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    Zuletzt aktualisiert: 18.12.2011 um 15:44 UhrKommentare

    Mixtape 2011: Musik zum Nicht-Liegenlassen

    Zeit nehmen, zurücklehnen, genießen, herumspringen - und aufdrehen: Der Musikgeschmack des Redakteurs darf nun gepriesen und verflucht werden. Die subjektiven Jahresbesten, ob Sie wollen oder nicht. Von Thomas Golser.

    Foto © Jakub Krechowicz - Fotolia.com

    Die Songs

    1. Noel Gallaghers High Flying Birds - "What A Life!": Es geht ja doch noch! Noel Gallagher, der musikalisch begabtere der toxisch erprobten Radaubrüder aus Manchester ließ endlich seine Vögel raus und legte mit dem "High Flying Birds"-Projekt ein Solodebüt vor, für das er sich nicht genieren muss. Bruderherz Liam veröffentlichte mit Beady Eye eher Abgestandenes, das Oasis leider kaum vergessen lässt. "What A Life" ist ein kleiner Güterzug, der im mittleren Tempo durch den Gehörgang rumpelt. Gorgeous!



    2. The Decemberists - "This Is Why We Fight": Die Decemberists sind immer eine interessante Angelegenheit - und deshalb auch im kleinen Song-Reigen hier vertreten. Dass diese Nummer (und die ganze Platte) nicht wenig nach R.E.M. klingt, hat seinen Grund: Peter Buck, umtriebigster Saitenmann von Athens, Georgia bis Athen, Griechenland veredelte das eine oder andere Lied auf dem letzten Album. Nicht, dass es die schrullige Kombo ohne ihn nicht geschafft hätte, wie dieses hübsche Lied über Kämpfe im Großen und Kleinen beweist: "When we die - we will die with our arms unbound".



    3. Roddy Woomble - "Leaving Without Gold": Roddy Woomble hat einen drolligen Namen, eine lustige Zahnlücke und "nebenbei" auch eine famose Stimme, mit der er die Band "Idlewild" zu etwas Einprägsamen machte. Wirklich gut wird es aber, wenn er sich den Folk und eine Träne ins Knopfloch steckt, die akustische Gitarre umschnallt und seiner Stimme viel Luft lässt. Für "Leaving Without Gold" wurde nebenbei auch eines der bezauberndsten, unprätenziösesten Musikvideos des Jahres gedreht. Das wird natürlich kaum jemand sehen, also tun Sie es bitte jetzt. Von wegen - "kein Gold hier"...



    4. Danger Mouse & Daniele Luppi Featuring Jack White - "Two Against One": Der umtriebige Danger Mouse (sieher weiter unten) stellte 2011 ein interessantes, wenn auch wohl einmaliges Projekt auf die Beine: Zusammen mit dem italienischen Komponisten Daniele Luppi verschrieb er sich ganz der Ära der Spaghetti Western und legte ein Album vor, das auch 1970 hätte erscheinen können. Für diesen Song konnte er sogar Jack White (Ex-White-Stripes) gewinnen, für andere Schnarchnase Norah Jones. Erstaunlich wie rund 2:15 werden können, die Stimme passt gut - auf dem dazugehörigen Longplayer gibt es einige hübsche Instrumental-Stücke. Und Sie brauchen nicht mal einen Gaul dazu...



    5. Moon Duo - "Mazes": Was für ein unerwarteter Ohrwurm einer schrägen Zwei-Mann-Band (genauer: ein Mann, natürlich bärtig - und eine Frau, natürlich ohne Bart). Über ein wiederholtes kleines Orgelmotiv schraubt sich eine leicht dissonante E-Gitarre am Ende des Songs zu einem hübschen Solo, dazu ein treibender Beat - und ein wenig Stimme gibt es auch noch. Moon Duo kommen aus San Francisco, nehmen sich nicht ernster als das, was sie präsentieren. Es dröhnt, es zerrt, es zieht einen rein. Ein "schwer psychedelischer Dance-Hit" schrieb da jemand. Das kann man so stehen lassen.



