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Zuletzt aktualisiert: 26.10.2012 um 19:31 UhrKommentare

Beten für die Waffenruhe

Gläubige in ganz Syrien begehen das islamische Opferfest. Doch zum Feiern ist nur den wenigsten zumute. Alle hoffen, dass eine viertägige Waffenruhe halten wird. Doch sie wirds bereits gebrochen.

Syrische Rebellen: "Keine Feierstimmung"

Foto © ReutersSyrische Rebellen: "Keine Feierstimmung"

"Wir feiern dieses Jahr nicht. Wir beten alle nur, dass wir am Leben bleiben", sagt der 60-jährige Abu Mohammed. Er ist auf dem Weg zur altehrwürdigen Umayyaden-Moschee in Damaskus für die traditionellen Gebete anlässlich des Eid al-Adha, des islamischen Opferfestes.

Die syrische Regierung und die oppositionelle Freie Syrische Armee hatten sich auf eine Waffenruhe für die Dauer des viertägigen Opferfestes geeinigt. Am Freitag ab 7 Uhr (Ortszeit) sollten die Waffen schweigen. "Bis jetzt scheint es ein ruhiger Morgen zu sein", sagt Abu Mohammed. "Wir haben keinen Beschuss und auch kein Maschinengewehrfeuer nahe der Hauptstadt gehört. Hoffen wir, dass es so bleibt", fügt der fünffache Vater hinzu, bevor er in Richtung Basar und Moschee verschwindet.

Doch viele Syrer bezweifeln, dass die Waffenruhe wirklich bis Montag halten wird. Sie haben Grund zur Skepsis: Frühere Abkommen waren gescheitert, vor allem ein im April von dem damaligen internationalen Syrien-Vermittler Kofi Annan ausverhandelter Waffenstillstand. Die Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten: Schon am Freitagvormittag gab es erste Berichte über Gefechte.

"Keine Feierstimmung"

Am Ende des Hajj, der Wallfahrt nach Mekka, feiern die Pilger sowie alle Gläubigen der islamischen Welt Eid-al-Adha. Das Fest gilt als wichtigster islamischer Festtag und erinnert an die Bereitschaft Ibrahims (Abrahams), seinen Sohn zu opfern, um Gott seinen Glauben zu beweisen. Traditionell werden Schafe gekauft und rituell geschlachtet. Das Fleisch wird an Familie, Freunde und Bedürftige verteilt. Kinder dürfen sich über Süßigkeiten freuen und Familien besuchen die Gräber ihrer Verstorbenen.

"In Syrien werden die meisten dieses Jahr keine Schafe schlachten oder Süßigkeiten kaufen", sagt der Oppositionsaktivist Hajtahm al-Abdallah am Telefon aus Damaskus. "Stattdessen werden sie auf den Friedhöfen ihre Toten betrauern, die ihr Leben während der nun schon 20 Monate dauernden Krise verloren haben."

In Damaskus hoffen die Verkäufer der süßen Leckereien trotzdem, Abnehmer für ihre Waren zu finden. "Die Geschäfte gehen sehr schlecht", sagt ein Verkäufer. "Die Menschen sind unglücklich und nicht in Feierstimmung." Alle Hoffnungen ruhten auf der Waffenruhe. "Alle hoffen, dass diese dunkle Wolke über unseren Köpfen verschwindet", meint er.

Die Waffenruhe sei ein Test, ob Syrien überleben könne oder "mit seinen Bewohnern in Flammen aufgeht", sagt Asma Labawani. Die Syrerin ist aus Damaskus in den Libanon geflüchtet. "Für die Syrer ist es auf jeden Fall ein trauriges Fest - Familien sind auseinandergerissen und Menschen sind auf der Flucht."

Weedah Hamzah/dpa

Waffenruhe gebrochen

Die syrische Armee hat den Bruch der Waffenruhe mit den Rebellen bestätigt. Man sei in verschiedenen Teilen des Landes gegen bewaffnete Gruppen vorgegangen, die die Feuerpause zum Opferfest der Muslime verletzt hätten, teilte das Militärkommando am Freitag mit.

In der Mitteilung hieß es, die Armee sei bereit, während dem viertägigen Feiertag die Gewalt einzustellen, behalte es sich aber vor, auf Attacken zu reagieren.

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