Jubel in Berlin: Auch die zweite "Mauer" fiel
Hunderttausende, darunter Prominenz aus aller Welt, feierten Montagabend in einer bewegenden Zeremonie den Fall der Berliner Mauer vor genau 20 Jahren.

Foto © ReutersGanz Berlin in Feierlaune
In einem wahren Gedenk- und Feiermarathon in Berlin wurde am Montag des Falls der Mauer vor 20 Jahren gedacht. 31 amtierende und ehemalige Staats- und Regierungschefs kamen in die deutsche Hauptstadt, so viele wie nie seit der Einheit. Kreuz und quer durch die Stadt bewegte sich dieser Gipfel, ein Parcours der Gesten und Symbole.
Erster an der einstigen Mauer war der Friedensnobelpreisträger Lech Walesa. Am frühen Morgen besuchte er die Gedenkstätte Bernauer Straße, dort wurden unter anderem Blumen für die Todesopfer des DDR-Grenzregimes niedergelegt. In der nahen Gethsemane-Kirche fand ein Gottesdienst mit Bundespräsident Horst Köhler und Kanzlerin Angela Merkel statt. 1989 war diese Kirche die berühmteste Zufluchtstätte von DDR-Oppositionellen. Köhler würdigte den 9. November als Tag der Freude, erinnerte aber auch an die Pogromnacht am gleichen Datum des Jahres 1938. Beide Jahrestage seien eng miteinander verbunden.
"Wir fluten jetzt"
Am Nachmittag zog Angela Merkel trotz eines grimmig-grauen Herbstwetters strahlend über eine Bahnbrücke am früheren Grenzübergang Bornholmer Straße. Eben dort war die Grenzöffnung am Abend des 9. November 1989 wirklich vollzogen worden, der Schlagbaum ging für die wartenden Massen um 23.20 Uhr auf. "Wir fluten jetzt", hieß das damals im Jargon der Grenzer. Binnen weniger Stunden gingen 20.000 Menschen von Ost nach West. Auch die junge Physikerin Angela Merkel war dabei. Am Montag nun ging sie in Begleitung von Walesa und dem einstigen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow. Außerdem folgten ihr viele frühere Bürgerrechtler, darunter auch der Liedermacher Wolf Biermann.
Ein Defilee sämtlicher Regierungschefs der EU-Staaten, der US-Außenministerin Hillary Clinton sowie dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew fand sich schließlich am frühen Abend im Schloss Bellevue bei Bundespräsident Köhler ein. Schon am Vorabend war Clinton zu ihrem ersten Deutschlandbesuch als Außenministerin eingetroffen.
Neben symbolträchtigen Terminen am Brandenburger Tor nutzte sie den Tag für Treffen mit deutschen Politikern. Die Tagespolitik stand natürlich auch für die angereisten Regierungschefs aller europäischen Staaten, darunter Bundeskanzler Werner Faymann, am Abend bei einem Festbankett auf der Tagesordnung. Bei ihrem Essen wollten sie über die Neubesetzung der Posten des EU-Ratspräsidenten und des EU-Außenministers reden.
Auch die zweite "Mauer" fiel
Alle Staatsgäste nahmen am Abend außerdem am "Fest der Freiheit" am Brandenburger Tor teil. In einer bewegenden Zeremonie brach dort die Mauer von damals noch einmal symbolisch zusammen. Diesmal war es jedoch nicht kalter Beton, sondern ein graziles Kunstwerk aus bunt bemalten Segmenten. Wie Dominosteine fielen sie - und Hunderttausenden jubelten fast so bewegt, wie einst vor 20 Jahren.





















