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    Zuletzt aktualisiert: 08.01.2012 um 20:52 UhrKommentare

    Ägypten wird islamischer

    Auch dritte Runde der Parlamentswahl bringt Sieg der Islamisten. Die Facebook-Generation geht völlig unter. Jetzt herrscht Unbehagen.

    Foto © APA

    Selbst die großen Alten der ägyptischen Politik ringen nach Worten. Friedensnobelpreisträger Mohamed El Baradei sieht das liberale Lager und die revolutionäre Jugend "dezimiert". Amr Moussa, langjähriger Chef der Arabischen Liga und möglicher Präsidentschaftskandidat, spricht vom Lauf der Demokratie, deren Resultate man zu akzeptieren habe. Letzte Woche schickte Washington seinen Nahost-Emissär Jeffrey D. Feltman nach Kairo, um erste politische Gespräche mit den siegreichen Muslimbrüdern zu führen, deren Partei seit sechzig Jahren verboten war. Man habe "glaubwürdige Versicherungen" erhalten, dass Ägypten die Menschenrechte und seine internationalen Verträge respektieren werde, ließ Außenministerin Hillary Clinton anschließend erklären. Aber man werde die Lage genau im Auge behalten.

    Früchte ernten

    Seit sich das Endergebnis der ersten demokratischen Parlamentswahl in der Geschichte Ägyptens abzuzeichnen beginnt, gehen am Nil Jubel und Erleichterung, aber auch Angst und Unbehagen um. Moderate Muslime und koptische Christen fürchten den Weg in einen militanten Gottesstaat, die Islamisten dagegen sehen ihren Erdrutschsieg als Frucht der jahrzehntelangen religiösen Überzeugungsarbeit, sozialen Basisprogramme und glaubwürdigen Opposition zu dem Mubarak-System.

    Rund zwei Drittel aller 498 Mandate werden die Islamisten nach eigenen Kalkulationen in den nächsten vier Jahren kontrollieren, daran können auch die letzten Stichwahlen diese Woche kaum noch etwas ändern. Mindestens 42 Prozent der Sitze gehen an das politische Bündnis der Muslimbrüder mit ihrer "Partei für Frieden und Gerechtigkeit" (FJS) an der Spitze, gefolgt von der Al-Nour Partei der ultrakonservativen Salafisten mit gut 20 Prozent. Das liberale Parteienbündnis "Ägyptischer Block" sowie die säkulare Wafd-Partei bleiben beide unter zehn Prozent, Anhänger des gestürzten Hosni Mubarak kamen auf drei bis vier Prozent der Mandate. Die Facebook-Jugend mit ihrer "Koalition für kontinuierliche Revolution" sowie viele andere junge Gruppierungen landeten im Mikroprozent-Bereich.

    Wohin die Reise am Nil jetzt geht, werden die nächsten Wochen zeigen. Mit ihrer Zaungast-Rolle bei der jetzigen Übergangsregierung wollen sich die islamistischen Sieger nicht weiter abspeisen lassen und rangeln bereits heftig über künftige Koalitionen. Während die Salafisten betonten, dass sie keine Abstriche bei ihren puritanisch-islamischen Moralregeln akzeptieren werden, geben sich die Muslimbrüder betont moderat und staatstragend. Ihr konservativ-islamisches Programm intonieren sie als übergeordneten Werterahmen für künftiges Regierungshandeln, ihre konkreten politischen Avancen gelten vor allem dem säkularen Lager. Demonstrativ nahmen einige ihrer Spitzenvertreter am Freitag am zentralen koptischen Weihnachtsgottesdienst in der Kairoer Kathedrale teil, plädierten für "Toleranz und Mäßigung" sowie "gleiche Bürgerrechte für alle". "Wollen wir hoffen, dass sie unsere Interesse auch tatsächlich berücksichtigen", flüsterte eine junge Gottesdienstbesucherin, als der koptische Papst Shenouda III. die Hände der islamistischen Ehrengäste schüttelte.

    Weitergehen wird auch das Ringen mit den Militärs. Der Oberste Militärrat, der die Macht offiziell zum 1. Juli abgeben soll, drängt auf eine Verfassungsklausel, die der künftigen zivilen Führung verbieten soll, Geschäftsgebaren der Armee zu kontrollieren.

    Leitartikel Seite 6

    MARTIN GEHLEN, KAIRO

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