Analyse: Libyens harter Weg in die Normalität
Vor genau einem Jahr begann in Libyen die Revolution gegen das Schreckensregime von Muammar Guddafi. Mittlerweile ist der Diktator tot, aber befriedet ist das Land deswegen noch lange nicht.

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Abdallah Elsabri sitzt längst wieder an seinem Schreibtisch in der Bank. Auf seinem Laptop jedoch hütet der 54-Jährige immer noch die Bilder von den ersten Revolutionstagen in Benghazi. Was er damals nicht ahnen konnte, dem ersten "Tag des Zorns" am 17. Februar 2011 folgten acht Monate Bürgerkrieg mit mindestens 30.000 Toten und vielen zehntausend Verletzten.
Städte liegen in Trümmern
Inzwischen haben die Rebellen überall gesiegt, Ruhe jedoch ist genauso wenig eingekehrt wie eine breite Zuversicht in der Bevölkerung auf eine bessere Zukunft. Städte wie Misrata und Gaddafis Geburtsort Sirte liegen in Trümmern. Schul- und Gesundheitswesen sind in einem erbärmlichen Zustand. Die Polizei funktioniert nicht, ein Justizsystem gibt es nicht. "Dieselben korrupten Typen sind immer noch da, es gibt keine Justiz und keine Aufsicht. Und die alten Praktiken leben einfach weiter", klagte kürzlich ein Geschäftsmann. Die Wirtschaft funktioniere genauso schlecht, wie vor dem Sturz des Regimes - und es könne noch sehr viel schlechter werden. Viele Großprojekte liegen nach wie vor auf Eis. Bis zu den Parlamentswahlen Anfang Juni will der Nationale Übergangsrat keine neuen Verträge unterzeichnen, um nicht "sofort eine Welle von Korruption auszulösen", wie Übergangspräsident Mustafa Abdul Jalil einräumte.
Und so klettert die Arbeitslosigkeit weiter, die schon vor der Revolution bei mehr als 25 Prozent lag. Viele junge Leute bleiben bei ihren Milizbrigaden, um überhaupt etwas zu tun zu haben. In den meisten Regionen sind deren Kommandeure inzwischen die eigentlichen Machthaber, deren Untaten Einheit und Stabilität des ganzen Landes bedrohen. Tausende haben sie seit dem Sturz Gaddafis verhaften lassen. Nach Erkenntnissen von Amnesty International wird in ihren Lagern systematisch gefoltert.
"Politischer Wille fehlt"
Dem Nationalen Übergangsrat bescheinigt Amnesty, ihm fehle "der politische Wille, die wirkliche Dimensionen des Problems ins Auge zu fassen". Der Rat plant auch keine nationale Feier und ließ lediglich bekannt geben, man werde zum Jahrestag jeder Familie 1600 Dollar aus der Staatskasse auszahlen, jedem Alleinstehenden 160 Dollar.









