Michael Häupl - Bei seiner letzten Wahl geschlagen
Der mächtige Wiener SPÖ-Chef verfehlt die absolute Mehrheit.

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Der erhoffte starke Abgang war Michael Häupl (S) nicht vergönnt. "Das Ziel ist, dass wir klare, politisch stabile Verhältnisse haben wollen, ähnlich wie in Niederösterreich, nur halt mit umgekehrtem politischen Vorzeichen", hatte der Bürgermeister noch Anfang Oktober gehofft, die absolute Mehrheit zu verteidigen und den Aufwärtstrend der FPÖ zu stoppen. Beide Wahlziele hat der 61-Jährige bei seiner voraussichtlich letzten Wahl nun aber doch recht deutlich verpasst. Dass Häupl die volle Legislaturperiode durchdient gilt daher als unwahrscheinlich.
Euro, Internet, Handy - Wiener Jugendliche haben schon einiges erlebt, einen Bürgermeisterwechsel jedoch noch nie. Am 7. November 1994 trat Michael Häupl das Amt an, das er bis heute innehat. Damit liegt der gebürtige Niederösterreicher auf Platz vier der längst dienenden Bürgermeister Wiens, lediglich Josef Georg Hörl scheint mit 31 Jahren (1773-1804) noch in unerreichbarer Ferne.
Häupl erblickte am 14. September 1949 in Altlengbach das Licht der Welt - in einer, so heißt es, traditionell ÖVP-nahen Lehrerfamilie. Der Bub besuchte unter anderem die Schule der Benediktiner in Seitenstetten. Die Matura absolvierte Häupl 1968 im Bundesrealgymnasium Krems. Dass er während der Schulzeit unter dem Kneipnamen "Roland" in der schlagenden Studentenverbindung "Rugia" aktiv war, erwähnen vor allem politische Gegner (und Journalisten in Häupl-Porträts) immer wieder gerne.
Nach der Matura begann er in Wien das Studium der Biologie und Zoologie. Ab dem Jahr 1975 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Naturhistorischen Museum und promovierte zwei Jahre später über die Schädelkinetik bei Gekkoniden, den Kleinechsen der Tropen. Schon während des Studiums erfolgte ein politischer Richtungswechsel: Auf Burschenschaft folgte der Verband Sozialistischer Studenten (VSStÖ). Als dessen Bundesvorsitzender fungierte er von 1975 bis 1977. 1983 zog er in den Gemeinderat ein.
Am 29. Jänner 1988 wechselte er auf Wunsch seines politischen Ziehvaters Helmut Zilk als Umweltstadtrat in die Stadtregierung. Endgültig zu Zilks Kronprinzen auf das Amt des Bürgermeisters avancierte Häupl schließlich am 23. April 1993, als er die Nachfolge Hans Mayrs als Vorsitzender der Wiener SPÖ antrat. Die Wahl zum Stadtoberhaupt erfolgte am 7. November des Folgejahres.
Häupl musste gleich bei seiner ersten Wahl 1996 eine Niederlage einstecken. Die rote Absolute war vorübergehend Geschichte, es folgte eine SPÖ-ÖVP-Koalition. 2001 konnten die für die Wiener SPÖ gewohnten Verhältnisse jedoch wieder hergestellt werden, wohl auch dank des erklärten Lieblingsfeindes des Bürgermeisters - der schwarz-blauen Bundesregierung. Sie wurde zum Hauptangriffsziel im Wahlkampf.
Apropos Bund: Michael Häupls Kommentare zur Bundespolitik sind stets gefragt, vor allem Wortspenden zum Zustand der SPÖ oder zum jeweils aktuellen Vorsitzenden werden bei der allwöchentlichen Dienstags-Pressekonferenz mit Spannung erwartet. Kritik kommt dabei eher selten, falls doch, wird sie dafür meist als "Machtwort" interpretiert. Und tatsächlich hat das Wort Häupls in der Partei ziemliches Gewicht, was sich zuletzt an der von ihm entfachten Diskussion um eine Volksbefragung zur Abschaffung der Wehrpflicht wenige Tage vor der Wahl zeigte.
Wobei er auch mit der politischen Konkurrenz ganz gut kann, vor allem mit einigen ÖVP-Granden. Mit dem niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (V) ist er befreundet, auch die Achse zum damaligen Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Nettig funktionierte stets bestens. Gleichzeitig ist Häupl auch am europäischen Parkett präsent, als Präsident des Rates der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE).
Michael Häupl hat zwei Kinder. Er ist verheiratet, lebt jedoch von seiner Frau getrennt. Seine Urlaube verbringt er vor allem in der Toskana. Auch für ein Hobby hat der Wiener Regierungschef Zeit - es ist violett und hört auf den Namen Austria Wien. Tatsächlich ist der Fußballclub weit mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung, ist Häupl doch dort auch Vorsitzender des Kuratoriums. Dass Häupl die gesamte Legislaturperiode durchdient gilt als unwahrscheinlich - allgemein erwartet wird eine geordnete Machtübergabe.














