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Zuletzt aktualisiert: 03.10.2010 um 22:52 UhrKommentare

Wien-Wahl: Elefantenparade im Hexenkessel von ATV

Am Sonntag gab es gleich zwei TV-Duelle der Wiener Spitzenkandidaten. Im ORF standen am Vormittag Bildung und Integration im Mittelpunkt einer eher ruhigen Diskussion, auf ATV ging es am Abend schon mehr zur Sache.

Foto © APA

Blockveranstaltung zur Wahldiskussion: Am Sonntagabend hatten sich je 450 Anhänger von SPÖ, ÖVP, Grünen und FPÖ in bunten Parteikostümierungen zur Elefantenrunde der Spitzenkandidatin auf ATV in der Wiener Stadthalle versammelt. Die Parteigänger waren dabei streng nach Blöcken gruppiert und verwandelten die Wahlarena erfolgreich in einen Hexenkessel - was auch die Spitzenkandidaten sichtlich befeuerte.

Ungeachtet des halbstündigen Bemühens der Organisatoren im Vorfeld der Veranstaltung hielt sich keiner der Blöcke an die verordnete Ruhe während der Sendung. Im Nachteil war hier ein großer Teil des FPÖ-Blocks, der unter dem Schwenkarm des Kamerakrans saß und deshalb nicht aufstehen durfte, wollte man sich keine blutige Nase holen.

Strache droht mit Rückzug

Sichtlich wohl in der aufgeheizten Atmosphäre fühlte sich Grünen-Frontfrau Maria Vassilakou, die mit Bonmots aufwartete. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hingegen drohte kurzzeitig, die Runde zu verlassen, weil er zur Bildungspolitik zunächst nicht Stellung beziehen durfte. Moderat im Spiel mit der Menge zeigte sich ÖVP-Frontfrau Christine Marek, während sich im Vergleich zu manch anderer Diskussionsrunde SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl aus der Reserve locken ließ.

"Für einzelne regionale Ereignisse kann man Grätzelbefragungen durchführen, was ich durchaus befürworte", ließ Häupl im Bezug auf islamische Zentren aufhorchen. Strache zeigte sich indessen religiös tolerant: Die Moschee samt Minarett am Hubertusdamm in Floridsdorf sei kein Problem, sondern als klares Zeichen für die Mitarbeiter der UNO-City geschaffen worden. Vassilakou votierte für eigenständige Aufenthaltspapiere für Frauen: "Nicht, dass man ihnen das Kopftuch vom Kopf herunterreißt und vorgaukelt, das wäre Emanzipation." Jemand, der vollverschleiert sei, habe kein Gesicht in der Gesellschaft, plädierte dagegen Marek für ein Burkaverbot.

"Das Wiener Blut - die tollste Melange von allen"

Blutig die Definition der Diskutanten, was für sie einen echten Wiener ausmache. "Das Wiener Blut - die tollste Melange von allen", beschied Vassilakou. Bluttriefend auch Mareks Antwort "Das Herzblut" - wohingegen Häupl mit der Antwort "eine böhmische und eine jüdische Großmutter" das Blut der Vorfahren als Beweis heranzog. "Das Wiener Blut ist die Lebensfreude des Wieners", replizierte Strache auf seinen bekannten Wahlslogan.

Auch für das heiße Thema Hundstrümmerl hatten die Kandidaten unterschiedliche Vorschläge. Häupl ging davon aus, mit den Waste-Watchern dem Problem Herr werden zu können. "Ich glaube, dass es darum geht, nicht die Strafe zu erhöhen, sondern die Kontrollen zu verstärken", warb Marek für eine einheitliche Stadtwache. "Man soll doch bitte nicht immer die Hundebesitzer kriminalisieren", schlug sich Strache auf die Seite der Halter, während Vassilakou verpflichtende Welpenkurse anpries: "Wenn das dann immer noch nicht funktioniert, dann schau'n ma weiter."

Beim Verkehr zeigten sich Häupl und Marek als Autofreunde. "Ich bin dagegen, dass man den Leuten gesetzlich vorschreibt, wer ein Auto kaufen darf", beschied Häupl - "Ich glaube, dass es ein Recht ist, mit dem Auto fahren zu dürfen", Marek. Strache votierte stattdessen gegen die Einpendler von auswärts: "Jeder Wiener soll überall in Wien parken dürfen und die Pendler eben nicht." Vassilakou hingegen sprach sich für die Ausweitung des Parkpickerls über den Gürtel hinaus und den Öffiausbau aus.

Persönlicher wurde es dann zwischen den beiden Duellanten Häupl und Strache. Auf Straches Nebenbemerkung, dass der SPÖ-Chef die Bildungspolitik in "Weinseligkeit" bisweilen vernachlässige, gab sich Häupl angriffig: "Warum fangen Sie schon wieder an, so persönlich zu werden: Ich spreche über Ihre Konsumgewohnheiten auch nicht." Bezüglich der politischen Zukunft gelte jedenfalls eines, verwehrte sich Häupl gegen den Vorwurf der Amtsmüdigkeit: "Herr Strache: Sie gehen eher in die Frühpension als ich in die Pension."


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