Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 02. August 2014 10:43 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Tochter zu Vater Obama: "Du hast es nicht vermasselt" Was die US-Bürger in der Wahlnacht noch entschieden Voriger Artikel Aktuelle Artikel: USA 2012 Nächster Artikel Tochter zu Vater Obama: "Du hast es nicht vermasselt" Was die US-Bürger in der Wahlnacht noch entschieden
    Zuletzt aktualisiert: 25.09.2012 um 15:59 UhrKommentare

    Robin Hood für Reiche

    "Wie Robin Hood, nur umgekehrt." So kommentiert US-Präsident Barack Obama die Steuerpläne seines Rivalen Mitt Romney. Obama und Romney ringen um die "Middle Class" - mit höchst unterschiedlichen Ideen. Sicher ist: Wer überzeugt, gewinnt die Wahl.

    Foto © Reuters

    Die englische Heldenfigur Robin Hood nahm bekanntlich von den Reichen und gab den Armen. Romney aber stelle mit seinen geplanten Steuersenkungen für Amerikas Geldadel das Prinzip auf den Kopf: "Romney Hood", bemerkte Obama spöttisch bei einer Wahlveranstaltung im August.

    Romney, Multimillionär und Präsidentenkandidat der US-Republikaner, verspricht ein vereinfachtes Steuersystem. Er will die vom Bund erhobene Einkommenssteuer um 20 Prozent senken. Fehlende Einnahmen sollen durch Streichungen von Streuererleichterungen finanziert werden. Der "Romney Hood"-Plan, so Obama, würde die Steuerzahler der Mittelschicht jährlich um Steuervergünstigungen im Wert von rund 2.000 Dollar bringen. Die Taschen der Spitzenverdiener würden dagegen mit bis zu 250.000 Dollar zusätzlich gefüllt werden, heißt es.

    Diese Kritik weisen die Republikaner zurück. Obama strebe einen Wohlfahrtsstaat nach europäischem Muster an und verrate amerikanische Werte, etwa die Selbstverantwortung der Bürger, feuern sie zurück.

    Kampf um die "Middle Class"

    Dabei deklarieren beide Kandidaten das gleiche Ziel: Sie wollen die Staatsschulden von 16 Billionen Dollar (12.372 Mrd. Euro) senken und Amerikas schwindende "Middle Class" stärken. Ohne die Stimmen der "Otto-Normalbürger" kann eben keiner die Wahl gewinnen.

    Ihre Wege aber unterscheiden sich: Während Romney eine Erhöhung der Einkommenssteuer ablehnt und stattdessen Sozialleistungen streichen will, ruft Obama zu Haushaltskürzungen auf und einer stärkeren Besteuerung von Amerikas Spitzenverdienern auf. Im Falle seiner Wiederwahl im November will er Einkommensmillionäre mit einem Mindestsatz von 30 Prozent zur Kasse bitten.

    Tatsächlich, die amerikanische Mittelschicht hat in den vergangenen Jahren gelitten. Nach Angaben des US-Instituts Pew Research sank das mittlere Haushaltseinkommen inflationsbereinigt von gut 63.300 Dollar im Jahr 2000 auf rund 59.100 Dollar im Jahr 2010. Amerikas oberen Einkommensgruppen ist in den vergangenen Jahrzehnten dagegen eine Steuererleichterung nach der anderen geschenkt worden - etwa auf Einnahmen aus Investitionen oder bei Erbschaften.

    Während die Topverdiener in den 1950er Jahren noch Spitzensteuersätze von 90 Prozent zahlen mussten, fiel der Satz mittlerweile auf 35 Prozent und weniger. Romney - selbst ein Mann mit einem mehr als 200-Millionen-Dollar-Vermögen - hat in den vergangenen Jahren nur rund 14 Prozent Steuern bezahlt. Das ist weniger, als ein durchschnittlicher Amerikaner an den Fiskus abführt. Die Reichen führen nicht zuletzt prozentual weniger an den Fiskus ab, weil in den USA Einkommen aus Kapital deutlich geringer besteuert werden als Arbeitseinkommen.

    "Die Menschen sind (...) verärgert, dass Romney so wenig zahlt", sagt Bob McIntyre von der Interessengruppe "Citizens for Tax Justice" (Bürger für Steuergerechtigkeit). Das mache sie aber nicht automatisch zu Obama-Wählern. "Sie sind nicht sicher, dass es einen Unterschied macht, für wenn sie stimmen." Die Wähler hätten sich an ein System gewöhnt, in dem Lobbygruppen ihre jeweiligen Interessen durchsetzen, sagen Analysten immer wieder.

    reichen sollen abgeben - oder eben nicht

    Niedrige Steuersätze für Spitzenverdiener sollen das Wachstum ankurbeln und damit dem Land insgesamt dienen, sagen Romney-Unterstützer. Andererseits befürworten in einigen Umfragen Mehrheiten von gut 60 Prozent Obamas Vorschlag, die Reichen stärker zu besteuern. Fragt man die Wohlhabenden selbst, stehen demnach gar mehr als 70 Prozent hinter dem Obama-Plan.

    Einer von ihnen ist Eric Schoenberg. Er habe von seinem Vater Vermögen geerbt und zudem eine erfolgreiche Karriere an der Wall Street hinter sich, erzählt er. Die Reichen sollten mehr abgeben, schon um soziale Unruhen zu vermeiden, sagt Schoenberg.

    Wer mehr Wähler am 6. November überzeugt, ist ungewiss. Der spätere republikanische US-Präsident George W. Bush hatte bei seinem Wahlkampf im Jahr 2000, trotz einer Staatsverschuldung von damals 5,6 Billionen Dollar, Steuersenkungen versprochen - und gewonnen.

    Pat Reber/dpa

    Mehr USA 2012

    Mehr aus dem Web

      Interaktive Grafik

      Alle gesammelten Ergebnisse: So wählten die 50 Staaten.

       

      KLEINE.tv

      Obama für zweite Amtszeit vereidigt

      Barack Obama hat den Eid für seine zweite Amtszeit als US-Präsident abge...Noch nicht bewertet

       


      Fotos zur US-Wahl 2012

      Barack und Michelle Obama: Tanz bis in die Nacht 

      Barack und Michelle Obama: Tanz bis in die Nacht

       

      Reise in ein verunsichertes Land

      Marco Longari

      Am Dienstag wählen die USA einen neuen Präsidenten. Oder doch den alten? Thomas Götz hat die Vereinigten Staaten am Beispiel einer Stadt unter die Lupe genommen.

       


      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang
      Bitte Javascript aktivieren!