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Zuletzt aktualisiert: 08.11.2009 um 09:26 UhrKommentare

"DDR war ein Unrechtsstaat"

Der deutsche Schriftsteller und ehemalige Fluchthelfer Wolfgang Welsch hat die DDR als einen "Unrechtsstaat" bezeichnet. Unrecht habe die Herrschaftspraxis des SED-Regimes bestimmt. bestimmt habe.

Foto © APA

"Wem das zu platt erscheint, der möge nachträglich einen Blick in die Verfassung des SED-Staates werfen", erklärte Welsch am Samstag gegenüber der APA. Die DDR-Verfassung habe den Staat in ihrem ersten Artikel unmissverständlich als das "Herrschaftsinstrument der Arbeiterklasse" bezeichnet.

Die Opfer der DDR habe man mit "geringen Geldzuwendungen abgefunden", die selbst objektive Beobachter als "zynisch" charakterisieren würden, betonte Welsch weiter. Die "Ehrenpension" hätten hingegen diejenigen bekommen, die Akten vernichtet, das politische Strafrecht der DDR verschärft oder als inoffizielle Mitarbeiter der Stasi Menschen bespitzelt und verraten hätten, kritisierte der ehemalige Fluchthelfer. Welsch war selbst ein Opfer der Stasi, überlebte nachweislich mehrere Mordanschläge, verbrachte insgesamt über sieben Jahre in der DDR in Haft und wurde vom damaligen deutschen Bundeskanzler Willy Brandt freigekauft.

Diskussion flammt wieder auf

Nach 20 Jahren wiederhole sich nun die Diskussion darüber, ob die DDR ein "Unrechtsstaat" gewesen sei oder nicht, so Welsch. Bereits die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wählte mehrmals diese Bezeichnung für die ehemalige DDR. Zweifellos sei das Unrecht ein Wesensmerkmal des SED-Regimes gewesen, welches dessen Herrschaftspraxis bestimmt habe. "Die allermeisten Menschen in der DDR erlebten die Brutalität eines als 'Arbeiter- und Bauernstaat' bezeichneten Regimes, das auf außenpolitische Entspannung mit der Verschärfung der Repression nach innen reagierte", konstatierte Welsch.

Nicht die "Verhältnisse" oder ein abstraktes "System" seien für das Geschehene verantwortlich, sondern jene, die es erdacht, aufgebaut und bis 1989 getragen hätten. Verantwortlich seien somit die Mitglieder und Funktionäre der SED, die heute in der Linkspartei die alten Parolen vom "Systemwechsel" ungehindert verbreiten dürften, kritisierte Welsch. "Niemand, der seine fünf Sinne beisammen hat, trauert dem Unrechtsstaat DDR ernsthaft nach. Er war eine perfide, menschenverachtende Diktatur", erklärte der Schriftsteller.

Prominenz beim Jahrestag

Wolfgang Welsch, der seine Lebensgeschichte bereits in dem Buch "Ich war Staatsfeind Nr. 1" verarbeitete, wird am morgigen Montag zum 20. Jahrestag des Mauerfalls gemeinsam mit ausgewählten Bürgerrechtlern, Politikern, Künstlern Kirchenvertretern und Zeitzeugen - auf Einladung der Fernsehsender ZDF und Phoenix - in Berlin auf Bundeskanzlerin Merkel und Persönlichkeiten wie den ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow und den früheren polnischen Solidarnosc-Führer Lech Walesa treffen.

Welschs Lebensgeschichte wurde bereits 2004 unter dem Titel "Der Stich des Skorpion" verfilmt. Sein aktuelles Buch über die gesellschaftlichen Folgen des Mauerfalls heißt "Die verklärte Diktatur. Der verdrängte Widerstand gegen den SED-Staat."


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