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Zuletzt aktualisiert: 26.03.2011 um 20:03 UhrKommentare

Salzburgerin im Jemen: "Es war wie ein Tanz auf einem Vulkan"

Die Salzburgerin Barbara Wally ist im Jemen verheiratet. Sie berichtet über die jüngste Demonstration.

Regierungsgegner in Sanaa skandieren Parolen gegen Präsident Saleh

Foto © APRegierungsgegner in Sanaa skandieren Parolen gegen Präsident Saleh

SANAA. "Gestern waren nur mehr Alltagsgeräusche von der Straße zu hören und keine rollenden Panzer und Schüsse, wie am Freitag, als Hunderttausende nach den Gebeten in den Moscheen gegen Präsident Ali Abdullah Saleh demonstriert haben."

Das berichtet die Salzburger Kunsthistorikerin Barbara Wally, die seit drei Jahren im Jemen lebt, in einem Interview gegenüber dem ORF-Salzburg. "Aber am Freitag sei die Lage noch "hochexplosiv" gewesen. "Es war wie ein Tanz auf dem Vulkan. Der kleinste Sprengsatz hätte etwas auslösen können."

Auf die Frage, ob sie sich in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa generell sicher fühle, antwortet Wally: "Angespannt ist man schon. Der österreichische Botschafter aus dem Oman hat mir geraten, Jemen zu verlassen. Aber ich will hier bleiben." Denn gemeinsam mit ihrem Mann sei die Anspannung leichter zu ertragen als getrennt im Ausland, gibt sich die zum Islam konvertierte 63-Jährige tapfer.

Keine Radikalen

Ziel der Demonstranten am Freitag sei es gewesen, friedlich die sofortige Ablöse des Präsidenten herbeizuführen, erzählte Wally. "Geplant war ein Marsch zum Palast des Präsidenten. Die Demonstranten sind aber auf dem ,Platz des Wandels' geblieben, um eine blutige Auseinandersetzung zu vermeiden." Man habe befürchtet, dass Salehs Anhänger bewaffnet sein könnten - im Gegensatz zu den Demonstranten.

Aus Angst vor Saboteuren in den eigenen Reihen wurden die Demonstranten von den eigenen Leuten nach Waffen untersucht. "Nach dem Blutbad am Freitag vor einer Woche mit 52 Toten wurden zehn der mörderischen Heckenschützen festgesetzt, die einem Militärgericht übergeben wurden." Sie standen unter dem Befehl des Präsidenten.

Etwa ein Drittel des Heeres habe sich nach dem Massaker mit der Opposition solidarisch erklärt. "Diese Soldaten schützen nun das Volk und die Demonstranten", erklärt Wally.

Wenn es dennoch zu Zwischenfällen kommen sollte, so hielten sich ausreichend viele Ärzte und Krankenschwestern zur Betreuung der Demonstranten bereit und machten Turnusdienst. "Ich selbst bin zweimal zu den Demonstrationen hingegangen und war sehr beeindruckt, wie diszipliniert und friedlich die Kundgebungen verlaufen und wie solidarisch die Jemeniten sind. Hier demonstriert die Jugend für eine bessere Zukunft."

Für den Abgang des Machthabers und eine Verfassungsänderung sei alles vorbereitet, berichtet Wally. "Es gibt hier sechs Oppositionsparteien, die an einer gemeinsamen Lösung arbeiten. Radikale sind da keine dabei."


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