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Zuletzt aktualisiert: 19.07.2012 um 20:50 UhrKommentare

Wo ist Assad?

Der Kampf um Syriens Hauptstadt eskaliert. Die Armee beschießt als Vergeltung für das Attentat Wohnviertel, der Diktator könnte bereits auf der Flucht sein und mit ihm seine Frau Asma und die drei Kinder. Die Spekulationen blühen, das Misstrauen in Kreisen des Regimes grassiert.

Anti-Assad-Banner einer Demonstrantin:Wo ist das Staatsoberhaupt?

Foto © APAAnti-Assad-Banner einer Demonstrantin:Wo ist das Staatsoberhaupt?

Präsident Bashar al-Assad ist verschwunden und mit ihm seine Frau Asma und die drei Kinder. Ein westlicher Diplomat will wissen, dass sich der syrische Diktator in Latakia aufhält, um von dort aus den Kampf gegen die Aufständischen zu dirigieren. Rebellen berichteten, die Präsidentenmaschine sei von Damaskus aus in die Hafenstadt am Mittelmeer geflogen, in deren Umkreis sich die meisten alawitischen Dörfer befinden, aus denen die Assad-Sippe stammt.

Die einen glauben, Assad habe die Fäden nicht mehr in der Hand und wolle sich im Stammland seines Regimes in Sicherheit bringen. Andere dagegen sehen den Machthaber nach wie vor im Zentrum des Geschehens. Assad persönlich ordne täglich die Militäraktionen an, sagte er. Das könnte bedeuten, dass der Präsident nach wie vor in Damaskus ist, vielleicht sogar bei der Krisensitzung seiner engsten Berater dabei war oder selbst verletzt wurde, als die Bombe seinen Schwager Assef Shawqat sowie Verteidigungsminister Daoud Rajha in den Tod riss.

Wilde Gerüchte

Die Spekulationen blühen, das Misstrauen in Kreisen des Regimes grassiert, während die im Syrischen Nationalrat zusammengeschlossene Opposition den Anfang vom Ende des Assad-Regimes ausruft. Denn ein solches Attentatist nur möglich, wenn es Mitverschwörer bis in die höchsten Ränge gibt. Über 20 Generäle haben sich inzwischen in die Türkei abgesetzt, mit ihnen nahezu 200 höhere Offiziere. Die einfachen Deserteure gehen in die tausende - das bei einer Gesamtstärke der Armee von 300.000 Mann.

In Damaskus gehen die Regimetruppen unterdessen in die Offensive, Kampfhubschrauber operieren über den Wohnvierteln. Soldaten und Shabiha-Milizen durchkämmten die Straßen und liefern sich Gefechte mit den Rebellen. Andere Viertel wurden von der Armee abgeriegelt, Scharfschützen auf den Dächern postiert. Man wolle die Stadt vor Beginn des Ramadan von allen "terroristischen Elementen" säubern, hieß es.

Resolution verhindert

Russland und China haben indes im UN-Sicherheitsrat erneut eine Resolution gegen Syrien verhindert, die der Führung in Damaskus mit Sanktionen droht.

Seit seiner Machtübernahme im Juli 2000 hat sich Syriens Präsident mit Leuten seines Vertrauens umgeben, die aus seiner Familie oder aus seiner Religionsgemeinschaft, den schiitischen Alawiten, stammen. Diese kleine Clique versorgt den Diktator mit Informationen, zeichnet ihm das Bild von der Lage im Land. Total abhängig von diesen gefilterten Informationen scheint der Despot den Kontakt zur Realität verloren zu haben. So verglich er unlängst in einem Interview den Bürgerkrieg in Syrien mit einer medizinischen Operation. "Wenn ein Chirurg jemanden operiert, sagen wir dann zu ihm, du hast Blut an den Händen? Oder danken wir ihm nicht, dass er den Patienten gerettet hat?"

MARTIN GEHLEN

Grenze unter Kontrolle

Die Gegner von Syriens Staatschef Bashar al-Assad haben nach irakischen Angaben die Kontrolle über die zwischen beiden Ländern verlaufende Grenze übernommen. "Die Gesamtheit der Grenzposten zwischen dem Irak und Syrien wird fortan von der Freien Syrischen Armee kontrolliert", sagte der irakische Vize-Innenminister Adnan al-Assadi der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad mit Blick auf die Kämpfer der syrischen Opposition.

Laut einem Sprecher der Regierungsgegner haben die Rebellen auch die Kontrolle über den Posten Bab al-Hawa an der Grenze zur Türkei nach einem Gefecht mit Regierungstruppen unter ihre Kontrolle gebracht.

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