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Zuletzt aktualisiert: 13.03.2011 um 12:15 UhrKommentare

Mindestens sieben tote Demonstranten im Jemen

Bei Demonstrationen gegen Präsident Saleh im Jemen sind mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind auch Kinder.

Foto © APA

Die Zahl der Toten bei Demonstrationen gegen das Regime im Jemen am Wochenende ist auf sieben gestiegen. Zwei Männer erlagen am Sonntag ihren Schussverletzungen, die ihnen Sicherheitskräfte am Vortag in der südlichen Hafenstadt Aden bei einer Kundgebung zugefügt hatten, berichtete der arabische Fernsehsender Al-Arabyja.

Bei Demonstrationen gegen den Langzeit-Präsidenten Ali Abdullah Saleh töteten die mit äußerster Brutalität vorgehenden Sicherheitskräfte außerdem fünf weitere Menschen. Sie setzten Tränengas, Wasserwerfer und scharfe Munition ein. Je zwei Männer starben in der Hauptstadt Sanaa und in Aden, ein zwölfjähriger Bub in Mukalla im Südosten des Landes.

Im Jemen gibt es seit Wochen Proteste gegen Präsident Saleh. Der seit 32 Jahren herrschende Staatschef hatte am Donnerstag eigentlich zugesichert, die Demonstranten zu schützen. Zudem kündigte er ein Referendum über Verfassungsänderungen an.

Scharfe Munition

In der Hauptstadt Sanaa stürmten die Sicherheitskräfte am frühen Samstagmorgen ein Zeltlager von Oppositionellen. Bei dem anschließenden Gefecht sei ein kleiner Bub tödlich am Kopf getroffen worden, sagte ein Arzt der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Mann, der die Auseinandersetzung von seinem Bürofenster aus beobachtete, sei gestorben, nachdem er von einem Querschläger getroffen worden sei, hieß es in Sicherheitskreisen. In der südlich gelegenen Stadt Mukalla starb ein Zwölfjähriger, als die Polizei dort scharfe Munition einsetzte, um die Demonstranten auseinanderzutreiben.

Unter dem Einsatz von Schlagstöcken, Messern und besonders starkem Tränengas waren Hunderte Sicherheitskräfte nach Augenzeugenberichten noch vor Sonnenaufgang in das Zeltlager in Sanaa eingedrungen. Dort harren Demonstranten seit Wochen aus und fordern den Rücktritt Salehs. Ärzte berichteten, die Polizei verweigere medizinischem Personal den Zugang zum Lager. Das Innenministerium beschuldigte die Demonstranten, das Feuer eröffnet zu haben. 161 Polizisten seien verletzt worden.

Am Samstagabend seien in Aden im Süden des Landes mehrere hundert Menschen auf die Straße gegangen, um gegen den vorherigen Tod eines Demonstranten in der Stadt zu protestieren, teilte ein Behördenvertreter mit. Die Demonstranten hätten eine Polizeistation angezündet, die Polizisten hätten das Feuer eröffnet.

Auch in der 200 Kilometer weiter südlich gelegenen Stadt Tais kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Aufständischen. "Sicherheitskräfte in zivil schossen auf die Demonstranten", sagte einer der Rebellenanführer. Am Vortag hatten landesweit so viele Menschen wie nie zuvor den Rücktritt Salehs gefordert. Sie lehnten das Angebot einer neuen Verfassung ab.

USA zeigen sich bestürzt

Die USA zeigten sich bestürzt über die jüngsten Entwicklungen und riefen zur Ruhe auf. Wenn es keinen Dialog geben werde, blühe dem Jemen das gleiche Schicksal wie Libyen. "Wir wollen einen friedlichen Wandel sehen", sagte der US-Botschafter im Jemen, Gerald Feierstein. Am Freitag hatten die USA Salehs Bestrebungen zur Lösung der Krise willkommen geheißen. Der Anti-Terror-Berater der Regierung, John Brennan, telefonierte mit Saleh. Die USA befürchten, dass ein Sturz Salehs ein Machtvakuum erzeugen könnte, das islamistische Extremisten ausnutzen könnten.

Der jemenitische Al-Kaida-Ableger hatte sich in der Vergangenheit wiederholt zu Anschlägen im Jemen bekannt und weitere Angriffe angekündigt. Die Gruppierung radikaler Islamisten zielt darauf ab, das Land zu destabilisieren und die jemenitische Führung zu stürzen. Saleh hatte den Kampf gegen die Al-Kaida im Vorjahr mit US-Unterstützung verstärkt. Laut Enthüllungsplattform Wikileaks kamen dabei auch US-Drohnen zum Einsatz. Die Amerikaner leisten dem Jemen Einschätzungen zufolge jährlich 150 Millionen US-Dollar (116,3 Mio. Euro) "Militärhilfe".

Abgesehen von dem Volksaufstand und der Al-Kaida fordert im Süden eine Separatistenbewegung die Führung in Sanaa heraus, die für eine Abtrennung des einst sozialistischen Südjemen eintritt. Im Nordwesten gibt es zudem einen bewaffneten Konflikt mit den Rebellen des Schiiten-Führers Abdulmalik al-Houthi, in dem Saleh von Saudi-Arabien unterstützt wird.


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