Opposition in Libyen feiert Sarkozy als Helden des Tages
Für die Gruppe junger Aufständischer im libyschen Benghazi steht der Held des Tages fest: "Es lebe Sarkozy". Die Französische Regierung kämpfte wochenlang für UN-Entschließung 1973 gegen Widerstand Deutschlands.

Foto © Reuters I SUHAIB SALEM
"Es lebe Sarkozy", rufen sie in der Nacht zum Freitag, nachdem der UN-Sicherheitsrat die Resolution verabschiedet hat, die Luftangriffe auf die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi erlaubt. "Wir werden nie vergessen, was Frankreich für uns getan hat", ergänzt ein Ölarbeiter in der Rebellenhochburg.
Die französische Regierung kämpfte in der Tat wochenlang dafür, die UN-Entschließung 1973 gegen den Widerstand Deutschlands und anderer Sicherheitsratsmitglieder durchzubringen. Außenminister Alain Juppé sagte am Donnerstag seinen Antrittsbesuch in Berlin ab, um in New York für den Einsatz zu werben.
Ruhe vor dem Sturm?
"Passen wir auf, dass wir nicht zu spät kommen", warnte der französische Chefdiplomat die 15 Ratsmitglieder. Schließlich hatte die libysche Führung noch für Donnerstagabend Angriffe auf Benghazi angekündigt. Doch der Sturm auf die letzte Bastion der Aufständischen blieb zunächst aus: Unter dem Druck der Entscheidung des Sicherheitsrates verkündete Tripolis am Freitag in letzter Minute eine Waffenruhe.
Noch am Dienstag hatte es so ausgesehen, als ob Frankreich, nur von Großbritannien unterstützt, einen verlorenen Kampf ausfechte. Beim Treffen der G-8-Außenminister in Paris wollte Deutschland nichts von einer Flugverbotszone zum Schutz der libyschen Zivilisten wissen, die damit erst einmal vom Tisch zu sein schien. Schließlich waren auch die USA nicht gerade von der Idee begeistert, nach Afghanistan und dem Irak eine neue Front aufzumachen.
Doch dann setzte sich in Washington die Erkenntnis durch, dass eine Niederlage der libyschen Opposition nur weiteren Terror bedeuten würde. Und so passierte die Resolution mit zehn Ja-Stimmen und der Enthaltung Deutschlands und vier weiterer Länder den Sicherheitsrat. Schon wenige Stunden nach dem Votum erklärte Frankreich sich bereit, mit den Angriffen auf die Gaddafi-Treuen zu beginnen.
Gaddafi in Paris
Vergessen schienen dabei die Zeiten, in denen der französische Präsident einer der engsten Verbündeten Gaddafis in der westlichen Welt war. Nur wenige Monate nach der Wahl Sarkozys stellte der Oberst im Dezember 2007 sein Zelt in der französischen Hauptstadt auf und verhandelte bei einem fünftägigen Staatsbesuch Waffen- und Atomgeschäfte. Die Einladung nach Paris war eine Art Dankesgeste für die Freilassung der in Libyen zum Tode verurteilten Krankenschwestern, für die Sarkozy sich eingesetzt hatte. Gaddafi, jahrzehntelang wegen seiner Nähe zum Terrorismus weltweit geächtet, sprach von Sarkozy als "meinem Freund". Von der Opposition musste sich der französische Präsident damals anhören, er stelle Wirtschaftsinteressen über die Menschenrechte.
Die guten französisch-libyschen Kontakte brachten im Herbst 2010 eine strategische Partnerschaft hervor, bei der es vor allem um den Bau eines Atomkraftwerkes gehen sollte. Schluss war mit der Harmonie erst, als der französische Staatschef vergangene Woche als Erster weltweit die Opposition als rechtmäßige Vertretung Libyens anerkannte. "Er ist mein Freund, aber ich glaube er ist verrückt geworden", sagte Gaddafi daraufhin im RTL-Interview über Sarkozy. Sein Sohn Seif el Islam enthüllte eine angebliche Wahlkampfhilfe Libyens für den französischen Präsidenten, den er als "Clown" bezeichnete.
Im eigenen Land spendete sogar die Opposition Sarkozy nach dem Votum des Sicherheitsrates Beifall. "Bravo Frankreich", lobte der Sozialist Jack Lang. Auch die Franzosen könnten ihren Präsidenten, der zu den Umstürzen in Ägypten und im ehemaligen Protektorat Tunesien lange geschwiegen hatte, wieder positiver einschätzen. Zuletzt hatten Umfragen Sarkozy bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr nicht einmal in der Stichwahl gesehen.









