Westen schickt Militärberater
Nach London kündigten auch Paris und Rom an, Militärberater zu entsenden. Frankreichs Präsident Sarkozy versicherte den Rebellen: "Wir helfen euch!"

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Frankreich will mit mehr Luftangriffen und dem Einsatz von Verbindungsoffizieren den libyschen Rebellen verstärkt unter die Arme greifen. "Wir werden Ihnen helfen", sagte Präsident Nicolas Sarkozy nach Angaben aus seinem Amt Rebellenführer Mustafa Abdel Jalil am Mittwoch in Paris zu. Neben Frankreich wollen auch Großbritannien und eventuell Italien Verbindungsoffiziere zu den Aufständischen in Marsch setzen. US-Präsident Barack Obama hieß die Initiative der drei Länder gut, lehnt aber weiterhin den Einsatz eigener Bodentruppen in dem nordafrikanischen Land ab.
Misrata erneut beschossen
Die seit Wochen von Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi belagerte letzte west-libysche Rebellenbastion Misrata (Misurata) wurde am Abend mit Granatwerfern beschossen. Dabei wurden nach Angaben der Rebellen fünf Menschen getötet.
In französischen Militärkreisen hieß es, der französische Vorschlag, mehr Luftangriffe zu fliegen, werde von der NATO unterstützt. Das Bündnis leitet den Libyen-Einsatz. Frankreich habe sechs Kampfflugzeuge von Korsika auf die griechische Insel Kreta verlegt, die näher an Libyen liegt.
Der Einsatz der Verbindungsoffiziere ist nach Angaben von Regierungssprecher Francois Baroin eine Initiative in Absprache mit den am Libyen-Einsatz beteiligten anderen Ländern. Die Militärs dürften die Aufständischen auch bei der Organisation ihrer Truppen beraten, die weitaus schlechter als die Streitkräfte Gaddafis ausgerüstet und ausgebildet sind. Diese Aufgaben haben auch die britischen Verbindungsoffiziere. Deren Regierung hatte am Dienstag ausgeschlossen, die Aufständischen zu bewaffnen oder auszubilden.
Italien erwägt nach den Worten von Verteidigungsminister Iganzio La Russa die Entsendung von zehn Militärausbildern zur Unterstützung der Rebellen. Der Westen müsse sein Libyen-Engagement im Rahmen des UN-Mandats möglicherweise deutlich ausweiten, sagte La Russa in Rom. Gaddafi lasse sich nur mit Gewalt aus dem Amt entfernen.
US-Präsident Obama äußerte die Hoffnung, dass die Entsendung der Verbindungsoffiziere den Rebellen helfen werde. Vizepräsident Joe Biden verteidigte in der "Financial Times" die Entscheidung der USA, sich nicht an den Luftangriffen auf Libyen zu beteiligen. Amerikanische Flugzeuge würden nicht benötigt, um die Ziele des Bündnisses in dem nordafrikanischen Land zu erreichen. "Gelegentlich fehlt es einigen Ländern am Willen, nicht aber an ihren Fähigkeiten."
Rebellenführer Jalil sagte nach dem Treffen mit Sarkozy, er habe den französischen Staatschef nach Benghazi (Bengasi) eingeladen. Den Aufständischen gehe es um den Aufbau einer Demokratie in den nordafrikanischen Land. Der künftige Präsident solle "mit dem Stimmzettel und nicht in einem Panzer" ins Amt kommen.
"Wir wollen von Gaddafis Regime Taten, keine Worte"
Der Vorstoß von Außenminister Al Obeidi für Neuwahlen fand im Ausland kaum ein Echo. Großbritannien wies die Initiative zurück. Gaddafi habe mehrmals einen Waffenstillstand angeboten, tatsächlich aber die Angriffe auf die Zivilbevölkerung fortgesetzt. "Wir wollen von Gaddafis Regime Taten, keine Worte", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in London. Al Obeidi hatte laut BBC erklärt, wenn die Bombardierung aufhöre, könne es sechs Monate später eine von den Vereinten Nationen überwachte Wahl geben. Bei der Wahl werde es um alle Fragen gehen, die die Libyer beschäftigten, darunter auch die Zukunft Gaddafis.
In der belagerten Rebellen-Enklave Misrata kämpften Aufständische und Truppen Gaddafis um die Vorherrschaft über zwei zentrale Straßen, die in die südlichen Vororte und den Hafen führen. Die von den Rebellen gemeldeten Bodengewinne konnten nicht verifiziert werden. Nach Angaben der Rebellen legte ein türkisches Schiff mit Hilfsgütern im Hafen an.
Journalist in belagerter Stadt Misrata getötet
Unterdessen ist in Misrata nach Informationen der britischen BBC mindestens ein westlicher Journalist getötet worden. Drei weitere seien verletzt worden. Eine Korrespondentin der BBC in Misrata berichtete am Mittwoch, nach Angaben von Ärzten seien zwei der Verletzten in kritischem Zustand. Die Journalisten seien Opfer eines Mörserangriffs geworden. Die Stadt wird seit Wochen von Truppen des Gaddafi-Regimes belagert.
Die Vereinten Nationen haben die libysche Führung davor gewarnt, im Kampf gegen die Aufständischen Kriegsverbrechen zu begehen. "Nach internationalem Recht ist der Beschuss von medizinischen Einrichtungen ein Kriegsverbrechen. Und es ist ein ernster Verstoß gegen das Völkerrecht, rücksichtslos auf Zivilisten zu feuern", sagte die Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Navi Pillay, am Mittwoch in New York.
Erbprinz Senussi denkt über Rückkehr zur Monarchie nach
Der libysche Erbprinz Mohammed al-Senussi will "alles" für die Errichtung einer Demokratie in seinem Heimatland tun und schlägt dafür eine zumindest vorübergehende Rückkehr zur Monarchie vor. Seine Beziehungen zu dem Übergangsrat in der Rebellenhochburg Benghazi seien "gut", sagte der 48-Jährige am Mittwoch vor dem Europaparlament in Brüssel. Sein Großonkel Mohammed Idris al-Mahdi al-Senussi war ein pro-britischer Monarch und wurde 1969 in einem Staatsstreich von dem jetzigen Machthaber Gaddafi gestürzt.










