Gaddafis Truppen und Kampfjets griffen Benghazi an
Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi haben am Samstag in der Früh die Aufständischen-Hochburg Benghazi aus der Luft angegriffen. Die östliche Stadt wurde von starken Explosionen erschüttert, nachdem ein Kampfflugzeug darübergeflogen war.

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Trotz einer am Vortag vom Regime verkündeten Waffenruhe und des UNO-Flugverbots haben Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi am Samstag die ostlibysche Aufständischen-Hochburg Benghazi (Bengasi) angegriffen. Dabei seien neben Bodentruppen auch Kampfflugzeuge eingesetzt worden, berichtet der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera. Damit hätte das Regime gegen eine UNO-Resolution verstoßen, die u.a. ein Flugverbot vorsieht. Ein Kampfflugzeug sei abgeschossen worden, berichteten Al-Jazeera und BBC-Korrespondenten. Die internationale Gemeinschaft müsse bei Libyen schnell reagieren, hieß es aus französischen Regierungskreisen vor einem internationalen Sondertreffen zu Libyen in Paris am Nachmittag.
Auch nach Meinung des Rebellenchefs Mustafa Abdel Jalil muss die internationale Gemeinschaft schnell reagieren, um die Zivilisten vor den Angriffen der Truppen Gaddafis zu schützen. Derzeit würden alle Stadtteile von Benghazi beschossen, sagte Jalil Al-Jazeera. Die internationale Gemeinschaft sei bereits spät dran. Falls man heute nicht die Beschlüsse des UNO-Sicherheitsrates umsetze, werde es in Benghazi eine Katastrophe geben.
Einheiten der Gaddafi-Truppen drangen laut Al-Jazeera in Benghazi ein. Dort sitzt der Nationalrat, die politische Vertretung der Aufständischen. Die Regimetruppen setzten demnach auch schweres Artilleriefeuer und Raketen gegen Wohngebiete ein. In der Stadt seien Explosionen zu hören gewesen. In den Fernsehberichten war auch das Luftabwehrfeuer der Verteidiger zu hören. Ein Krankenhausmitarbeiter und Unterstützer der Rebellen sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Kampfjets beschössen die Straße zum Flughafen. Zwei bewaffnete Söldner seien in einem Auto voll mit Handgranaten durch die Stadt gefahren und hätten das Feuer auf Einwohner eröffnet. Laut einem Rebellen wurden die Männer getötet. Ein Reuters-Korrespondent wurde Zeuge einer Explosion in der Nähe des Hauptsitzes der Rebellen.
Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass ein abgeschossenes Militärflugzeug auf dem Boden aufgeschlagen sei. Der Explosion folgte eine schwarze Rauchwolke. Das Flugzeug, das die Stadt seit einigen Minuten in niedriger Höhe überflogen hatte, tauchte demnach plötzlich am Himmel auf. Hinten rechts hatte es Feuer gefangen. Zunächst war nicht bekannt, wie das Flugzeug abgeschossen wurde. Sein Sturz löste in Benghazi Freudenschüsse aus. Die Rebellen besitzen keine Luftwaffe. Zuvor hatte es im Südwesten Benghazis anhaltende Angriffe aus der Luft gegeben.
Waffenruhe als Reaktion auf UNO-Resolution
Die libysche Führung hatte am Freitag als Reaktion auf die Resolution des UNO-Sicherheitsrats eine sofortige Waffenruhe erklärt. Die Aufständischen und die libysche Führung warfen sich jedoch gegenseitig die Missachtung der Waffenruhe vor. Vize-Außenminister Khaled Kaim sagte der BBC am Samstag, das Regime halte sich an die Waffenruhe, die Luftwaffe sei am Boden. In einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur Jana bestritt das Regime in Tripolis auch, Benghazi angegriffen zu haben. Die Truppen am Rand der Städte hätten nach Attacken der Rebellen "in Selbstverteidigung" gehandelt. Gaddafis Streitkräfte waren am Freitagabend, wenige Stunden nach der Waffenstillstandserklärung des Regimes, aus mehr als 100 Kilometer Entfernung kommend auf Benghazi vorgerückt.
Der Weltsicherheitsrat hatte in der Nacht auf Freitag ein Flugverbot über Libyen beschlossen und militärische Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung erlaubt, die keine Bodentruppen vorsehen. Die internationale Gemeinschaft ist damit ermächtigt, gegen die Gaddafi-Truppen militärisch vorzugehen. In Paris wollten sich am Samstagnachmittag Spitzenpolitiker aus aller Welt treffen, um die weitere Vorgangsweise abzustimmen. Eine Intervention sei binnen Stunden nach dem Gipfel möglich, sagte Frankreichs UNO-Botschafter Gerard Araud in einem Interview mit dem britischen Fernsehsender BBC. Die UNO-Botschafterin der USA, Susan Rice, sagte dem US-Nachrichtensender CNN, falls Gaddafi nicht unverzüglich die Bedingungen der UNO-Resolution erfülle, müsse er die Konsequenzen tragen. Die USA und ihre Alliierten seien zum Handeln bereit. An dem Gipfel, der um 13.30 Uhr mit einem Arbeitsessen im Elysee beginnt, nehmen neben den USA, Großbritannien und Frankreich Vertreter arabischer Staaten, der Afrikanischen Union, der Europäischen Union und der UNO teil.
Offenbar besteht noch Uneinigkeit über die Befehlsstruktur bei dem geplanten Militäreinsatz gegen Libyen. Während London eine Führungsrolle der NATO befürworte, plädiere Paris für ein multinationales Kommando unabhängig von der NATO. Frankreich halte die NATO nicht für geeignet, eine neue Front in der arabischen Welt zu eröffnen, berichtet die regierungsnahe Pariser Zeitung "Le Figaro" (Samstag-Ausgabe). Nach Informationen der Zeitung will Frankreich für den Einsatz bis zu 25 Kampfflugzeuge der Typen Rafale und Mirage 2000 bereitstellen. Außerdem soll am Montag der Flugzeugträger Charles de Gaulle in das Krisengebiet entsandt werden.
Dänemark schickte am Samstag sechs Kampfflugzeuge des Typs F-16 für einen möglichen Libyen-Einsatz nach Sizilien. Sondereinheiten des britischen Militärs sind offenbar schon vor Wochen nach Libyen eingesickert. Wie das deutsche Magazin "Focus" unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise berichtet, sollen getarnte Teams des Special Air Service (SAS) und des Special Boat Service (SBS) strategische Ziele wie Militärflughäfen, Luftabwehrstellungen und Kommunikationszentralen für internationale Bombenangriffe markiert haben.









