern wieder auf das "Crazy Horse" schwang. "She's Always Dancing" ist mit achteinhalb Minuten noch eine der kürzeren Nummern auf "Psychedelic Pill" und lässt einen fabelhaft auf drei, vier Akkorden wegdriften. Falls Sie hier etwas vom Klassiker "Like A Hurricane" von 1977 durchhören, war das vom Meister durchaus beabsichtigt. Ein tolles Stück von der dienstältesten und großartigsten Garagenrock-Band in dieser Galaxie. Und in der nächsten möglicherweise auch.

    zu finden auf: "Psychedelic Pill"



    Mumford & Sons - "I Will Wait"

    Die singenden Schrullen mit den lustigen Frisuren und dem seltsamen Namen, der an eine Rechtsanwalts-Kanzlei erinnert: 2008 und 2009 waren sie in Großbritannien und anderswo wieder einmal das nächste, ganz große Ding. Auf dem zweiten Album der Folk-Rock-Formation "Mumford & Sons" blieb der Überraschungseffekt des ersten zwar aus, eine Handvoll schöne Lieder findet sich darauf aber allemal: "I Will Wait" ist ein elektronikfreier Ohrwurm, viele Stimmen, viele Saiteninstrumente, viel Sehnsucht - und dazu ein Gitarrist und Sänger, der gleichzeitig auch noch die Trommel treten kann. Das bekommt man auch nicht alle Tage geboten. Diese Live-Aufnahme zeigt, dass die Band ihre Instrumente auch in echt bestens beherrscht. Sie kommen ja auch nicht aus, sagen wir, Kastelruth.

    zu finden auf: "Babel"



    Clint Mansell Featuring Peter Broderick - "Not At Home"

    Clint Mansell - dieser Name wird nicht sehr vielen ein Begriff sein, doch das ist ziemlich schade. Der Brite veredelte bereits so manchen Film mit seiner Musik: "Pi", "Requiem For A Dream", "The Wrestler", "Black Swan" und "Moon" waren nur einige davon. Aus "Last Night" stammt der Song "Not At Home" - ein perfektes Beispiel dafür, wie man mit wenigen Zutaten makellose Magie erzeugen kann: Eine ruhig dahin rollende Klaviermelodie, dazu die Stimme eines gewissen Peter Broderick - viel mehr da ist nicht. Die Bilder zum Song rufen in Erinnerung, welch wunderbare Kunstform Musikvideos doch sein können. Theoretisch wenigstens. Ewig schade um diese tolle Schreibmaschine nur...

    zu finden auf: "Original Soundtrack Last Night"

    THOMAS GOLSER

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