    6. The Leisure Society - "Dust On The Dancefloor": The Leisure Society meinten zu ihrem Album "Into The Murky Water" nur lakonisch: "We've accidently made a summer album". Da soll nichts Schlimmeres passieren, sollte man meinen. Dieser hübsche kleine Song der Band rund um Sänger Nick Hemming macht auf Burt Bacharach, auf Beatles und auf Sechziger-Jahre-Pop - und kann das erstaunlich gut. Possierliche Streicher und ein triumphierender Refrain machen das Ding dann wirklich rund. Wer sich von Oktober bis März den schönsten Sommer zurückholen will - "winter is quite long enough"...



    7. Nils Petter Molvær - "Mercury Heart": Haben Sie keine Angst vor Jazz, er beisst nicht - und dieses grandiose Stück Musik taucht ohnehin viel eher in Rock-Sphären ab. Dass die Menschen im Norden großartige Musik zuwege bringen, wurde schon des öfteren belegt. Ein Stück wie ein Polarlicht - vielschichtig, pur und faszinierend. Nils Petter Molvær, 1960 auf der norwegischen Insel Sula geboren, spielt die Trompete wie ein Rockmusiker und schafft es in seinen besten Momenten doch wie Miles Davis zu klingen. Die ganze LP ("Baboon Moon") wird etwas weiter unten dringend empfohlen.



    8. The Black Keys - "Lonely Boy": Das Garagen-Blues-Rock-Duo aus Akron, Ohio, ist schon wieder mit einem neuen Album zurück und den Auftakt bestritt der "Lonely Boy". Produzent Danger Mouse produzierte gekonnt, wenn auch etwas zu glatt. Natürlich geht es schon wieder um die Liebe bzw. um die brennende Sehnsucht danach. Nichts an dieser Musik gibt es nicht schon seit vielen Jahrzehnten, nichts hier ist wirklich neu oder gar originär (T. Rex, ZZ Top, Led Zeppelin - anyone?), doch wem diese Nummer hier nicht in die Beine fährt, der sollte sich besser gleich hinlegen. Oder aber: Wer wissen will, wie man wirklich lässig tanzt, führe sich das Demonstrations-Video zum Song zu Gemüte.



    9. Fink - "Berlin Sunrise": Fink legte mit "Berlin Sunrise" einen der hypnotisierendsten Songs des Jahres vor - vertreten auf dem Album "Perfect Darkness". Einst war er DJ, heute zupft er überaus geschmackvoll die Gitarren. Live ist der Mann aus Bristol ein Erlebnis, wie ich dereinst in einer Konzert-Empfehlung schrieb: "Finian Greenall, früher ganz tief in Rave, Trip Hop und Elektro, betört mit grummelnder Stimme, exzellenten Songs und feiner Akustik-Gitarre auf der Bühne". Gut investierte vier Minuten.



    10. The Head & The Heart - "Lost In My Mind": "Schon wieder eine dieser zartbesaiteten Folk-Pop-Sachen!", werden Sie jetzt vielleicht sagen. Stimmt - aber das muss man auch erst mal beherrschen, sage ich. Wer Mumford & Sons oder Fleet Foxes gut leiden kann, könnte auch hier fündig werden - die reflektierenden Texte passen gut zum mehrstimmigen Gesang und zur vielschichtigen Instrumentierung. Live waren sie übrigens schon im Vorprogramm von The Low Anthem zu sehen (siehe weiter oben) - und das passte dann auch ganz gut - auch wenn die Vorschuss-Lorbeeren à la "Seattle's next big band" noch etwas hoch gegriffen scheinen. Mal hören, mal abwarten...



    11. Sivert Høyem - "Give It A Whirl": Der düstere Norweger, dessen Stimme einst die Band Madrugada veredelte, meldet sich zurück (das Album "Long Slow Distance" wird weiter unten besprochen). Wie so oft bei ihm geht es um enttäuschte Erwartungen und noch vorhandene Resthoffnung - und der Text zur treibenden Musik sagt alles: "Again, try to rewire the connections of your tired machine. Well, you know you've been a liar, a good for nothing two-faced go-between. It's my time to be waiting, locked down, chained in the hole. But when my waiting is done, I'm gonna give it a whirl".

