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Zuletzt aktualisiert: 27.06.2012 um 10:06 UhrKommentare

"Sicherheit am seidenen Faden": Internationale Pressestimmen

Mit den erhöhten Spannungen zwischen den Nachbarn Syrien und der Türkei nach dem Abschuss eines türkischen Militärflugzeugs durch die syrische Armee beschäftigten sich am Mittwoch zahlreiche Pressekommentare.

"Le Figaro" (Paris):

"Die Türkei hat die Gelegenheit ergriffen, die Reaktion der NATO zu testen, die gezwungenermaßen ihre Solidarität mit der Türkei erklären muss. Der Auftritt der NATO auf der Bühne, auch wenn er nur indirekt sein sollte, bedeutet eine neue Etappe in der Internationalisierung des Syrien-Konflikts. Vor dem Hintergrund russischer Waffenlieferungen an Damaskus erinnert diese Affäre insgesamt in gefährlicher Weise an die Zeit des Kalten Krieges. Auch wenn die gegenwärtigen diplomatischen Bemühungen die Verkettung der Ereignisse zwischen Syrien und der Türkei anscheinend nicht beeinflussen können, so darf man noch darauf hoffen, dass bei der nächsten Sitzung der Kontaktgruppe für Syrien ein friedlicher Übergang in Damaskus in die Wege geleitet werden kann."

"The Independent" (London):

"Eine offizielle Militärintervention der NATO ist unvorstellbar ohne die Unterstützung der Arabischen Liga oder des UNO-Sicherheitsrats, wo Russland Vetorecht hat. Doch Zwischenfälle wie der Abschuss eines türkischen Kampfflugzeugs zeigen, dass die Sicherheit in der Region an einem seidenen Faden hängt. Der Alptraum eines Konflikts zwischen Syrien, der Türkei, Israel und dem Iran wird mit jedem Tag wahrscheinlicher. Russland ist der Schlüssel, der aus dieser Sackgasse herausführen kann. Der Westen sollte jetzt Moskau die notwendigen Zusicherungen geben, dass seine geopolitischen Interessen in Syrien geachtet werden, wenn es im Gegenzug die Einrichtung eines neuen Regimes und die Beseitigung des blutbefleckten Präsidenten Assad unterstützt."

"Berliner Zeitung":

einzudämmen. Noch spricht niemand vom Bündnisfall. Eine weitere Eskalation wird die 27 anderen Mitglieder aber zwangsläufig hineinziehen in den Konflikt mit dem 'blutdürstigen Diktator' Bashar al-Assad, wie Erdogan sagt. Höchste Zeit für kluge Diplomatie, dem Kriegsgetöse eine friedlichere Alternative entgegenzustellen, um Schlimmstes zu verhindern am Mittelmeer."

"Tagesspiegel" (Berlin):

"Ankara will den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad dazu bringen, seine Armee zu zügeln. Gleichzeitig könnte die Androhung türkischer Militärschläge auf syrische Truppen in Grenznähe jene Pufferzone für Regimegegner schaffen, die von der syrischen Opposition seit langem gefordert wird. Wenn alles gut geht. Leider ist das nicht sicher, denn das Assad-Regime ist unberechenbar. So offenbart Erdogans Taktik eine gewisse Hilflosigkeit. Nach 16 Monaten Blutvergießen in Syrien kann die Diplomatie so gut wie keine Fortschritte vorweisen. Dass in einer solchen Lage die Logik des Kriegs in den Vordergrund tritt, ist auch ein Armutszeugnis für alle Akteure im Syrien-Konflikt."

"El País" (Madrid):

"Die Antwort der Türkei beschränkt sich bisher auf den Bereich der Diplomatie. Die NATO hat sich mit Ankara solidarisch erklärt, aber darauf verzichtet, von der Möglichkeit einer militärischen Vergeltung zu sprechen. Die Türkei spielt im Syrien-Konflikt eine wichtige Rolle. Sie nahm zahllose syrische Regimegegner und Deserteure auf. Die militärische Stärke der Türkei und die Funktion als Führungsmacht in der Region machen es der Erdogan-Regierung schwer, die Forderungen nach einem gewaltsamen Vorgehen gegen Damaskus zu überhören. Es ist lobenswert, dass Erdogan in dieser Situation sich für eine behutsame und mit der NATO abgestimmte Haltung entschieden hat."


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