Rebellen in Tripolis: Gaddafi vor dem Aus
Die libyschen Rebellen sind nach ihren jüngsten Erfolgen überzeugt, dass die Tage des Machthabers Muammar al-Gaddafi in Tripolis gezählt sind. Die Versorgungswege des Regimes in Tripolis seien abgeschnitten. Wichtige Gefolgsleute Gaddafis sollen zu den Rebellen übergelaufen sein.

Foto © ReutersDie zerbombte Unterkunft von Geheimdienstchef Al-Senussi
Das Ende der Herrschaft von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi steht nach Ansicht des Präsidenten des Nationalen Übergangsrats der Rebellen unmittelbar bevor. "Wir haben Kontakte zum engsten Kreis um Oberst Gaddafi", sagte Mustafa Abdul Jalil am Samstag in der Rebellenhochburg Benghazi. "Alles deutet darauf hin, dass das Ende sehr nahe ist." Er gehe von einem "katastrophalen Ende" für Gaddafi und sein Umfeld aus. "Wenn Gaddafi die Macht abgeben will, dann wollen wir, dass er das selber ankündigt", sagte Jalil. "Wir glauben aber, das er das nicht tun wird."
Nach sechs Monaten Krieg ziehen die Rebellen in Libyen die Schlinge um Tripolis und damit auch Machthaber Muammar al-Gaddafi immer enger. In der Nacht auf Samstag sollen die Rebellen die lange umkämpfte Hafenstadt Brega unter ihre Kontrolle gebracht haben. Im Zentrum der von den Rebellen in den vergangenen Tagen eingenommenen Stadt Zawiyah rund 50 Kilometer westlich von Tripolis schlugen Mörsergranaten sowie Raketen ein und trafen dabei das größte Krankenhaus der Stadt. An der östlichen Front wurden bei Straßengefechten in Slitan rund 150 Kilometer von Tripolis nach Rebellenangaben 32 Aufständische getötet.
Durch die jüngsten Geländegewinne haben die Rebellen die wichtigsten Versorgungsrouten der Hauptstadt abgeschnitten. Mit der Eroberung des Ölhafens von Brega und den Raffinerien in Zawiyah kappte der Übergangsrat der Aufständischen zudem in den vergangenen Tagen die Ölversorgung des Regimes in Tripolis. NATO-Kampfflugzeuge unterstützten die Aufständischen in der Nacht auf Samstag und griffen Ziele in Tripolis an, wo Gaddafi vermutet wird. Auf dem zentralen Platz von Zawiyah zündeten Anrainer eine grüne Gaddafi-Flagge an und trampelten darauf herum. "Gaddafi ist am Ende. Libyen ist endlich frei", sagte einer von ihnen. In einer nahe gelegenen Gasse bildete sich eine Menschentraube um die Leichen zweier Regierungs-Soldaten, die auf der Straße lagen. Aus der Ferne waren Gewehrfeuer und Explosionen zu hören.
Der libysche Machthaber verlor unterdessen Gefolgsleute aus seinem engsten Kreis. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag soll der libyschen Ölminister Omran Abukraa nicht von einer Reise aus Tunesien zurückgekehrt sein. Der Minister hätte nach einem Aufenthalt in Italien über Tunesien nach Libyen zurückkommen sollen. Bereits sein Amtsvorgänger Shokri Ghanem (Shukri Ghanim) war im Juni zu den Rebellen übergelaufen. Am Freitag war bekanntgeworden, dass die Nummer zwei der libyschen Führung, Abdessalam Jalloud, offenbar zu den Rebellen übergelaufen ist.
Auch wirtschaftlich ist die Lage für das Gaddafi-Regime schwierig. Als Folge der internationalen Sanktionen geht den Banken in Tripolis das Geld aus. Staatsangestellte bekommen keine Gehälter mehr ausgezahlt. "Seit Donnerstag haben wir kein Geld mehr und wir wissen auch nicht, wann sich das ändern wird", sagte ein Bankangestellter in Tripolis am Samstag der deutschen Nachrichtenagentur dpa. Treibstoff und andere Güter sind demnach schon länger knapp. In der Hauptstadt sollen sich in den vergangenen Tagen die verbliebenen Truppen Gaddafis gesammelt haben, um sich auf den Endkampf vorzubereiten.
An der tunesisch-libyschen Grenze lieferten sich unterdessen Bewaffnete in der Nacht zum Samstag heftige Gefechte mit tunesischen Soldaten. Die staatliche tunesische Nachrichtenagentur TAP berichtete von "mehreren Opfern, deren Zahl noch unbekannt ist". Die Armee habe Verstärkung in den Ort rund 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Tunis geschickt und das Gebiet abgeriegelt. Herkunft und Motive der Bewaffneten blieben zunächst unklar. Ihre Fahrzeuge sollen keine Kennzeichen getragen haben. Ein Bewohner der Ortschaft Douz hatte am späten Abend Alarm geschlagen, nachdem er mehrere Kleintransporter mit bewaffneten Männern gesehen hatte.









