Papst fordert Erziehung zum Frieden
Einen Tag nach den antiwestlichen Gewaltexzessen in vielen islamischen Ländern hat sich Papst Benedikt XVI. für den Aufbau einer Friedenskultur im Nahen Osten eingesetzt.

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Bei seinem Besuch im Libanon forderte das katholische Kirchenoberhaupt am Samstag ein "neues Modell der Brüderlichkeit" und die Ächtung jedweder Gewalt. Am Abend sagte er vor etwa 30.000 Jugendlichen, Christen und Muslime müssten gemeinsam eine freie und menschliche Zukunft aufbauen.
Die jungen Christen und Muslime erwarteten den Papst am Sitz des maronitischen Patriarchats in Bkerke nördlich von Beirut. Benedikt XVI. sprach ihnen in der schwierigen Lage ihrer Region Mut zu und wandte sich auch an die anwesenden Jugendlichen aus Syrien. "Ich habe vernommen, dass viele von euch aus Syrien kommen, und möchte euch sagen, wie sehr ich euren Mut bewundere, sagte der Papst.
Unter dem säkularen syrischen Baath-Regime (Gründer der panarabischen sozialistischen Baath-Partei des heutigen Staatschefs Bashar al-Assad war der Christ Michel Aflak) waren die Christen (acht Prozent der Bevölkerung) unbehelligt und konnten auch hohe Partei- und Staatsämter bekleiden. Vier Patriarchate haben ihren Sitz in Damaskus. Viele syrische Christen stehen heute notgedrungen auf der Seite des Regimes und werden von islamistischen Aufständischen terrorisiert.
"Es ist Zeit, dass Muslime und Christen sich vereinen, um der Gewalt und den Kriegen ein Ende zu setzen", sagte Benedikt. "Der Papst vergisst euch nicht, vergisst Syrien nicht, er nimmt an euren Leiden Anteil". Muslime und Christen, Islam und Christentum könnten ohne Hass und in gegenseitiger Achtung zusammenleben.
Zuvor hatte der Papst im Präsidentenpalast von Baabda erklärt, wer Frieden wolle, müsse auch das Leben verteidigen. Diese Logik stehe nicht nur gegen Krieg und Terrorismus, sondern gegen jeden Anschlag auf menschliches Leben. Gewalt, ob körperlich oder verbal, sei immer ein Angriff auf die menschliche Würde und müsse verbannt werden. Vor dem Hintergrund der gewaltsamen Protestwelle gegen ein in den USA produziertes islamfeindliches Video verlangte er eine Erziehung zum Frieden und stellte den multikonfessionellen Libanon als ein Vorbild hin. Christen und Muslime lebten seit Jahrhunderten in dem Land, nicht selten gebe es Familien mit Angehörigen beider Religionen. Warum sollte das nicht in der ganzen Gesellschaft möglich sein, fragte der Papst.
"Eine plurale Gesellschaft gibt es nicht ohne gegenseitigen Respekt, nicht ohne den Wunsch, den anderen zu kennen, und den ständigen Dialog." Es gehe darum, "Nein zur Rache zu sagen, eigene Fehler einzugestehen (...) und dann zu vergeben", sagte der Papst in Anwesenheit des libanesischen Staatspräsidenten Michel Sleimane.









