Internationales Strafgericht in Kontakt mit Gaddafi-Sohn
Die Auslieferung von Gaddafis Sohn Saif al-Islam nach Den Haag wird immer wahrscheinlicher. Das Internationale Strafgericht soll in Kontakt mit der Gesuchten stehen und will ihn per Flugzeug nach Den Haag bringen lassen.

Foto © ReutersSaif al-Islam
Ankläger des Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) stehen laut eigenen Angaben im Kontakt zum flüchtigen Saif al-Islam al-Gaddafi. Zuvor hatte es geheißen, der Sohn des jüngst getöteten libyschen Langzeit-Machthabers Muammar al-Gaddafi wolle sich stellen. "Wir haben über Vermittler informellen Kontakt zu ihm", erklärte der Strafgerichtshof am Freitag. Wo sich Saif al-Islam aufhält, ließ er offen. Das Gericht betonte jedoch, dass es große Fortschritte gebe, ihn und den früheren libyschen Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi festzunehmen.
Saif al-Islam wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Wo er sich aufhält, ist unklar. Berichten zufolge soll er bei Angehörigen des Tuareg-Volkes an der Grenze Libyens zum Niger sein. Anderen Spekulationen nach befindet er sich im Niger oder in Mali. Das IStGH wollte sich dazu nicht äußern.
Saif al-Islam fürchtet um sein Leben
Das Gericht hofft auf eine baldige Verhaftung des Gaddafi-Sohnes. "Das Büro der Ankläger hat deutlich gemacht, dass er, wenn er sich stellt, das Recht auf eine Anhörung vor Gericht hat, und als unschuldig gilt, bis seine Schuld bewiesen wird", hieß es von IStGH-Chefankläger Luis Moreno Ocampo in einer Aussendung. Er sagte dem US-Sender CNN, er glaube, ausreichend Beweise gegen Saif al-Islam für schwere Verbrechen zusammengetragen zu haben. "Wir glauben, dass wir einen starken Fall haben", betonte er. "Wir glauben, er sollte verurteilt werden."
Saif al-Islam hatte kürzlich erklärt, er sei bereit, sich dem Strafgerichtshof zu stellen und zu diesem Zweck ein Flugzeug gefordert. Dies wurde vom IStGH bestätigt. "Der IStGH sucht nach Möglichkeiten, Flugzeuge in bestimmten Ländern bereit zu halten, wo eine Festnahme erfolgen kann", zitierte die niederländische Nachrichtenagentur ANP Moreno Ocampo. Aus Kreisen der libyschen Übergangsregierung war am Donnerstag verlautet, Saif al-Islam fürchte um sein Leben und habe Sicherheiten verlangt.
Der Haager Chefankläger sagte, es gebe Hinweise darauf, dass eine Gruppe Söldner bereit sei, Saif al-Islam in ein afrikanisches Land zu bringen, das ihn nicht ausliefern würde. Die Anklage prüfe die Möglichkeit, jedes Flugzeug im Luftraum eines Staates, das die Statuten des Strafgerichtshofes unterzeichnet habe, abzufangen, um den Haftbefehl zu vollstrecken. Zuvor hatte eine südafrikanische Zeitung berichtet, Saif al-Islam befinde sich in Begleitung von Söldnern aus Südafrika, die ihn nach Niger bringen sollen.
Der 39-Jährige Saif al-Islam ist der letzte der sieben Söhne Gaddafis, dessen Verbleib unklar ist. Zwei Söhne flohen nach Algerien, einer ist im Niger. Zwei weitere Söhne starben während der Kämpfe zwischen Anhängern Gaddafis und Soldaten der Übergangsregierung. Mutassim al-Gaddafi wurde vergangene Woche zusammen mit seinem Vater in der Nähe von dessen Geburtsstadt Sirte getötet.
Saif al-Islam galt lange als Kronprinz des Jahrzehnte autokratische herrschenden Machthabers Muammar al-Gaddafi, ihm wurden Reformbemühungen zugetraut. Während des Umsturzes in Libyen in den vergangenen Monaten trat Saif al-Islam aber als Verteidiger seines Vaters und mutmaßlicher Truppen-Kommandant in Erscheinung. Lange unterhielt er enge Verbindungen nach Österreich. So studierte er an einer Wiener Privatuniversität und galt als enger Freund des verstorbenen Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider F, später B).









