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    Zuletzt aktualisiert: 23.05.2012 um 22:24 UhrKommentare

    Ägypten: Demokratie mit kleinen Schönheitsfehlern

    Zum Auftakt blieb es am Mittwoch rund um die Wahllokale friedlich. Viele Wähler erklärten jedoch, sie hätten Angst vor einer neuen Welle der Gewalt, weil einige der Kandidaten eine Niederlage womöglich nicht akzeptieren würden.

    Um Wahlbetrug zu verhindern wird bei der Stimmabgabe ein Finger mit spezieller Tinte eingefärbt - die Farbe lässt sich nicht abwaschen und verschwindet erst nach mehreren Tagen

    Foto © APAUm Wahlbetrug zu verhindern wird bei der Stimmabgabe ein Finger mit spezieller Tinte eingefärbt - die Farbe lässt sich nicht abwaschen und verschwindet erst nach mehreren Tagen

    Wie einen räudigen Hund haben die Ägypter im vergangenen Jahr ihren Präsidenten Hosni Mubarak vom Hof gejagt. Der konnte sich mit schmutzigen Tricks und Wahlfälschung fast 30 Jahre lang an der Macht halten. "Diesmal entscheidet die Urne", gibt sich der 47-jährige Zivilingenieur Tarik Adil al-Galami in der langen Schlange vor einem Kairoer Wahllokal optimistisch. Doch einige der neuen Stars der ägyptischen Politikerszene sind auch mit allen Wassern gewaschen, wie sich jetzt bei der Wahl von Mubaraks Nachfolger zeigt.

    Zwar marschieren bei dieser Präsidentenwahl keine Schlägertrupps mehr vor den Wahllokalen auf. Doch ähnlich wie damals versuchen auch diesmal wieder etliche Wahlhelfer, die Wähler bei der Stimmabgabe zu beeinflussen. Vor allem die Analphabeten, die oft nicht wissen, wo sie ihr Kreuz machen sollen, sind eine leichte Beute.

    Beschwerden gegen Muslimbrüder und Shafik

    Besonders viele Beschwerden gibt es am ersten Wahltag gegen die Muslimbrüder und gegen die Unterstützer des Kandidaten Ahmed Shafik. Diesen hatte Mubarak noch kurz vor dem eigenen Rücktritt vom Luftfahrtminister zum Regierungschef befördert. Die islamistische Muslimbruderschaft organisierte vielerorts Kleinbusse, um Wähler zu den Urnen zu karren. In Alexandria fotografierte ein Reporter der Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm" einen Autobus, der "designierte" Wähler des früheren Außenministers Amr Moussa zum Wahllokal chauffierte.

    Die Muslimbrüder, die im Parlament jetzt schon den Ton angeben, rangen mit dem Umstand, dass ihr wenig charismatischer Kandidat Mohammed Mursi in den Umfragen weit abgeschlagen hinter dem unabhängigen Islamisten und Ex-Muslimbruder Abdel Moneim Abul Fotouh rangierte. Auf den letzten Metern gaben sie deshalb noch einmal alles. Wenige Stunden vor der Wahl verschickten sie noch eine schriftliche Warnung an ihre Anhänger, bloß nicht Abul Futouh zu wählen. Für Mursi zu stimmen, sei "religiöse Pflicht", hieß es darin.

    Gewalt provozieren

    Angesichts dieser Manipulationsversuche befürchten viele liberal eingestellte Ägypter, dass die Islamisten im Falle einer Wahlniederlage neue Proteste und Gewalt provozieren könnten. "Wenn Moussa oder Shafik gewinnt, dann wissen wir, dass Betrug im Spiel war", behauptet der 30-jährige Taxifahrer Ali Abdel Khalik. Die beiden seien für ihn schon allein deshalb untragbar, weil sie Alkohol trinken würden.

    Andere ziehen schlicht die Fähigkeit der islamistischen Kandidaten in Zweifel, das Land mit seinen 80 Millionen Einwohnen aus der wirtschaftlichen und sozialen Krise zu führen. "Bei dieser Wahl geht es um Leben und Tod", meint der Kaufmann Amr Rushdi (48). "Gewinnt kein "Liberaler", schlittern wir in die Katastrophe." Unter die "Liberalen" zählt er vor allem die säkularen Kandidaten Moussa und Shafik.

    "Überreste des alten Regimes"

    Den Islamisten gelten aber diese wiederum als "Überreste des alten Regimes", die sich mit den Generälen des noch herrschenden Militärrates verbünden könnten. "Wir hatten 60 Jahre sozialistische Herrschaft und Diktatur, und davor die Monarchie. Jetzt ist es Zeit, das islamische Gesetz auszuprobieren", sagt der Lehrer und Mursi-Anhänger Ahmed Mohammed Shaur (32).

    Trotz der Bruchlinie zwischen fromm und säkular, wie sie bei diesem Wahlgang in Kairo deutlicher denn je hervortritt, herrscht in den Wahllokalen eine freudige und festliche Stimmung. Die Menschen sind sich des historischen Moments bewusst, dass diesmal ihr Votum über die Person des "rais", des ersten Mannes im Staat, entscheiden wird.

    Der Deutschlehrer Amr Abul Sud (27) ist ein von der Mursi-Kampagne delegierter Beisitzer in einem Wahllokal im Kairoer Mittelklasse-Viertel Sayyida Zeinab. "Jeder kann es kaum mehr erwarten, dass der Militärrat endlich die Macht an einen gewählten Präsidenten abgibt", meint er.

    Quelle: APA

    Vorabend der Wahl

    In Kairo ist ein Polizist am Vorabend der ägyptischen Präsidentenwahl erschossen worden. Der Beamte geriet am Dienstagabend im Armenviertel Shubra in einen Schusswechsel zwischen Anhängern unterschiedlicher Kandidaten, verlautete am Mittwoch aus ägyptischen Sicherheitskreisen. Die Wahl selbst, die am Mittwochmorgen begann und bis Donnerstag dauert, verlief in den ersten Stunden friedlich.

    Ein Zivilist sei bei dem Schusswechsel am Bein verletzt worden. In der Hauptstadt Kairo bildeten sich schon vor Öffnung der Wahllokale lange Schlangen. Bei den in mehreren Runden abgehaltenen Parlamentswahlen, die vor einigen Monaten die Islamisten gewannen, war es verschiedentlich zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen.

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