Gemischte Bilanz der Ostdeutschen 20 Jahre nach Mauerfall
Vor allem die soziale Entwicklung sehen ehemalige Ostdeutsche skeptisch bis negativ. Mehr als die Hälfte sieht nach wie vor große Unterschiede zwischen den Lebensverhältnissen in Ost und West.

Foto © APSeit 20 Jahren Geschichte: die Berliner Mauer.
Die Ostdeutschen ziehen 20 Jahre nach dem Mauerfall eine gemischte Bilanz. 38 Prozent sehen sich als Gewinner der Jahre seit dem Herbst 1989, während sich immerhin 23 Prozent als Verlierer bezeichnen, wie eine am Montag vorgestellte Studie im Auftrag des Sozial- und Wohlfahrtsverbands Volkssolidarität ergab. Weitere 30 Prozent sehen für sich sowohl Gewinne als auch Verluste.
Die Erwartungen der Ostdeutschen hätten sich besonders in den Bereichen des Konsums, des Wohnens, des Reisens und der Freiheit erfüllt, sagte der Präsident der Volkssolidarität, Gunnar Winkler. Dagegen werde die soziale Entwicklung eher skeptisch bis negativ beurteilt.
Pessimistischer Blick in die Zukunft
"Ihre wirtschaftliche Lage bewerteten 2009 nur noch 32 Prozent der Ostdeutschen mit gut. 1999 waren es rund 47 Prozent", sagte Winkler. Über die Hälfte der Befragten erwartet, dass es in fünf Jahren schlechter gehen wird. "Insbesondere die fortgesetzte Politik der Sozialreformen - mit zum Teil tiefgreifenden Einschnitten in die Lebenslagen der Bürger - hat dazu geführt, dass die Zufriedenheiten, Hoffnungen und Erwartungen seit 2000 abnehmen."
Vielen Menschen in den neuen Bundesländern fehle inzwischen der Glaube an das Erreichen gleichwertiger Lebensverhältnisse. Nur 19 Prozent sähen keine beziehungsweise geringe Unterschiede zwischen Ost und West. Für 53 Prozent gebe es noch große Unterschiede, die erst in Jahrzehnten überwunden seien.
1900 Bürger befragt
Für die Studie mit dem Titel "20 Jahre friedliche Revolution 1989 bis 2009 - Die Sicht der Bürger der neuen Bundesländer" wurden rund 1900 Bürger in den neuen Ländern einschließlich Berlin-Ost befragt. Die Studie wurde im Auftrag der Volkssolidarität vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg (SFZ) erarbeitet. Grundlage ist die jährliche repräsentative Untersuchung des SFZ seit 1990 zur sozialen Lage in Ostdeutschland.













