Obama: "Ende eines schmerzhaften Kapitels"
Erleichterung aber auch kritische Stimmen gab es nach dem Ende der Jagd auf den libyischen Machthaber Muammar al-Gaddafi. Die große Verantwortung, ein tolerantes und demokratisches Land zu schaffen, liege nun in der Hand der Libyer.

Foto © ReutersAuch US-Präsident Obama
US-Präsident Barack Obama hat den Tod des Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi als "Ende eines langen und schmerzhaften Kapitels" bezeichnet. Zugleich erinnerte er am Donnerstag in Washington die Libyer an ihre "große Verantwortung", nun ein tolerantes und demokratisches Land zu schaffen, das alle gesellschaftliche Gruppen einschließe. Man dürfe sich keinen Illusionen hingeben: "Libyen hat bis zur Demokratie einen langen und steinigen Weg vor sich", betonte Obama.
Das libysche Volk habe nun die Chance, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, betonte der Präsident im Rosengarten des Weißen Hauses und rief zum Aufbau von Demokratie auf. Die Vereinigten Staaten freuten sich darauf, nach der raschen Bildung einer Übergangsregierung die ersten fairen und freien Wahlen des Landes zu erleben. "Sie haben ihre Revolution gewonnen", sagte er an die Adresse der Rebellen und der Bevölkerung.
"Es werden schwierige Tage bevorstehen", warnte Obama jedoch. Doch die USA und die internationale Gemeinschaft stünden an der Seite des libyschen Volkes. "wir werden der Partner sein, während Sie eine Zukunft gestalten, die Würde, Freiheit und Chancen birgt."
Faymann fordert "demokratischen Neubeginn"
"Einem demokratischen Neubeginn in Libyen steht nichts mehr entgegen", stellte Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (S) am Donnerstag zur Nachricht vom Tod des früheren libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi am Donnerstag fest.
"Die Befehle zum gewaltsamen Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung sind besonders zu verurteilen. Wegen Gaddafis Entscheidungen waren tausende Opfer zu beklagen." Über die vergangenen Jahrzehnte habe das Gaddafi-Regime die Grund- und Menschrechte immer wieder verletzt und viel Leid über die Zivilbevölkerung gebracht, betont der Bundeskanzler laut einer Aussendung.
"Es bleibt zu hoffen, dass in Libyen nunmehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ermöglicht werden, ebenso wie soziale und wirtschaftliche Verbesserungen für jene Menschen, denen das bisher verwehrt wurde", so der Kanzler abschließend.
"Mit dem Tod von Muammar al-Gaddafi gehen mehr als 42 Jahre Diktatur in Libyen zu Ende. Wenngleich Freude über den Tod eines Menschen nie angebracht ist, herrscht ein Gefühl der Erleichterung, denn jetzt hat das Blutvergießen endgültig ein Ende." Das erklärte Außenminister und Vizekanzler Michael Spindelegger (V)
Irak gratuliert Libyern
Die irakische Regierung unter Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat Libyen zum Ende von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi gratuliert. Zugleich brachte sie ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass dem Land nun eine "neue Ära der Sicherheit, Stabilität und Demokratie" beschieden sei, hieß es in einer Meldung der irakischen Nachrichtenagentur Nina. Die Ereignisse in Libyen wie im Irak seien "ein Beweis dafür, dass Völker ihre Tyrannen bezwingen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können".
Im Irak war im Jahr 2003 Diktator Saddam Hussein durch den Einmarsch von US-Truppen gestürzt worden. Der ausländischen Intervention folgten Jahre der blutigen Anarchie, des Terrors und der wechselseitigen ethnischen und konfessionellen Abrechnungen. Ende des Jahres sollen die letzten US-Truppen den Irak verlassen.
Ägypten: "Bereit zu helfen"
Die ägyptische Übergangsregierung hat Libyen aufgefordert, nach dem Tod von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi ein neues Kapitel aufzuzuschlagen. "Ägypten ist bereit, den libyschen Brüdern beim Wiederaufbau des Landes zu helfen", heißt es in einer Erklärung, die am Donnerstagabend von der Online-Ausgabe der halbamtlichen Tageszeitung "Al-Ahram" veröffentlicht wurde.
In Ägypten hatte ein Volksaufstand am 11. Februar die jahrzehntelange Herrschaft des autoritären Präsidenten Hosni Mubarak beendet.
Britischer Premier sagt Libyen Unterstützung zu
Der britische Premierminister David Cameron hat dem libyschen Volk nach der Nachricht vom Tod des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi weiter Unterstützung zugesagt. Die Menschen in Libyen hätten nun eine noch größere Chance, sich eine Zukunft aufzubauen, sagte Cameron am Donnerstag in London.
Dabei werde man mit ihnen zusammenarbeiten und sie unterstützen. "Ich bin stolz auf die Rolle, die Großbritannien dabei gespielt hat", sagte er mit Blick auf den Sturz des Gaddafi-Regimes. Cameron erinnerte zugleich an dessen Opfer.
