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Zuletzt aktualisiert: 25.10.2012 um 20:40 UhrKommentare

Sie ist beliebter als der Präsident

Hillary Clinton wird heute 65. Sie gilt als Superstar der Regierung Obama - und verkündet doch ihren Rückzug als Außenministerin. Kommt sie 2016 als Präsidentin wieder?

Foto © AP

Rund 845.000 Flugmeilen und mehr als 100 besuchte Länder in vier Jahren - das hinterlässt Spuren. Hillary Clinton hat genug. Die bisher so Unermüdliche feiert heute ihren 65. Geburtstag - und, wenn es nach ihr geht, den letzten in der Politik. Die US-Außenministerin, die sich bei der Wahl 2008 mit Barack Obama ein erbittertes Rennen um die Präsidentschaftskandidatur lieferte, will auch bei einer Wiederwahl Obamas nicht mehr Ministerin sein. "Ich freue mich darauf, ganz gewöhnliche Dinge zu tun", verriet Clinton kürzlich: "Ohne Gesellschaft spazieren zu gehen und wieder frei über meine Zeit zu entscheiden."

Hillary Clinton Superstar

Man kann es ihr gut nachfühlen - und doch schwer glauben. Hillary Clinton ist der Superstar der Regierung Obama. Eine weltgewandte Außenministerin und souveräne Rednerin, skandalfrei. Ganze 16 Mal wurde sie in den 19 Jahren ihrer Karriere in Washington zur meistbewunderten Frau der Welt gekürt. "Time" führt sie auf der Liste der 100 einflussreichsten Menschen dieses Planeten. Sie ist beliebter als der Präsident. Würde Hillary Clinton heuer zur Wahl stehen, wäre sie die Siegerin. Und vermutlich auch noch in vier Jahren. Sie selbst sagt, sie will nicht mehr antreten. "Ich habe keine Ahnung, was sie vorhat", sagt ihr Mann.

Bill Clinton lernte Hillary Clinton während des Jus-Studiums in Yale kennen. Zuerst sah alles nach dem großen Glück aus. 1980 kam ihre Tochter Chelsea zur Welt, die kürzlich selbst in den Hafen der Ehe segelte. Bill Clinton wird zunächst Gouverneur von Arkansas, 1993 Präsident. Hillary Clinton zieht ins Weiße Haus nicht nur zum Wohnen und Keksebacken ein, sondern mit 20-köpfigem Beraterstab. Sie setzt sich weltweit für Frauen- und Kinderrechte ein und erarbeitet eine Gesundheitsreform, die zwar im Kongress scheitert, später aber in Obamas Gesundheitsreform einfließt.

"Schmerzlichste Erfahrung"

Doch dann kam Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinsky ans Licht. "Es war die verheerendste, schockierendste und schmerzlichste Erfahrung meines Lebens", schrieb Hillary Clinton später in ihrer Biografie.

Während das ganze Land sich über die libidinösen Verirrungen ihres Mannes das Maul zerriss, steckt Hillary Clinton ihre Kraft fortan in die eigene Karriere. Im Jahr 2000 wird sie als erste Frau eines amtierenden Präsidenten in den Senat gewählt, 2008 folgt der Einstieg ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Sie kämpft wie eine Löwin, um als erste Frau Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden - doch scheitert. Als Obama ihr das Außenministerium anbietet, antwortet sie zunächst: "Nicht in tausend Jahren!" Freunde überzeugen sie. Mit bemerkenswerter Loyalität gegenüber dem Präsidenten entwickelt sich zwischen den beiden einstigen Rivalen zwar keine Freundschaft, aber eine funktionierende und enge Arbeitsbeziehung.

Keine Durchbrüche

Manche meinen, die bedeutenden Durchbrüche, wie große Abrüstungs- oder Friedensverträge, seien ihr als Außenministerin verwehrt geblieben. Doch mit der Öffnung des so lange abgeschotteten Burma etwa oder mit der breiten Sanktionskoalition gegen das iranische Atomprogramm hat sie bedeutende Einzelerfolge vorzuweisen. 2016, wenn die nächsten Präsidentschaftswahlen anstehen, wird Hillary Clinton 69 Jahre alt sein. Seit Ronald Reagan weiß man, dass das ein gutes Alter ist für den Einzug ins Oval Office. Könnte sein, dass eine Frau wie Hillary Clinton bis dahin genug hat vom Spazieren.

NINA KOREN

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