Unruhen in Kairo: Tote, Verletzte, Massen-Festnahmen
Die Unruhen wurden ausgelöst, als die Armee mit Unterstützung der Polizei eine Demonstration gegen die herrschenden Militärs vor dem Verteidigungsministerium in Kairo auflösen wollte.

Foto © ReutersÄgypten kommt derzeit nicht zur Ruhe
Ägypten kommt vor der Präsidentenwahl, die am 23. Mai stattfinden soll, nicht zur Ruhe. Bei den Krawallen vor dem Verteidigungsministerium in Kairo sind nach Angaben von Anwälten mindestens 300 Menschen festgenommen worden, unter ihnen auch 16 Frauen, die jedoch noch am Samstag freigelassen wurden. Ein getöteter Soldat wurde am Samstag mit militärischen Ehren beigesetzt. Bei den blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften waren am Freitag 400 Menschen verletzt worden.
Tränengas und Wasserwerfer
Zu den Unruhen war es gekommen, als die Armee mit Unterstützung der Polizei eine Demonstration gegen die herrschenden Militärs unter Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi vor dem Verteidigungsministerium auflösen wollte. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein. Nach Angaben von Augenzeugen flogen von beiden Seiten Steine. Am Abend verhängte das Militär eine nächtliche Ausgangssperre. In dem Viertel war es diese Woche bereits zu blutigen Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Schlägertrupps gekommen, bei denen nach offiziellen Angaben neun Menschen getötet wurden.
Protest gegen Militärrat
Der Protest der Demonstranten richtete sich gegen den Obersten Militärrat, der nach dem Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak im Februar 2011 die Macht übernommen hatte. Auch auf dem zentralen Tahrir-Platz fand am Freitag eine Demonstration gegen das Militär und gegen die von ihm eingesetzte Übergangsregierung statt, die aber friedlich blieb. Tausende Aktivisten und Parteimitglieder aus verschiedenen politischen Lagern hatten zu der Kundgebung aufgerufen. Sie forderten eine rasche Machtübergabe der Militärs an eine zivile Regierung und die Entlassung von Ministerpräsident Kamal al-Ganzouri (Gansuri). Auch die Muslimbrüder, die im ägyptischen Parlament die größte Fraktion bilden, beteiligten sich an dem Protest. Anders als bei früheren Demonstrationen übertrug das staatliche Fernsehen Live-Bilder von den Ausschreitungen im Abbassiya-Viertel.
Die Jugendbewegung "6. April" erklärte am Abend, sie ziehe sich von der Protestaktion vor dem Ministerium zurück, weil sie nicht an Aktionen teilnehmen wolle, bei denen Blut vergossen wird. In einer Erklärung der Bewegung hieß es: "Wir betonen, dass wir auf die Machtübergabe zu dem genannten Termin warten werden, und dass wir, wenn dies nicht geschehen sollte, auf allen Plätzen des Landes demonstrieren werden."
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Die Ägypter sollen am 23. Mai einen Präsidenten wählen. Der Militärrat hat versprochen, nach der Präsidentenwahl die Macht abzugeben.









