Der Krieg im Netz
Cyberwaffen statt Panzern und Raketen. In Zukunft werden Kriege, so meinen Experten, zu einem großen Teil vom Internet aus geführt. Wikileaks war erst der Anfang.

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Im Juli entdeckten weißrussische Experten einen Computervirus, der zunächst wenig aufsehenerregend schien. Doch dann gruben sie tiefer. Was sie fanden, beschäftigt die wichtigsten Sicherheitsexperten der Welt bis heute: Ein geheimnisvoller, neuartiger und äußerst schlagkräftiger Wurm hatte sich auf Zehntausenden PCs in Industrieanlagen eingenistet; in Indien, Indonesien - und in Atomanlagen im Iran.
"Das ist Teil eines elektronischen Krieges gegen den Iran", erklärte ein Beamter aus dem Industrieministerium. Auch wenn die Urheber unbekannt sind, verdächtigte Teheran sofort die USA. Wieder war vom Cyberkrieg die Rede, die deutsche FAZ titelte gar: "Der digitale Erstschlag ist erfolgt."
Vom Cyberkrieg sprachen viele auch nach den jüngsten Attacken auf die Webseiten der Zahlungsdienstleister PayPal, Visa oder Mastercard. Anhänger des Wikileaks-Gründers Julien Assange hatten die Seiten in Guerillamanier lahmgelegt. Sie wollten sich so bei Firmen rächen, die - auch unter politischem Druck - das Enthüllungsportal blockierten.
Werden Kriege in Zukunft überwiegend vom Internet aus geführt? Was die Attacken unter anderem gegen das umstrittene iranische Atomprogramm betrifft, sind sich Experten sicher: Der per USB-Stick übertragene Virus, den sie Stuxnet nennen, ist kein Werk gewöhnlicher Cyberkrimineller, die etwa auf Kreditkartennummern oder Bankdaten aus sind.
Da die Entwicklungskosten für Stuxnet im siebenstelligen Euro-Bereich liegen und der Aufwand immens ist, kommen eigentlich nur Staaten als Schöpfer infrage. "Das ist keine Ein-Teenager-hackt-in-seinem-Schlafzimmer-Operation", erklärte das Sicherheitsunternehmen Symantec. Der Spezialist Eugene Kaspersky sprach vom "Auftakt zum Zeitalter der Cyberwaffen und Cyberkriege."
Armeen rüsten sich
Denn: Große Industrieanlagen, Raffinerien etwa oder Atomkraftwerke, werden heute von Computern gesteuert. Fehler - oder Manipulationen durch Cyberwaffen - können zur Katastrophe führen. Die einen sprechen von Panikmache, andere meinen, es sei nur eine Frage der Finanzierbarkeit, dass Terroristen noch keinen Cyberanschlag verübt haben.
Die meisten Armeen rüsten sich jedenfalls für diese Art von Angriffen (siehe Interview). Im Völkerrecht gibt es den Begriff Cyberkrieg nicht. In der UNO überlegt man aber seit Längerem, wie man solche Angriffe ächten könnte.
Als ersten Cyberkrieg sehen viele den Kosovokrieg 1999. Die Nato-Allianz störte serbische Luftabwehrsysteme und griff das Telefonnetz an. Die Serben ihrerseits störten den Nato-Server. Chinesische Hacker sollen damals sogar die Webseite des Weißen Hauses vorübergehend lahmgelegt haben.
Einen Cyberangriff im großen Stil erlebte 2007 auch Estland. Regierungsstellen und die größte Bank waren nicht mehr erreichbar, Auswirkungen gab es auch auf Spitäler, Energieversorgungsunternehmen und Notrufnummern. Die Angreifer: bis heute unbekannt.












