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Zuletzt aktualisiert: 11.10.2010 um 18:22 UhrKommentare

Fix ist bloß, dass noch nichts fix ist

Am Tag nach der Wien-Wahl war bei den meisten Parteien mehr oder minder betrübtes Wundenlecken angesagt, nur die FPÖ ruhte sich nach ausgiebigem Feiern aus. Eine klare Tendenz für Koalitionsvarianten ließ sich bei den "Roten" noch nicht herauslesen.

Foto © APA

Am Tag nach der Wien-Wahl war bei den meisten Parteien mehr oder minder betrübtes Wundenlecken angesagt: Die SPÖ widmete sich in abgesperrten Rathausräumlichkeiten der Klausur, wobei im Vorfeld unter anderem die Jugend auf Rot-Grün drängte. Die Grünen selbst hatten ihre Landeskonferenz für den Abend angesetzt. Die ÖVP-Bundesspitze hat sich in einer Sitzung mit Landeschefin Christine Marek ebenfalls noch nicht festgelegt. Lediglich die FPÖ ruhte sich an ihrem traditionellen "blauen Montag" von den gestrigen Feierlichkeiten aus.

"Keine Koalitionspräferenzen"

Eine klare Tendenz für Koalitionsvarianten ließ sich bei den Roten am Montag noch nicht herauslesen. "Es gibt keine Koalitionspräferenzen, das ist heute gar nicht das Thema", beschied SP-Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Der erst vor kurzem übergelaufene Ex-Grüne Stefan Schennach und die Sozialistische Jugend äußerten hingegen klare Sympathien für ein Zusammengehen mit den Grünen. "Wir wollen und werden alles tun, damit das mehrheitsfähig wird", betonte SJ-Chef Stefan Jagsch. Auch die SPÖ-Landesobleute aus Vorarlberg und Kärnten, Michael Ritsch und Peter Kaiser, äußerten Vorlieben in Richtung Rot-Grün.

Der Wiener ÖVP-Grande Ferry Maier riet seiner Partei unterdessen, nicht in eine Koalition mit der SPÖ zu gehen: "Man sollte mit einer neuen Oppositionspolitik und neuen Themen versuchen, Profil und Kanten zu gewinnen". Bundesparteichef Josef Pröll wollte derartige Ratschläge nicht kommentieren. "Es gibt viele unterschiedliche Meinungen", sagte nach einer Sitzung der Parteispitze. Auch Landesparteichefin Christine Marek wollte sich noch nicht festlegen: "Wir werden alles in den Gremien diskutieren". Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ließ unterdessen bereits seine klare Präferenz für Rot-Schwarz in der Bundeshauptstadt erkennen. Maier warnte auch vor Personaldiskussionen ebenso wie Altparteiobmann Bernhard Görg, welcher der Volkspartei ohnedies völlige Chancenlosigkeit in Wien konzedierte.

Aufholjagd von Van der Bellen

Für eine Überraschung könnte ein anderer Politgrande sorgen. Der grüne Ex-Bundessprecher Alexander Van der Bellen könnte mit seinem Vorzugsstimmenwahlkampf Erfolg gehabt haben: Mit 9.126 Vorzugsstimmen liegt der Herr Professor nach Bürgermeister Häupl auf Platz 2, hätte damit aber die Vorreihung auf Platz 1 der Grünenliste knapp verpasst. Allerdings könnten hier die Briefwahlstimmen noch eine Veränderung bringen und Van der Bellen von Platz 29 an die Spitze befördern. Die Grünen hatten die einstige Bundesspitze als Werbung für Rot-Grün positioniert.

Relativ sicher scheint nach den Prognosen der Wahlforscher am Montag hingegen, dass die FPÖ durch die Briefwahlstimmen noch eines ihrer derzeit 28 Mandate im Gemeinderat einbüßen wird. Dieses dürfte den Grünen zuwandern, die damit auf 11 Sitze kämen. Eventuell kann auch ein zweites freiheitliches Mandat flöten gehen - dann in Richtung SPÖ, die somit auf 50 Mandate käme oder zur ÖVP, die somit 14 Abgeordnete zählen würde.

Entsprechend der Warteposition vor der Auszählung der ersten Briefwahlstimmen am morgigen Dienstag kommt auch das Personalkarussell eher gemächlich in Fahrt. Zwar trauen manche Auguren den gestrigen Beteuerungen von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) nicht, bleiben zu wollen. Als Nachfolger werden sowohl Hundstorfer als auch traditionell die beiden Vizebürgermeister Renate Brauner und Michael Ludwig genannt. Dass Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely in der Bundesregierung Gesundheitsminister Alois Stöger ablöst, scheint laut Parteikreisen indes unwahrscheinlich.


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