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Zuletzt aktualisiert: 03.07.2012 um 21:42 UhrKommentare

Wo Diktator Assad sein Volk peinigen lässt

Die Verbrechen werden nun sichtbar: Menschenrechtsaktivisten veröffentlichen im Internet eine Karte der Folterkeller und nennen Namen.

Herr über die Folterlager: Syriens Präsident Bashar al-Assad

Foto © ReutersHerr über die Folterlager: Syriens Präsident Bashar al-Assad

Schläge, Elektroschocks - auch an den Genitalien -, Verätzungen mit Säure, Abziehen von Fingernägeln, Aufhängen an den Handgelenken, Scheinhinrichtungen. Das ist nur eine kleine Auswahl. Gut 20 verschiedene Foltermethoden des Regimes dokumentiert die Organisation Human Rights Watch in ihrem Bericht über die Lage der Menschenrechte in Syrien. Titel: "Das Folter-Archipel".

Es ist ein schockierendes Dokument: Neu daran ist nicht nur die Karte mit insgesamt 27 Folterzentren, gleichsam der Folter-Atlas des Despoten Bashar al-Assad. Neu ist auch die Liste mit den für die Gräueltaten Verantwortlichen: Name, Abteilungsnummer, Orte der Folter werden penibel aufgelistet - um den Tätern "klarzumachen, dass sie sich für diese schrecklichen Verbrechen verantworten müssen", sagt Ole Solvang, Mit-Autor des Berichts. Das Dokument zitiert auch Aussagen von Folteropfern: "Sie zwangen mich, mich auszuziehen. Dann begannen sie, meine Finger mit Zangen zu quetschen. Dann schossen sie mir Heftklammern in Finger, Oberkörper und Ohren", erzählte da ein 31-Jähriger. "Ich dachte, ich würde meine Familie nie wiedersehen."

Netz von Folterzentren

Seit März 2011 befragte Human Rights Watch über 200 Menschen - darunter ehemalige Gefangene, Überläufer, aber auch ehemalige Geheimdienstmitarbeiter - in Syrien und dessen Nachbarländern, in die bereits viele Syrer geflüchtet sind. Die meisten Befragten waren junge Männer zwischen 18 und 35 Jahren, aber auch Frauen, Kinder und ältere Menschen. Das Fazit der Befragungen: Die Folter in Syrien sei systematisch. "Die Geheimdienste betreiben ein Netz von Folterzentren, die über das ganze Land verteilt sind", sagt Ole Solvang.

Die schlimmsten Misshandlungen ereigneten sich laut dem Bericht in Haftanstalten, die von den vier wichtigsten Geheimdiensten im Land betrieben werden, zu finden in den größeren Städten des Landes wie Aleppo, Homs, Latakia, der Hauptstadt Damaskus oder in Deraa, wo der Aufstand gegen das Regime 2011 begonnen hatte. Dass die Befehlshaber der einzelnen Foltereinrichtungen zum Teil namentlich angeführt werden, könnte Folgen haben. Hintergrund: Laut Human Rights Watch "deuten die Muster von systematischer Misshandlung und Folter darauf hin, dass diese Teil der offiziellen Politik sind und daher ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt."

UNO will Anklage

In diesem Fall könnten die verantwortlichen Befehlsgeber - bis hin zu Präsident Bashar al-Assad - vor den Internationalen Strafgerichtshof gebracht werden, wenn sie von den Taten wussten oder wissen hätten müssen, sie aber nicht verhindert oder be-straft haben. Um den Fall Syrien an das Gericht zu überweisen, wäre eine Resolution des UN-Sicherheitsrats nötig, doch dort blockieren Russland und China seit Monaten weiter reichende Sanktionen. Dass sie einer Auslieferung von Verantwortlichen zustimmen, ist unwahrscheinlich. Russland ist Assads mächtigster Verbündeten.

Trotzdem spricht sich UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay dafür aus, die Verbrechen in Syrien vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen: An den Übergriffen auf Zivilisten seien Regierungstruppen und bewaffnete Opposition daran beteiligt gewesen, ,sagt sie.


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