Schweiz appelliert: "Verzicht auf Vergeltung"
Das Schweizer Außenministerium hat im Zusammenhang mit dem Tod von Libyens Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi die Konfliktparteien zur Zurückhaltung aufgefordert. Sie sollten auf Vergeltungsmaßnahmen verzichten. Vielmehr sollten sie einen Dialog zur Stabilisierung der Region einleiten. Dabei müssten alle Parteien einbezogen werden, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Donnerstagabend mit und rief zur Einhaltung der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts in Libyen auf.
Sarkozy begrüßt "bedeutende Etappe" für Libyen
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy (UMP) hat am Donnerstag das "Verschwinden" des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi als "bedeutende Etappe" auf dem Weg zur Befreiung Libyens begrüßt. Nun werde man "eine neue Seite" für das lybische Volk aufschlagen, "jene der Aussöhnung in der Einheit und Freiheit".
In einer Aussendung betont der französische Präsident weiter, dass die Befreiung von Syrte "dem Beginn eines Prozesses des nationalen Übergangskomitees CNT in die Wege leiten werde, um in Libyen ein demokratisches System zu errichten, in dem alle Komponenten des Landes ihren Platz haben und die Grundfreiheiten garantiert sind".
Merkel: "Blutiger Krieg geht zu Ende"
Mit dem Tod des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi geht nach den Worten von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel ein blutiger Krieg zu Ende, den dieser gegen sein eigenes Volk geführt habe. "Dieser Tag setzt einen Schlusspunkt unter das Regime Gaddafi, es ist ein wichtiger Tag für die Libyer", erklärte Merkel am Donnerstag. "Der Weg ist nun endgültig frei für einen politischen Neuanfang in Frieden. Darüber ist Deutschland erleichtert und froh."
Libyen müsse nun zügig weitere Schritte in Richtung Demokratie gehen und die bisherigen Errungenschaften des Arabischen Frühlings unumkehrbar machen, betonte die Kanzlerin. Auf diesem Weg zu Demokratie, Rechtstaatlichkeit und nationaler Versöhnung werde Deutschland Libyen begleiten und unterstützen.
Russland hofft auf Frieden in Libyen
Kremlchef Dmitri Medwedew forderte die Vertreter des Übergangsrates und der verschiedenen Stämme zu einer Einigung über die künftige Regierung auf. "Libyen muss ein moderner demokratischer Staat werden", sagte Medwedew am Donnerstag bei einem Treffen mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte in Moskau nach Angaben der Agentur Itar-Tass. Zu diesem Zeitpunkt ging der Kremlchef noch von einer Gefangennahme Gaddafis aus.
Allerdings gab es auch kritische Stimmen in Moskau. Der Tod Gaddafis werde die Situation in Libyen nicht radikal ändern, sagte Medwedews Sondergesandter Michail Margelow, der mehrmals die Region bereist hatte. "Bis zum Ende der Krise ist es noch ein weiter Weg." Auch ohne Gaddafi sei ein Guerilla-Krieg in Libyen weiterhin möglich, warnte Margelow. "Das heutige Problem Libyens ist nicht die Frage nach Leben oder Tod Gaddafis. Es ist das Problem der Konsolidierung der breitgefächerten libyschen Gesellschaft und der Stärkung der Streitkräfte."
Amnesty International: "Ära ist noch nicht zu Ende"
"Die Epoche Gaddafi wird so lange andauern, bis die Vergangenheit vollständig aufgearbeitet ist und die Menschenrechte ein fester Bestandteil des libyschen Staates geworden sind", wird Hassiba Hadj Sahraoui, Direktorin für Nordafrika und den Nahen Osten von Amnesty International, in einer Aussendung vom Donnerstag zitiert.
Amnesty International wies darauf hin, dass viele Mitarbeitende der libyschen Behörden unter Verdacht stünden, an schweren Menschenrechtsverletzungen beteiligt gewesen zu sein. Diese müssten sich vor Gericht verantworten, fordert die Organisation.
Gleichzeitig rief die Organisation den libyschen Übergangsrat dazu auf, den engen Machtzirkel und Familienmitglieder von Gaddafi "human zu behandeln und faire Gerichtsverfahren zu garantieren".
Syriens Opposition: "Assad ist der Nächste"
Die Opposition in Syrien hat die Tötung des ehemaligen libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi begrüßt und hofft nun auf ein Ende des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. "Gaddafi ist gegangen, und als nächster bist du dran, Bashar!", heißt es auf der Facebook-Seite "Syrian Revolution 2011".
Der Internet-Auftritt der Opposition zeigt auch die rot durchgestrichenen Porträts der gestürzten Machthaber Hosni Mubarak (Ägypten), Ben Ali (Tunesien) und Gaddafi - neben den nicht durchgestrichenen Konterfeis von Assad und Ali Abdullah Saleh (Jemen). "Dies ist das Ende der Tyrannen", hieß es auf der Seite.
In Syrien verlangen die Bürger seit März bei großen Demonstrationen politische Reformen und den Rücktritt des Assad-Regimes. Bei der Unterdrückung der Proteste durch die Sicherheitskräfte sind nach UN-Angaben 3000 Menschen getötet worden.









