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Zuletzt aktualisiert: 04.09.2012 um 14:55 UhrKommentare

Humanitäre Lage in Syrien verschlechtert sich

Der Rotkreuz-Chef hat sich mit Syriens Präsident Assad getroffen. Allein im August sind 100.000 Syrer in die Nachbarländer geflohen. Kampfflugzeuge bombardierten am Dienstag nach Angaben von Aktivisten erneut Ziele in Aleppo und in der Umgebung.

Foto © AP

Angesichts anhaltender Kämpfe in Syrien verschlechtert sich die humanitäre Lage in dem Land. Nach Schätzung der Flüchtlingskommissariats UNHCR sind allein im August 100.000 Syrer in die Nachbarstaaten geflohen. Aufständische berichten aus der umkämpften Stadt Aleppo von einer Lebensmittelknappheit. Der Chef des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) besuchte am Dienstag Damaskus, um bei Präsident Bashar al-Assad einen besseren Zugang für Hilfskräfte zu erwirken. In Berlin trafen sich die "Freunde Syriens" zur Beratung.

Laut UNHCR flüchten jeden Tag rund 1.000 Syrer nach Jordanien und etwa 500 syrische Kurden in den Irak. Hunderte flüchten auch in die Türkei, wo bisher mehr als 80.000 Syrer Unterschlupf fanden. Es handle sich um die höchste Zahl an Flüchtlingen seit Beginn des Aufstands vor 17 Monaten.

Syrische Kampfflugzeuge bombardierten am Dienstag nach Angaben von Aktivisten erneut Ziele in Aleppo und in der Umgebung. Dabei soll es Tote gegeben haben. In umkämpften Vierteln herrsche eine ernste Lebensmittelknappheit, hieß es. Grundnahrungsmittel wie Eier, Reis und Milch seien in der Stadt praktisch nicht mehr aufzutreiben. Besonders die Einwohner der von Rebellen gehaltenen Bezirke seien gezwungen, die Produkte von Stadtteil zu Stadtteil zu schmuggeln. "Die Märkte sind fast leer", sagte ein Kämpfer der Nachrichtenagentur AFP.

IKRK-Chef Maurer berichtet indes von "positiven Gesprächen" über die Ausweitung des humanitären Einsatzes in Syrien. Bei dem Gespräch mit Assad am Dienstagvormittag in Damaskus sei der Schutz von Zivilsten und der Zugang zu Kranken- und Grundversorgung sowie Zugang zu Gefangenen besprochen worden, so ein Sprecher. Assad selbst begrüßte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana die humanitäre Arbeit des Roten Kreuzes in Syrien, so lange sich dieses "unparteiisch und unabhängig" verhalte.

Beratungen über Wirtschaftshilfe

Vertreter von mehr als 50 Staaten und internationalen Organisationen trafen zugleich in Berlin zusammen, um über Wirtschaftshilfe für Syrien nach einem Machtwechsel zu beraten. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle rief die Gegner Assads zur Bildung einer Übergangsregierung auf. Bisher war die Opposition gegen Assad gespalten.

Indes zeigt auch die syrische Armee Auflösungserscheinungen. So aktivierte die Militärführung nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters alle verfügbaren Reservekräfte. In den vergangenen 17 Monaten des Konfliktes sind viele Soldaten getötet worden oder desertiert. Ein Offizier, der von Reuters befragt wurde, sagte jedoch, nur die Hälfte der in den vergangenen Monaten einberufenen Reserven würden einrücken.

Auch wurde bekannt, dass die russischen Verbündeten Syriens im Sommer erwogen, ihre Truppen aus dem Land abzuziehen. Allerdings sei die Lage derzeit noch stabil genug, um die Truppen im Land zu lassen, heißt es laut der Nachrichtenagentur Interfax aus Militärkreisen. Die russische Marine unterhält eine Basis in der Hafenstadt Tartus, zudem berät eine kleine Zahl russischer Militärspezialisten das syrische Regime.


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