Präsident Macho
Gerade erst hatten weibliche Wähler begonnen, Mitt Romney zu mögen. Im zweiten TV-Duell mit Barack Obama sprach er jedoch von seinen "Aktenordnern voller Frauen". Im Internet wurde das umgehend zum Running-Gag.

Foto © TumblrRomneys Verbal-Panne: Gut gemeint, lächerlich gemacht
Auf die Chance hatte er eigentlich gewartet. In der zweiten Debatte mit Barack Obama, einem sogenannten "Town Hall Meeting", wurden den beiden erbitterten Konkurrenten Fragen aus dem Publikum gestellt. Nach dem ersten Aufeinandertreffen, das Romney gegen einen verschlafen wirkenden Obama locker gewann, holte er in besonders bei einer Wählergruppe auf, die ihm bislang die kalte Schulter zeigte: den Frauen. Als Katherine Fenton an diesem Abend aufstand, um ihre Frage ins Mikrofon zu lesen, was die beiden Kandidaten für die Gleichstellung von Frauen in der US-Arbeitswelt tun wollen, witterte er also seine Chance – und scheiterte grandios.
"Ein wichtiges Thema", leite Romney seine Antwort ein. Schon als Gouverneur von Massachusetts sei es ihm ein Anliegen gewesen, Frauen in sein Kabinett zu holen – doch beworben hätten sich stets nur Männer. Romney wollte Entschlossenheit demonstrieren. "Also gingen wir zu jeder Menge Frauenrechtsgruppen um Hilfe bei Suche nach geeigneten Frauen zu finden". Sprach es, blickte in versteinerte weibliche Gesicher und legte noch einmal nach: "Sie brachten uns ganze Aktenordner voller Frauen".
Das Netz reagierte mit Spott
Genau dieser Satz ist es, der im Internet binnen Minuten zum meistdiskutierten Thema auf Twitter wurde. Prominente wie Schauspieler Zach Braff machten sich über den Satz lustig, eine Facebook-Gruppe zu dem Thema hat bereits knapp 200.000 Mitglieder. Schon unmittelbar während der Debatte schossen Blogs und Tumblr-Seiten aus dem Boden, die Internet-Memes (humorvolle Bildmontagen) zu Romneys Verbal-Panne (siehe Links) sammelten.
Barack Obama, der bei dem Thema ob Romneys Steilvorlage zu punkten wusste, spielt die Aussage in die Karten. Seit Wochen maximieren die Demokraten ihre Anstrengungen, Romney im Wahlkampf als Heuschrecke des Kapitals darzustellen – für den Mensch bliebe da nur ein Dasein als notwendiges Büromaterial.












