Südstaaten: Wer macht das Rennen?
Die Anhänger der US-Republikaner können sich partout nicht auf einen Herausforderer von Präsident Barack Obama einigen. Auch nach den Vorwahlen in Alabama und Mississippi vom Dienstagabend ist unklar, wer gegen den Amtsinhaber im November antreten wird.
Zwar gewann der ultrakonservative Bewerber Rick Santorum nach Hochrechnungen der TV-Sender CNN und Fox News in beiden Bundesstaaten knapp. Allerdings konnte sich der als moderat eingestufte Kandidat Mitt Romney trotz zweier dritter Plätze zahlreiche Delegiertenstimmen sichern und damit seinen Vorsprung vor Santorum halten oder sogar ausbauen. Diese Stimmen sind für die Nominierung als offizieller Präsidentschaftsbewerber der Republikaner entscheidend.
"Das Rennen geht weiter und weiter und weiter", sagte Ari Fleischer, ehemals Sprecher von Ex-Präsident George W. Bush in einer ersten Reaktion. Tatsächlich schaffte es der Favorit des republikanischen Partei-Establishments, Romney, erneut nicht, die Wähler für sich zu begeistern. Allerdings war das in den Südstaaten Alabama und Mississipi, in denen besonders viele Evangelikale und Anhänger der Tea Party leben, denen Romney zu moderat scheint, auch nicht erwartet worden.
Der streng gläubige Katholik Santorum, der sich als Anwalt der kleinen Leute verkauft, gab sich nach den Erfolgen sicher, die Nominierung als Präsidentschaftsbewerber seiner Partei zu gewinnen. Es habe sich gezeigt, dass "gewöhnliche Leute Ungewöhnliches vollbringen können", sagte Santorum vor Anhängern in Lafayette im Bundesstaat Louisiana. Dort wird am Samstag in einer Woche gewählt. Nach seinen Erfolgen vom Dienstagabend kann sich Santorum auch in Louisiana Chancen auf den Sieg ausrechnen.
Während Santorum seinen Sieg unter dem Jubel seiner Anhänger auskostete, zeigte sich Romney am Abend nicht in der Öffentlichkeit. Über seinen Wahlkampf-Berater Eric Fehrnstrom ließ der ehemalige Gouverneur von Massachusetts allerdings ausrichten, dass nichts außer den Delegiertenstimmen zähle. Weil in Alabama und Mississippi ein proportionales Wahlrecht gilt, dürfte Romney etwa ein Drittel der jeweiligen Delegiertenzahl für sich reklamieren können. Romneys Vertrauter Fehnstrom sagte, er könne nicht sehen, wie Santorum auf die für die Nominierung notwendige Zahl von 1144 Delegiertenstimmen kommen wolle.
Der Verlierer der Vorwahlen in den beiden Südstaaten der USA ist der frühere Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Newt Gingrich. Er kam zwar sowohl in Alabama als auch in Mississippi nach den Hochrechnungen auf den zweiten Platz. Doch galt dieses Ergebnis als enttäuschend, weil Gingrich aus dem Süden stammt und zuvor die Vorwahlen in seinem Heimatstaat Georgia sowie im benachbarten South Carolina gewonnen hatte.
Gingrich versuchte, die Ergebnisse von Alabama und Mississippi als Misstrauensvotum gegen Romney auszulegen. "Wir können es getrost vergessen, dass wir einen Moderaten aus Massachussets nominieren werden", sagte Gingrich in Birmingham/Alabama. Jedoch dürfte der innerparteiliche Druck auf Gingrich zunehmen, seine Kandidatur aufzugeben. Damit, so das Kalkül der Republikaner, könnte der für viele Konservative zur Qual gewordene Kampf dreier Bewerber zu einem echten Zweikampf zwischen Romney und Santorum werden. Während seines Auftritts in Birmingham ließ Gingrich jedoch vorerst nicht erkennen, dass er zum Verzicht bereit ist.
Der vierte Kandidat der Republikaner, Ron Paul, schaffte in Alabama und Mississipi nur einstellige Ergebnisse. Paul ist der einzige Bewerber, der nach fast der Hälfte des Vorwahlprozesses noch keinen Bundesstaat für sich entschieden hat.Gewählt wurde am Dienstagabend auch in Hawaii und in Amerikanisch-Samoa. Ergebnisse wurden wegen der Zeitverschiebung erst für den Vormittag mitteleuropäischer Zeit erwartet.











