Syrien versinkt immer mehr im Elend
Die UNO befürchtet, dass bis Jahresende über 700.000 Menschen in den Nachbarländern Jordanien, Türkei, Libanon und Irak Schutz suchen werden. Derzeit gibt es 304.000 Flüchtlinge. Außerdem sind 1,2 Millionen Syrer im eigenen Land auf der Flucht.

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Die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien wird sich nach Befürchtungen der Vereinten Nationen in wenigen Monaten weit mehr als verdoppeln. Bis Jahresende könnten 710.000 Menschen in den Nachbarländern Jordanien, Türkei, Libanon und Irak Schutz suchen, teilte das Büro von Nothilfekoordinatorin Valerie Amos am Montag in New York mit. Derzeit seien es 304.000. Dabei drohe den Helfern das Geld auszugehen, weil die Spenden ausbleiben. Statt erhoffter 348 Millionen Dollar seien nur 130 Millionen gespendet worden. Zum sinnlosen Töten kommt auch die Zerstörung des Kulturerbes. Teile des zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Basar der nördlichen Metropole Aleppo wurden durch einen Großbrand vernichtet.
Von den 22 Millionen Einwohnern Syriens sind nach UNO-Angaben 1,2 Millionen Flüchtlinge im eigenen Land, insgesamt 2,5 Millionen sind auf Hilfe von außen angewiesen. Die nun erwarteten 710.000 Flüchtlinge sind fast viermal so viel, wie noch im Juni vorhergesagt. Allein in Jordanien dürfte dann eine Viertelmillion Menschen Schutz suchen, in der Türkei 280.000. Derzeit beherbergt Jordanien die meisten Flüchtlinge.
Erstmals Ausschreitungen in Kardaha
Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete am Montag, in Kardaha, dem Heimatort der alawitischen Assad-Dynastie, sei es erstmals zu Ausschreitungen gekommen. Dabei sei Mohammed al-Assad lebensgefährlich verletzt worden. Er ist ein Cousin von Präsident Bashar al-Assads Vater und Amtsvorgänger, Hafez al-Assad, und gehört zu den Gründern der gefürchteten regimetreuen Shabiha-Miliz. Nach Informationen der oppositionellen Website "All4Syria" soll Mohammed al-Assad sogar tot sein. In die Auseinandersetzung in Kardaha sollen auch drei weitere einflussreiche alawitische Familienclans verwickelt sein. Diese haben sich nun angeblich gegen die Assad-Familie gestellt.
Im Osten von Damaskus gingen Regierungstruppen seit den Morgenstunden nach Angaben von Bewohnern verstärkt gegen Rebellen vor. Die Hauptstadt sei von mehreren lauten Detonationen erschüttert worden, berichteten Einwohner. Regierungstruppen sollen auch ländliche Gebiete rund um die Vorstädte Samalka und Ain Terma am östlichen Rand von Damaskus angegriffen haben.
Außenminister Walid al-Muallem hat den USA vorgeworfen, die Debatte über das Chemiewaffenarsenal seines Landes als Vorwand für ein mögliches Eingreifen zu nutzen. Die Frage nach den Waffen sei "eine Erfindung der amerikanischen Regierung", sagte Muallem am Rande der UNO-Vollversammlung in New York in einem Interview mit einem libanesischen Fernsehsender. "Das ist ein Hirngespinst, das sie sich ausgedacht haben, um eine Kampagne gegen Syrien zu fahren, wie sie es im Irak gemacht haben", fügte er hinzu.
Aleppo zerstört
Das Ausmaß der Zerstörung im mittelalterlichen Basar von Aleppo wird jetzt erst sichtbar. Das Feuer im Weltkulturerbe soll bei Kämpfen ausgebrochen sein. Bei dem Großbrand sollen mehr als 500 Geschäfte zerstört worden sein. Das berichtete die regimetreue syrische Tageszeitung "Al-Watan" am Montag. Das Blatt gab den bewaffneten Regimegegnern die Schuld an dem Brand. Das Feuer hatte in der Nacht auf Samstag große Teile des überdachten mittelalterlichen Basarviertels (Souk al-Madina) erfasst. Der Basar von Aleppo ist das größte historische überdachte Marktviertel der Welt. Die Gassen des Basars sind insgesamt mehr als 13 Kilometer lang. "Al-Watan" schrieb, Bewaffnete hätten "diesen einzigartigen historischen Ort besetzt, um von dort aus die Soldaten der Arabischen Syrischen Armee anzugreifen". Nun seien Dutzende historischer Fassaden und antiker Holztüren verbrannt.









