Aufruhr in der arabischen Welt
Ein Film über den Propheten Mohammed führt zum tödlichen Angriff auf den US-Botschafter in Libyen. Die Gewalt in Kairo und Bengasi wird nun auch zu einem Thema im US-Wahlkampf.

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Wie sich die Bilder gleichen: 2005 zeichnet Karikaturist Kurt Westergaard für die dänische "Jyllands-Posten" den Propheten Mohammed mit einer Bombe als Turban und löst Proteste in der arabischen Welt aus. 2011 lässt Pastor Terry Jones in den USA den Koran verbrennen und in Afghanistan tobt die Gewalt. 2012 macht Regisseur Sam Bacile einen Film über den Propheten Mohammed und in Kairo sowie Bengasi brennen US-Vertretungen - vier Menschen sterben, darunter Botschafter Christopher Stevens.
Vordergründig geht es um einen mutmaßlich islamfeindlichen Film, den aber noch kaum einer gesehen hat, weil Sam Bacile noch keinen Verleiher gefunden hat, und von dem lediglich ein 14 Minuten langer Trailer im Internetportal Youtube zu sehen ist. Im Hintergrund sehen Experten allerdings einen sich entwickelnden Kampf zwischen den alten und neuen Kräften in Libyen und Ägypten. Man könne immer häufiger beobachten, wie Kräfte des ehemaligen Regimes solche Proteste und Unruhen instrumentalisierten, um ihre eigenen Ziele durchzusetzen.
Offenbar hatten islamistische Kämpfer aus Protest gegen den Film das Gelände des Konsulats in Bengasi angegriffen und sich Gefechte mit libyschen Sicherheitskräften geliefert. Beim Angriff der Salafisten kamen Botschafter Stevens und drei seiner Mitarbeiter ums Leben. Der Diplomat hatte das in Brand gesetzte Konsulat besucht, das er erst am 26. August neu eröffnet hatte. Auf der Rückfahrt zum Flughafen wurde seine Limousine mit einer Panzerfaust in Brand geschossen.
Auslöser ist ein rund zwei Stunden langer Film, für den Bacile 3,9 Millionen Euro von 100 jüdischen Spendern eingesammelt habe, berichtet das "Wall Street Journal". Der 52-Jährige wolle damit zeigen, dass der Islam eine hasserfüllte Religion sei, zitiert ihn das Blatt. "Islam ist wie Krebs", sagte Bacile demnach. Im Trailer werde Mohammed als Idiot, Frauenheld, Homosexueller, Kinderschänder sowie gieriger und blutdürstiger Gangster dargestellt, berichtet die "New York Times".
Ziemlich naiv erklärt der Filmemacher nun, er habe mit einer solchen Reaktion nicht gerechnet und es tue ihm leid. Dabei ist seit der Fatwa gegen Rushdies "Satanische Verse" und dem Streit um die Karikaturen bekannt, dass Muslime auf Satire, die unter Blasphemieverdacht steht, sehr empfindlich reagieren. Auch das "Leben des Brian" der britischen Komikertruppe Monty Python, der das Leben Christi persifliert und mit dem Baciles Film auffallende Ähnlichkeit hat, entfachte 1979 einen Sturm der Entrüstung und wurde in zahlreichen westlichen Ländern mit Aufführungsverboten belegt.
Terrorismusexperten befürchten nun weitere Ausschreitungen. Höchste Gefahr drohe in Ländern mit militanten Gruppierungen, teilte das auf die Beobachtung terroristischer Aktivitäten spezialisierte IntelCenter in Alexandria bei Washington mit.
US-Präsident Barack Obama verurteilte den "verabscheuungswürdigen Angriff" scharf und der libysche Interimspräsident Mohammed al-Magariaf hat sich bei den USA entschuldigt. Tatsächlich hat der Angriff den Wahlkampf in den USA erreicht. Der republikanische Bewerber Mitt Romney kritisierte Obama für dessen erste Reaktion. Darin habe der Präsident nicht etwa die Angriffe verurteilt, sondern Verständnis für die Täter gezeigt, sagte Romney. Laut CNN erhöht die Regierung allerdings die Sicherheitsmaßnahmen und sendet Marineinfanteristen nach Bengasi.