    12. R.E.M. - "We All Go Back To Where We Belong": Gehen, wenn man weiß, dass es Zeit dafür ist - das schaffen nicht viele, schon gar nicht sehr viele Bands. R.E.M. klappten nach 31 Jahren das dicke Buch ihrer Bandgeschichte zu und schafften damit das Kunststück sich Würde, Stil und Respekt konserviert zu haben. Nicht, ohne den Fans vorher eine kleine Abschieds-Single mit auf den Weg zu geben: Für das Video sang Michael Stipe direkt in Richtung Kirsten Dunst - der schien das gut zu gefallen und mir auch. Eine Nummer wie ein sanftes Adieu von einem lieben Menschen - mit Wummer-Bass, putizgen Streichern und einem bittersüßen Refrain. Goodbye, R.E.M..

    Die Alben

    1. Elbow - "Build A Rocket Boys": Die britische Musikpresse ist, wenn es um Vorschuss-Lorbeeren geht, meist alles andere als geizig. Oft ist freilich nicht viel dahinter. Anders verhält es sich mit den großartigen Elbow rund um Sänger Guy Garvey. "The Times" verkündetete anlässlich der fünften Studio-LP "Build A Rocket Boys" gar salbungsvoll: "Die letzte Band, die eine solche Mischung aus Verzweiflung und Erhabenheit in ähnlich elegant-experimentelle Klangwelten gegossen hat, hieß Pink Floyd". Retrospektive, introvertierte Songs, großartige zurückhaltend eingespielt - nicht ohne auch einmal an Dezibel zuzulegen. Eine ganze große Platte.

    2. Sivert Høyem - "Long Slow Distance": War "Moon Landing" von 2009 noch über weite Strecken etwas optimistischer und sonnendurchflutet geraten, gefällt es dem kahlen Norweger auf seinem 2011er-Album wieder durchwegs düster. Zu einem recht großen Teil starke Songs und makellose (aber nicht zu glatte) Produktion ergeben eine dieser perfekten Nacht-Platten. Gibt es auch natürlich auch in Vinyl - und mit Bonustracks.

    3. Various Artists - "Tucson Songs": Eine Kompilation musste mit rein - und zwar eine ganz besonders gute, gegen Ende 2011 im Rahmen der "le pop"-Reihe erschienen: "Tucson Songs - Exciting New Sounds From Southern Arizona" rund um die Altvorderen von Calexico und Giant Sand gibt einen fabelhaften Einblick in die Szene, die sich im Laufe der letzten Jahr(zehnt)e in Tucson und darüber hinaus entwickelt hat. Wüsten-Chansons, Songwriter-Pop, Mariachi-Musik, Ami-Folk und Indie-Gitarrengewitter, 18 kurzweilige und unterhaltsame Songs - was will man mehr. New Mexico für daheim.

    4. The Decemberists - "The King Is Dead": Der König mag vielleicht tot sein, die Hoffnung auf wirklich gute Rock- und Popmusik mit Köpfchen und Bestand aber (noch) nicht. Die schrulligen Decemberists lieferten eine gar nicht so schrullige, recht eingängige, schnörkellose und jetzt schon zeitlose Sammlung von Songperlen ab: Jede einzelne Nummer auf "The King Is Dead" könnte eine Single sein, ohne zu plakativ oder kommerziell zu sein - wie viele Bands können das noch von sich behaupten..?

    5. Nils Petter Molvær - "Baboon Moon": Was für ein Album! "Trompete gewordenes Polarlicht" schrieb da jemand - und er hatte durchaus recht damit. Wenn die Musik auf "Baboon Moon" auch weitaus mehr als nur Trompete ist: "Im Grunde ist es nicht so entscheidend, was ich mache. Wichtiger ist, mit wem ich zusammenarbeite", meinte der norwegische Trompeter, Komponist und Produzent - und traf es punktgenau: Das ganze klingt eher wie Fusion-Gebräu als Jazz, und auch die Gitarren kommen nicht zu kurz.

    THOMAS GOLSER

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