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Zuletzt aktualisiert: 28.07.2012 um 09:37 UhrKommentare

UN-Chef appelliert an Assad: Keine chemischen Waffen!

Der Angriff der syrischen Armee auf die teilweise von Rebellen kontrollierte Millionenstadt Aleppo hat begonnen. Ban Ki-moon fordert von Präsident Assad eine Einstellung der Angriffe und den Verzicht auf Massenvernichtungswaffen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon

Foto © APUNO-Generalsekretär Ban Ki-moon

Die syrische Armee hat nach Angaben von Aktivisten am Samstagmorgen eine Gegenoffensive begonnen, um die von Rebellen kontrollierten Viertel der Metropole Aleppo zurückzuerobern. Die seit Tagen am Rand der nordsyrischen Stadt zusammengezogenen Truppen bewegten sich zum Viertel Salaheddin, in dem sich die meisten Aufständischen verschanzt hätten, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit. In mehreren Vierteln herrschten die heftigsten Kämpfe seit Beginn des Aufstands.

Auch die oppositionelle Generalkommission der Syrischen Revolution berichtete von einer Verstärkung der Truppen am Rande des im Südosten der Stadt gelegenen Viertels inmitten heftigen Maschinengewehrfeuers. Die Offensive erfolgt mehr als eine Woche nach Ausbruch der Kämpfe in Aleppo. Zuvor war es der Armee nach blutigen Gefechten gelungen, die Kontrolle über die Hauptstadt Damaskus zurückzugewinnen. Angesichts der Verstärkung der Truppen in Aleppo äußerten mehrere westliche Staaten ihre Sorge um die Sicherheit der Zivilbevölkerung.

Chemische Waffen

Schon zuvor hatte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon die Regierung von Präsident Bashar al-Assad zur Einstellung der Angriffe auf die Stadt auf aufgerufen. "Ich bin über die zunehmende Gewalt in Aleppo sehr besorgt", sagte Ban am Freitag nach einem Treffen mit dem britischen Außenminister William Hague in London. Beide Konfliktparteien müssten die Gewalt beenden. Ban verlangte von der syrischen Regierung erneut die Zusicherung, dass unter keinen Umständen chemische Waffen oder andere Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden.

Der Kampf um das wirtschaftliche Zentrum des Landes gilt als möglicher Wendepunkt des seit 16 Monaten andauernden Konflikts. Weder die Truppen Assads noch seine Gegner haben militärisch die Oberhand gewinnen können.

Vorbereitungen für ein Blutbad

Die französische Regierung warf dem Assad-Regime vor, in Aleppo ein weiteres Massaker anrichten zu wollen. Der Sprecher des Pariser Außenministeriums, Bernard Valero, sagte der Nachrichtenagentur AFP, "indem er schweres militärisches Gerät um Aleppo zusammenzieht, bereitet Bashar al-Assad ein neues Blutbad am eigenen Volk vor." Er forderte die syrischen Regierung auf, den Einsatz schwerer Waffen einzustellen und die Gewalt zu beenden.

Türkei besorgt

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan forderte arabische Länder und den UNO-Sicherheitsrat als Reaktion auf die Kämpfe um Aleppo zur Zusammenarbeit auf. Erdogan zeigte sich zudem besorgt über die Drohung Syriens, chemische Waffen einzusetzen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Erdogan sagte der britische Premierminister David Cameron, beide Länder fürchteten "wirklich entsetzliche Handlungen" der Regierungstruppen in und um die Metropole.

"Mutter aller Schlachten"

Der örtliche Rebellenkommandant Abu Omar al-Halebi sagte der Nachrichtenagentur dpa am Telefon, dass zu den 2.500 Kämpfern in der Stadt noch einmal 3.000 aus anderen Landesteilen zur Verstärkung angerückt seien. "Wir sind bereit für die Mutter aller Schlachten", sagte al-Halebi.

Um die wichtigste Stadt im Norden kämpfen Militär und bewaffnete Oppositionelle seit vergangenem Wochenende. Das Regime verlegt seit Mittwoch Tausende Soldaten in die Region. Syrische Rebellen haben nach eigenen Angaben in Aleppo rund einhundert Soldaten und regierungstreue Milizionäre gefangen genommen. Nach Rebellenberichten ist die Stadt voller Flüchtlinge. Ein Apotheker aus Aleppo berichtete der dpa am Telefon allerdings, dass die Straßen in der Innenstadt wie ausgestorben wirkten: "Die Straßen sind leer, nicht ein Mensch ist zu sehen." Alle Geschäfte, Banken, Werkstätten, Bäckereien und selbst Apotheken sein geschlossen.

Abgeordnete geflohen

Die Abgeordnete Ikhlas Badawi, die Aleppo im syrischen Parlament vertritt, setzte sich unterdessen aus ihrem Heimatland ab. "Ich habe mich in die Türkei begeben, aus Protest gegen Unterdrückung und bestialische Folter gegen das Volk in Syrien", sagte die Politikerin am Freitag dem Nachrichtensender Sky News Arabia. Badawi, die für die herrschende Baath-Partei im Parlament saß, ist bisher die erste Abgeordnete, die dem Regime den Rücken kehrt.

Die Türkei, Saudi-Arabien und Katar versorgen die syrischen Rebellen nach Angaben von Insidern in den Golfstaaten heimlich mit Waffen. Demnach haben die drei Staaten in der südtürkischen Stadt Adana einen geheimen Stützpunkt für die Assad-Gegner aufgebaut.


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