Krawalle während Mubarak-Prozess
Von heftigen Krawallen begleitet begann der Prozess gegen Ägyptens Ex-Diktator. Vor dem Gerichtsgebäude gingen Anhänger und Gegner Mubaraks mit Steinen und Knüppeln aufeinander los. Mehr als 60 Menschen wurden dabei verletzt.

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Am Rande des Prozesses gegen den ägyptischen Ex-Präsidenten Hosni Mubarak ist es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des 83-Jährigen gekommen. 61 Menschen seien verletzt worden, berichteten Rettungskräfte am Mittwoch in Kairo. Elf von ihnen mussten in Krankenhäuser gebracht werden.
Die Anhänger und Gegner Mubaraks waren vor der nationalen Polizeiakademie in Kairo aufeinander losgegangen. Dort musste sich der frühere Machthaber vor einem Gericht verantworten. Ihm werden unter anderem Tötung von Demonstranten, Amtsmissbrauch und illegale Bereicherung vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung droht Mubarak die Todesstrafe. Der Prozess wird am 15. August fortgesetzt.
Auch Mubaraks Söhne vor Gericht
Mit dem Ex-Staatschef, dem die Todesstrafe droht, sind seine beiden Söhne, der frühere Innenminister sowie weitere ehemalige Mitarbeiter angeklagt. Mubaraks Verteidiger verlangten, dass der Vorsitzende des regierenden Militärrates, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, und der aus der Öffentlichkeit verschwundene Ex-Geheimdienstchef und kurzzeitige Vizepräsident General Omar Suleiman als Zeugen vorgeladen werden.
Ägyptens Ex-Präsident im Bett-Käfig
Millionen Ägypter, die der Live-Übertragung im staatlichen Fernsehen folgten, hielten den Atem an, als ihr fast drei Jahrzehnte herrschender Führer ("Rais") im Krankenbett in den Verhandlungssaal geschoben wurde. Der frühere Machthaber wies alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. "Ich bestreite alle Anklagepunkte", sagte er mit fester Stimme, "ich habe derartige Verbrechen nicht begangen." Zusammen mit Mubarak werden im selben Verfahren auch der frühere Innenminister Habib al-Adli und sechs ehemalige leitende Mitarbeiter aus dessen Ministerium beschuldigt. Ihnen droht im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe. Wegen Korruption und Amtsmissbrauchs mussten außerdem Mubaraks Söhne Gamal und Alaa vor dem Richter erscheinen. Auch sie bestritten alle Vorwürfe. In Abwesenheit angeklagt ist zudem der Geschäftsmann Hussein Salem, der nach Spanien floh.
Die Verhandlung wurde bald von Debatten um den Prozessablauf zwischen dem den Vorsitz führenden Richter Ahmed Rifaat und dem Verteidigerteam der Angeklagten beherrscht, das mehr als 80 Anwälte umfasst. Adlis Anwälte legten gegen die Zusammenlegung des Prozesses ihres Mandaten, der bereits im April begonnen hatte, mit dem gegen Mubarak Beschwerde ein. Erst kurz vor Mittag begann der Staatsanwalt mit der Verlesung der Anklageschrift.
Für den regierenden Militärrat ist das Verfahren eine Möglichkeit, seine zuletzt angeschlagene Position zu stärken. Weite Teile der Öffentlichkeit sind unzufrieden mit der Entwicklung seit Mubaraks Sturz und dem Einbruch der Wirtschaft seit Beginn der Volkserhebung. Jugendgruppen setzen die Proteste gegen die Streitkräfte fort, die sie beschuldigen, den Übergang zu einer Zivilregierung zu verschleppen und Mubaraks alte Seilschaften an der Macht zu halten. Dem Militär werden auch Menschenrechtsverletzungen und Folter vorgeworfen.
Bis zuletzt war unklar gewesen, ob der Mubarak tatsächlich im Gerichtssaal erscheinen würde. Sein Anwalt Farid al-Dib hatte beharrlich behauptet, Mubarak sei schwer krank. Am frühen Mittwochmorgen wurde er von Sharm el-Sheikh im Hubschrauber nach Kairo gebracht. Auf seinem Krankenbett hingestreckt wirkte er in der Verhandlung alt und gebrechlich, schien aber den Vorgängen aufmerksam zu folgen.
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Anklagepunkte
In dem Prozess gegen Ägyptens Ex-Staatschef Hosni Mubarak, seine Söhne und die ehemalige Spitze des Innenministeriums werden folgende Anklagepunkte verhandelt:
Tötung und versuchter Mord von Protestteilnehmern nach dem 25.
Jänner dieses Jahres. Die Sicherheitskräfte töteten bei den Massenprotesten gegen Mubarak nach offiziellen Angaben 846
Menschen.
Erteilung des Schießbefehls an die Polizei; Anstiftung dazu,
Demonstranten mit Fahrzeugen zu überfahren.
Persönlicher Erwerb teurer Immobilien im Sinai-Bad
Sharm el-Sheikh zu ungewöhnlich niedrigen Preisen.
Amtsmissbrauch, um dem Verkäufer der unterpreisigen Immobilien
wertvolles Bauland auf dem Sinai zuzuschieben.
Manipulation des Erdgashandels mit Israel, was dem Verkäufer
der Sharm-el-Sheikh-Immobilien illegale Profite in Höhe von
zwei Milliarden Dollar beschert haben soll.










